Justiz Lange Haftstrafe droht

Von Bernd Winckler 05.10.2017

Am Mitwoch war der zweite Prozesstag am Stuttgarter Landgericht gegen einen 32-jährigen Ludwigsburger, der große Mengen Rauschgift mit dem Motorrad von Amsterdam in das Kreisgebiet eingeführt haben soll. Der Mann war erst im Februar 2015 aus einer letzten Haft wegen Drogenhandel entlassen worden, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Vorstrafenakte bei der 18. Großen Strafkammer.

Wenige Monate nach der letzten Haftentlassung soll der 32-Jährige in gravierender Weise erneut rückfällig geworden sein. Laut Anklage geht es um die Beschaffung von Rauschgiftmengen im Gesamt-Straßenwert von mehreren hunderttausend Euro, die der Angeklagte ab Mitte letzten Jahres bis zum 9. Januar dieses Jahres mit seinem Motorrad aus den Niederladen geholt hat. Die Empfänger der Drogen waren vier Freunde, aus Bietigheim-Bisssingen, Pleidelsheim und Marbach, die inzwischen zu hohen Haftstrafen verurteilt worden sind. Es handelte sich über 15 Kilo Rauschgift, von dem die Polizei bei der Durchsuchung seiner Ludwigsburger Wohnung weit über ein Kilo sicherstellen konnte. Der Rest soll hautsächlich an Abhängige in Pleidelsheim und Umgebung ausgeliefert worden sein.

Lieferungen nach Pleidelsheim

Den jetzt beschuldigten 32-Jährigen, der zuletzt in Ludwigsburg als Barkeeper arbeitete, erwartet eine weitaus höhere Strafe, als seinen einstigen Mittätern. Er wurde laut der Vorstrafenliste  vom Landgericht im Jahre 2013 zusammen mit zwei Mittätern wegen Handels mit Rauschgift zu vier Jahren Haft verurteilt. Damals wiesen ihm die Richter mehrere Beschaffungsfahrten mit der Bahn und mit einem Mietwagen nach, wobei in Belgien große Mengen Kokain und Haschisch eingekauft und in Ludwigsburger Kreisgebiet an Abhängige verkauft wurden. Es ging damals um eine Menge von 1,4 Kilo Kokain, 87 Gramm Marihuana und 300 Gramm Haschisch, sowie eine größere Menge Streckmittel. Die letzte Tat war am Februar 2013. Die damaligen Richter hatten festgestellt, dass die letzten Rauschgiftlieferungen einen sehr hohen Reinheitswert hatten und wertvoll waren.

Es setzte gegen den 32-Jährigen vier Jahre Freiheitsstrafe, von denen er allerdings nur rund zwei Jahre absitzen musste. Weitere zwei Jahre wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Bewährungszeit war bei der Begehung der neuen Rauschgifttaten noch nicht verstrichen, sodass die Richter jetzt wegen des Rückfalls neben einer recht hohen Strafe auch noch die frühere Bewährung widerrufen werden. Das hieße, dass der 32-Jährige den früheren Strafrest zusätzlich abzusitzen hat.

Ob er wegen seiner eigenen Drogensucht, die er angibt, strafrechtlich nur teilweise schuldfähig ist, soll jetzt ein Gutachter feststellen. Am Dienstag nächster Woche wollen die Richter das Urteil gegen ihn verkünden. Damit wären dann alle Fünf  der Rauschgift-Bande im Kreis Ludwigsburg per Richterspruch für längere Zeit aus dem Verkehr gezogen.