Literaturarchiv Legendäre Bibliothek in Marbach

Marbach / bz 05.06.2018

Das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) hat eine wertvolle Teilbibliothek aus dem Besitz des Dichters und Büchersammlers Karl Wolfskehl (1869 bis 1948) und seiner Lebensgefährtin Margot Ruben erworben. Es handelt sich um 130 Bände, die Wolfskehl und Ruben 1938 mit ins Exil nach Neuseeland nahmen oder erst dort erwarben. Dies teilt das Literaturarchiv in einem Schreiben mit.

In einem dreijährigen Kooperationsprojekt zwischen dem DLA und dem Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München wird die legendäre Bibliothek Wolfskehls seit 2017 virtuell rekonstruiert, zudem werden seine Beziehungen zu Münchner Büchersammlern und Antiquaren erforscht. Sowohl die Neuerwerbung als auch das Kooperationsprojekt werden von Karl Albrecht gefördert.

Mit Widmungen

Viele Bücher der erworbenen Sammlung sind den beiden Emigranten gewidmet: von Mitgliedern des George-Kreises wie Robert Boehringer, Max Dauthendey, Melchior Lechter, Rudolf Pannwitz und Edgar Salin, aber auch von dem Antiquar Curt von Faber du Faur sowie den beiden neuseeländischen Schriftstellern Arthur R. D. Fairburn und Frank Sargeson. Bereits 1937 hatte Wolfskehl seine mehr als 9000 Bände zählende Bibliothek an den Verleger Salman Schocken verkauft. Diese Bücher sind über Bibliotheken und Privatsammlungen in der ganzen Welt verstreut. Im Rahmen des Kooperationsprojekts wird ein Bestandsverzeichnis mit Exemplarnachweisen und Provenienzangaben im Katalog des Deutschen Literaturarchivs erstellt – eine digitale Ergänzung des Nachlasses von Karl Wolfskehl, der seit 1972 im Deutschen Literaturarchiv aufbewahrt wird. Das Kooperationsprojekt ergänze das Forschungsprojekt „Die Bibliotheken von Karl Wolfskehl“ im Forschungsverbund Marbach Weimar Wolfenbüttel, teilt das DLA mit.

Info Karl Wolfskehl (geboren am 17. September 1869 in Darmstadt, gestorben am 30. Juni 1948 in Bayswater, Auckland, Neuseeland) war Schriftsteller und Übersetzer. Sein Wirken umfasste Lyrik, Prosa und Dramatik. Während andere seiner Freunde aus der Dichtergruppe George-Kreis noch abwarteten, reiste er am Tag der Machtergreifung der Nazis ins neuseeländische Asyl, ins Antithule, wie er die Insel nannte – so weit von Deutschland weg wie möglich.

www.dla-marbach.de