Der Preiskampf wird härter.“ Dr. Arndt Eigeldinger, verantwortlich für Logistik und Produktionsplanung bei der Dürr AG, hat am Dienstag 20 BZ-Leser durch das Unternehmen geführt, das Lackieranlagen, Umwelttechnik und Holzbearbeitungsmaschinen produziert. Schritt für Schritt erläuterte er, wie die Lackierroboter am Standort in Bietigheim zum Teil hergestellt und montiert werden.

„Jedes zweite Auto weltweit wurde mit der Dürr-Lackiertechnik bearbeitet“, sagte Eigeldinger. Weltweit arbeiten 16 300 Mitarbeiter in 28 Ländern für das Unternehmen, das 1895 als Bauflaschnerei von Paul Albert Dürr in Cannstatt gegründet worden war. Bereits in den 1960er-Jahren wurde die elektrophoretische Tauchlackierung eingeführt, die auch heute noch eine Rolle spielt. Brasilien und Mexiko kamen als erste Auslandstöchter früh hinzu.

Mit der Einführung von flexiblen Lackierrobotern machte das damals bereits börsennotierte Unternehmen 1996 „einen richtig großen Schritt“. Die Entwicklung habe den Lackierprozess stark verändert, erläutert Eigeldinger. Die Karosserien mussten für die Lackierung nun nicht mehr wie durch eine Waschanlage gefahren werden. Die Roboter konnten diesen Arbeitsschritt viel flexibler übernehmen und dabei nicht nur von außen Farbe auftragen: „Ein ganz anderer Prozess“, beschrieb Eigeldinger.

Im Laufe der Jahre seien weitere Bereiche zum eigentlichen Kerngeschäft hinzugekommen: Mit Schenck die Messtechnik (2000), mit Homag die Holzbearbeitungsmaschinen (2014) und mit Megtec (2018) die Umwelttechnik für Abluftreinigung aus den USA.

Darüber hinaus sei die Digitalisierung und die Industrie 4.0 schon seit langer Zeit ein Thema bei der Dürr AG, berichtet Eigeldinger. Ein Bereich, der kontinuierlich ausgeweitet werde ebenso wie die interne Optimierung von Prozessen.

Das Unternehmen erwirtschaftet 45 Prozent seines Umsatzes in der allgemeinen Industrie mit Firmen wie Bosch, Ikea und BASF und 55 Prozent im Automobilbereich mit Firmen wie Volkswagen, BMW und Toyota. 2018 lag der Umsatz der Dürr AG bei 3,9 Milliarden Euro.

An 108 Standorten in 32 Ländern arbeiteten im vergangenen Jahr insgesamt 16 300 Mitarbeiter. Doch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen würden für alle schwieriger: „Bei England muss man schauen wie es weitergeht“, meinte Eigeldinger.

Erste Lackierung in Vietnam

Er schätzte den Markt in Japan als schwierig ein, auch Brasilien würde schwächeln. Doch Thailand und Malaysia seien im Kommen. Vor kurzem habe das Unternehmen die erste komplette Lackierung in Viet­nam gebaut.

Dürr sei es in den vergangenen 15 Jahren gelungen, die Kosten für die Lackierung einer Karosserie um 25 Prozent auf rund 300 Euro zu senken.

In der Montagehalle zeigte Eigeldinger den Glockenteller aus Titan, der später am Arm eines Roboters für die Farbverteilung zuständig sorgt. Mit 70 000 Umdrehungen pro Minute werde die Farbe mit Hilfe der Fliehkraft zerstäubt. „Ein Kernbauteil, das wir selber fertigen“, sagte Eigeldinger. Er erläuterte auch den Farbwechsler, bei dem nur kurze Leitungen gereinigt werden müssten. Eigeldinger erläuterte den BZ-Lesern auch den Aufbau der Lackierroboter, die mit ihren zwei Armen rund 900 Kilogramm wiegen und in der Herstellung rund 300 000 Euro kosteten.

Auch wenn zurzeit vier Prozent weniger Autos pro Jahr gebaut würden, China nur noch mit sechs Prozent wachse und das Budget der Autohersteller geringer werde: „Ich sehe nicht schwarz. Wir machen einfach weiter“, sagte Eigeldinger.