Sanierungen Lange Wartezeiten auf Handwerker

Knapp 50 Prozent der privaten Badezimmer sind mehr als 20 Jahre alt und müssen saniert werden. Die große Sanierungsnachfrage kommt auch durch die staatliche Förderung.
Knapp 50 Prozent der privaten Badezimmer sind mehr als 20 Jahre alt und müssen saniert werden. Die große Sanierungsnachfrage kommt auch durch die staatliche Förderung. © Foto: Foto; tdx;Diana Bad
Kreis Ludwigsburg / Bettina Nowakowski 03.11.2018

Wer sein Bad renovieren, eine neue Heizung einbauen oder die Wohnung altersgerecht umbauen lassen möchte, der braucht vor allem eines: Geduld. Aufgrund der großen Nachfrage nach Sanierungen muss man derzeit im Schnitt zehn bis zwölf  Wochen auf einen Handwerker warten. Das bezieht sich besonders auf das Bauhauptgewerbe und das Ausbaugewerbe. Zimmerer, Dachdecker, Maler, Elektrotechniker und Installateure für den Sanitär- und Heizungsbau sind auf Monate ausgebucht.

Gerd Kistenfeger, Pressesprecher der Handwerkskammer Stuttgart, sieht vor allem zwei Gründe für die langen Wartezeiten. „Die Investitionsfreude ist momentan groß bei privaten Auftraggebern, für den Umbau, zum Beispiel für altersgerechtes Wohnen, wird viel Geld ausgegeben in dem Bereich.“ Dazu kommt die Nutzung von Fördergeldern und der günstige Zinssatz bei der Vergabe von Krediten. Die sogenannte Erbengeneration sorge dafür, dass viele Häuser und Wohnungen renoviert und saniert werden. Ein zweiter Grund sei laut Kistenfeger, dass die Handwerkerbetriebe „nicht die entsprechende Anzahl an Fachkräften haben“, so dass es zu langen Wartezeiten kommt. „Wir hätten sehr gern mehr Mitarbeiter in den Betrieben.“ Der extreme Fachkräftemangel ist auch für Obermeister Walter Bannert von der Innung für Elektro- und Informationstechnik Ludwigsburg ein „Hauptgrund für Wartezeiten derzeit von mindestens zehn bis zwölf Wochen“. Dietmar Zahn, Geschäftsführer des Fachverbands Sanitär-Heizung-Klima Baden-Württemberg, bestätigt eine große Nachfrage im Handwerksbereich. Im landesweiten Durchschnitt betrage die Auftragsreichweite im Sanitär-/Badbereich zehn bis elf Wochen und im Heizungsbereich neun bis zehn Wochen, regional könnten die Wartezeiten länger sein. „Nur eine Wartezeit bei einer Heizungs- oder Badsanierung wird es immer geben“, so Dietmar Zahn. „Jeder Umbau, jede Modernisierung muss geplant werden, der Kunde wird beraten und erhält ein Angebot.“ Ist der Auftrag erteilt, müsse man allerdings bei den Badezimmermöbeln und der Sanitärkeramik bereits mit Lieferzeiten von vier bis sechs Wochen rechnen. Allein in Baden-Württemberg sind von den 1,6 Millionen eingebauten Öl- und Gasheizkesseln rund die Hälfte über 20 Jahre alt und stehen zum Austausch gegen eine neue, effiziente Heizung an. Ähnliches gilt für Badezimmer, von denen knapp 50 Prozent rund 20 Jahre alt sind. Einen wesentlichen Anteil an der großen Sanierungsnachfrage habe auch die staatliche Förderung. So gibt es bei der Sanierung einer Heizungsanlage zum Beispiel einen Investitionszuschuss von 15 Prozent durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), für die Nutzung von erneuerbarer Energie einen weiteren Zuschuss durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Wird das Badezimmer barrierefrei modernisiert, erhält man ebenfalls einen Zuschuss durch die KfW.

Schnelle Hilfe bei Notfällen

Im Notfall bleibt allerdings niemand auf dem Trockenen oder im Kalten sitzen. Ein Heizungsausfall oder Wasserrohrbruch werden innerhalb von zwei bis drei Tagen behoben. Um Störungen zu vermeiden, empfiehlt der Handwerksverband den Abschluss eines Wartungsvertrages.

Laut des Konjunkturberichts zur Wirtschaftslage im Handwerk für das dritte Quartal 2018 von der Handwerkskammer Stuttgart gehen 70,1 Prozent der befragten Handwerkerbetriebe davon aus, dass sich ihre gute Geschäftslage auch in den nächsten Wochen fortsetzt. Jeder fünfte Handwerker (20,6 Prozent) rechnet sogar mit einer Verbesserung seiner aktuellen Geschäftslage.

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