Jahrhundert glaubten die Leute, dass hier die Pferde Eier legen.“ Am  Montag hat Gertrud bei ihrer schwäbischen Führung durch den Erlebnispark Tripsdrill rund 20 BZ-Leser mit auf eine Reise in die Vergangenheit in die Gründungszeit des Parks genommen.

In ihrem grün-roten Dirndl, mit kantiger Brille und Strohhut mit Blumenband führte sie die Besucher in das Wolkenkuckucksheim ein: „Hier darf man keinesfalls ernst und verbissen sein“, riet sie und ließ sich auch vom Regen nicht die Laune verderben. Ihr erster Halt galt der Altweibermühle: „Der Wunsch danach, jung zu sein, steckt in uns allen drin“. Schon vor 250 Jahren habe es den Mythos gegeben, dass in der Gegend alte Frauen jung gemahlen werden.

Eugen Fischer, ein echtes Marketingtalent, wie Gertrud betonte, machte sich diese Erzählung zunutze und erweiterte seine Gaststätte 1929 um eine Rutschbahn. Außerdem befestigte er oben am Turm vier Mühlenflügel. „Die Leute wollten eine Altweibermühle, also hat er eine gebaut“, sagte Gertrud und deutete auf das rote Geschenkband, das die Mühle des ältesten Freizeitparks in Deutschland zum 90. Bestehen schmückt. Wer über die Rutsche hinuntersauste, strahlte und sah dadurch gleich jünger aus.

1946 zerstörte ein Blitzschlag die Mühle. Sohn Kurt Fischer hatte viel Mut und fing von vorne an – mit Erfolg. Trulla, wie der Park liebevoll von den Einheimischen genannt wird, ist weiterhin in Familienhand. 2018 besuchten rund 765 000 kleine und große Gäste den Park, dessen Grundstruktur mit Heimatmuseum, staatlich anerkanntem Vinarium sowie den Tieren bis heute bestehen geblieben ist.

Zur Altweibermühle gesellt sich 1970 eine Altmännermühle mit Geschicklichkeits-Parcours. „Mein Mann muss da auch immer durch“, erklärt Gertrud bestimmt. Rotwild, Mufflons, Bären und Fischotter ziehen in das Wildparadies ein, immer mehr Fahrattraktionen kommen hinzu. Wie der Donnerbalken.

In 15 Metern Höhe hat sich in luftiger Höhe Schneider Simon Huzelin ein Haus errichtet, um sich vor Bären, Wölfen und Luchs zu schützen, so die Legende. Besucher dürfen sich auf einen Baumstamm setzen, den er in die Höhe zieht. Doch einen besonders schweren Besucher kann Huzelin nicht mehr halten, er saust auf dem Baumstamm in die Tiefe.

Im Hintergrund juchzen auch jetzt die Besucher auf dem Fahrgestell, das im freien Fall in die Tiefe donnert. Als eine Besucherin zugibt, das Lied vom Donnerbalken nicht zu kennen, hakt sich Getrud bei ihr ein und singt fröhlich „Auf dem Donnerbalken, saßen Gestalten und sie schrien nach Klopapier.“ Andere Gäste stimmen fröhlich mit ein.

Das Freilichtmuseum erkläre alles zum Thema Weinbau, schwärmt Gertrud, „denn das hat gedauert, bis die damals ein gutes Viertele hatten“. Und während sie begeistert davon erzählt, wie der Rebenanbau in den historischen Gebäuden dargestellt wird, sitzt auf dem Gebäude gegenüber ungerührt ein Storch in seinem Nest und beobachtet das Treiben. Vom Weinbau führt Gertrud die Gruppe gleich zum Heiratsmarkt. Er ist dem Katharinenmarkt nachempfunden, den es an dieser Stelle um 1500 gab. Junge Frauen und Männer feierten hier gemeinsam das Ende der Weidezeit.

Im Eheanbindungsinstitut konnten die BZ-Leser das Fensterln üben und im Kindlesbrunnen für Nachwuchs sorgen. Getrud lud die Besucher ein, sich auf Wiegenfahrt zu begeben. Wer es jedoch schneller mag, dem empfahl sie die Holzachterbahn Mammut. Die Bahn erhebt sich in 30 Metern Höhe. Die Katapult-Achterbahn Karacho beschleunigt sogar in 1,6 Sekunden auf 100 km/h, erklärte Gertrud.

Und wer es gemächlicher mag, dem empfahl sie Ausstellung zum Jungbrunnen: „Denn Jungsein wollen wir doch alle.“

Begeistert von der Schnee-Eule, den Blumen und den Baumhäusern


Inge Kayser: „Ich fand die Führung ganz toll. Gertrud hat das super und mit Feuereifer gemacht. Ich war Anfang der 1970er Jahre das erste Mal hier. Von der Altweibermühle hatte ich sogar schon in Schleswig Holstein gehört.
Damals gab es hier eine Schnee-Eule, ein ganz schönes Tier. An die Eule erinnere ich mich noch richtig gut. Wenn man Kinder hat, kann man hier den ganzen Tag verbringen. Mir gefallen auch das viele Grün und die vielen Blumen. Alles ist so sauber. Wir werden jetzt noch ein wenig herumlaufen und vielleicht noch bei Eulen vorbeischauen. Wenn die Enkelkinder etwas älter sind, werden wir mit ihnen herkommen – und vielleicht auch in einem der Baumhäuser übernachten.“ moc