Ich mache das mit sehr viel Herzblut. Mir liegt unheimlich viel am Erhalt der terrassierten Steillagen. Ich würde am liebsten alle retten, aber das kann ich leider nicht“, sagt Felix Velte, der über sechs Jahre lang in seiner Freizeit zwei brachliegende Weinberge mit Steillagenterrassen saniert und neu bestockt hat. 210 Quadratmeter Weinbergmauern hat er wieder aufgebaut – kein einfaches Unterfangen.
„Eigentlich war hier gar nichts“, sagt Felix Velte im Gespräch mit der BZ. „Also außer Unkraut und eingefallenen Mauern.“ Gemeinsam mit seinem Bruder Moritz Groß sowie seinem Vater und Großvater habe er den Weinberg inklusive Weinbergmauern wieder instand gesetzt. „Mein Vater ist Landschaftsgärtner. Er leitete uns an und wir haben’s so gemacht, wie er gesagt hat. Zumindest meistens“, sagt Velte und lacht.
Mit Bagger, Raupe und Lastwagenladungen voller Steine arbeitete sich die Familie durch das Dickicht. „Wir haben alleine schon 2500 Stunden in die Mauern investiert“, so Velte und erklärt: „Wenn die Mauern einmal bewachsen oder eingefallen sind, dann macht’s eigentlich keiner mehr.“ Beispiele dafür sehe man zuhauf in Marbach, Ludwigsburg-Hoheneck oder auch Aurich in Vaihingen, wo der Ingersheimer inzwischen mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter wohnt. Für seine Arbeit wurde Velte in diesem Jahr mit dem Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet (die BZ berichtete).

Mit Bagger in den Steillagen

Die 210 Quadratmeter Weinbergmauern beziehen sich übrigens nur auf die sogenannte Ansichtsfläche, also den Teil der Mauer, der von außen zu sehen ist. Die Weinbau-Familie musste auch das Hintergemäuer, das für die Stabilität sorgt, ertüchtigen. „Das war schon heikel mit dem Bagger in den Steillagen“, erinnert sich Velte und ergänzt: „Ich habe den größten Respekt vor den Leuten früher, die das alles ohne die Gerätschaften machen mussten.“
Ein wenig Idealismus sei schon dabei, sagt der junge Wengerter, tatsächlich lohnen würde sich der Aufwand kaum. „Aber wir machen’s so gut wir es können. Mein Anspruch ist, gut zu sein und regional, aber auch national konkurrenzfähig zu bleiben.“ Seit einem Jahr ist der Wein vom Ingersheimer Weingut Velte in den Verkauf gegangen. „Der Verkauf ist eigentlich das schwierigste“, sagt Velte. Er habe viel telefonieren und netzwerken müssen, da er mit seinem Wein in die Gastronomie möchte. Dann jedoch brach die Corona-Pandemie aus. „Viele sind wieder abgesprungen“, so der junge Wengerter, der im Jahr etwa 2500 bis 3000 Flaschen Wein abfüllt. Angeboten wird der Ingersheimer Wein inzwischen zum Beispiel in den Kronenstuben in Bietigheim-Bissingen.
Zwar kümmert sich der 29-Jährige in seiner Freizeit um seinen Ingersheimer Wein, beruflich hat er aber auch mit Wein zu tun. 2008 habe er mit der Lehre zum Weinküfer begonnen und sich später zum Weinbautechniker ausbilden lassen. Inzwischen arbeitet er auf dem Weingut Fried Baumgärtner in Hohenhaslach. „Und abends geht’s dann noch auf dem eigenen Weingut weiter“, sagt er. Es mache ihm einfach unheimlich große Freude, Wein zu machen. „Vom ersten Arbeitsschritt bis zur Abfüllung, da ist so viel Abwechslung und Herausforderung drin“, sagt er. „Genau genommen macht meine Familie schon immer selbst Wein, mein Opa bereits früher für den Eigenbedarf.“ Die Weinbau-Familie sei in einer Genossenschaft gewesen, wollte dann aber „etwas Eigenes“, wie Velte sagt. Diese Chance bot sich dann 2016 mit den Steillagen der Gemeinde Ingersheim, die der Wein-Experte pachtete.

Ausgleich zum Job

Ob er einen Ausgleich zur Arbeit im Wengert habe? „Aktuell hält mich meine kleine Tochter auf Trab“, einen anderen Ausgleich brauche er nicht. Sein Bruder Moritz wiederum ist hauptberuflich Software-Entwickler. „Und nebenberuflich Mauer-Aufrichter“, scherzt er. „Das ist schon ein guter Ausgleich zum Job.“
Von den Reben her habe man darauf geachtet, Sorten zu pflanzen, die zum Standort passen, um „unsere Heimat erschmeckbar zu machen.“ Neben Riesling, Schwarzriesling und Weißburgunder soll in Zukunft ein Gewürztraminer zum Flaggschiff werden, verrät Velte. Sein Lemberger wiederum belegte 2020 den dritten Platz beim „Vaihinger Löwen“, der in diesem Jahr zum 28. Mal den besten Lemberger kürte.
Dass wenig Wengerter Weinberge in Steillage bewirtschaften, führt Velte auch auf die vielen und strengen Vorschriften zurück. Mehr Entgegenkommen wäre eine Erleichterung, sagt er. Man könne nicht alle Terrassen erhalten, aber es würden sich mehr dafür bereit erklären, wenn ihnen bürokratisch nicht so viele Steine in den Weg gelegt würden, gibt Velte zu bedenken, der mit Leidenschaft auf seinem Weingut arbeitet. „Ich möchte mit meinen Weinen den Menschen eine Freude machen und aufzeigen, dass in den terrassierten Steillagen Weine von allerhöchster Qualität möglich sind.“

www.wein-velte.de