Weithin sichtbar loderten die Flammen. Am Samstagabend haben die Mitglieder der Rebschutzgemeinschaft Hohenhaslach sowie die Landwirte und Wengerter aus Bönnigheim Mahnfeuer in den Weinbergen über der Kirchbachtalgemeinde und im Schauinsland entzündet. Damit protestierten sie gegen die ihrer Ansicht nach zu strengen Auflagen des Agrarpakets der Bundesregierung. „Wir rufen die Politiker des Bundes und des Landes zum Dialog mit uns Landwirten und Weinbauern auf. Wir wollen miteinander reden und geeignete Lösungen finden, anstatt nur übereinander zu sprechen“, erklärt Samuel Weiberle von der Rebschutzgemeinschaft.

Deutschlandweite Mahnfeuer

Das Aktionsbündnis „Land schafft Verbindung – Wir rufen zu Tisch“ hatte deutschlandweit zu diesen Mahnfeuern appelliert, welche die Protestwelle der Bauern in den vergangenen Wochen fortsetzen sollten (die BZ berichtete). Neben Sachsenheim und Bönnigheim wurde im Landkreis auch Oberriexingen solche Feuer entzündet. In Bietigheim-Bissingen luden die Wengerter zum Gespräch auf den Sternlesmarkt ein.

„Wir Wengerter haben unsere Hausaufgaben gemacht und sparen Pflanzenschutzmittel im Weinberg ein, wo es nur geht“, sagt Klaus Weiberle. Nachhaltiger Insekten- und Naturschutz liege den Wengerten am Herzen. „Aber die geplanten Auflagen des Agrarpakets gefährden unsere Existenz. Das wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden“, erklärt der Wengerter. „Wir müssen jedoch einen gemeinsamen Weg finden und auch die Forschung mit ins Boot holen, um neue Lösungen zu entwickeln.“ Der Hohenhaslach-Wengerter ist ebenfalls Mitglied in der Rebschutzgemeinschaft, die Unterschriften gegen das Agrarpaket gesammelt hatte und geschlossen hinter der Aktion des Mahnfeuers stand. „Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei unseren Kunden ist riesengroß. Sie verstehen unser Anliegen und worum es uns eigentlich geht“, ergänzt Klaus Weiberle.

Zum Hohenhaslacher Mahnfeuer waren zahlreiche Bürger gekommen, um die Wengerter zu unterstützen, aber auch um sich über ihre Forderungen detailliert zu informieren. „Wir sind bereit, über eine Verbesserung bei den Pflanzenschutzmitteln nachzudenken, aber zunächst muss die Forschung in diesem Bereich Fortschritte erzielen“, sagt Samuel Weiberle. „Wir müssen gemeinsam nach Alternativen suchen. Uns kann nicht einfach vorgeschrieben werden, bis zu einem bestimmten Tag X 50 Prozent unserer Flächen nur noch biologisch zu bewirtschaften.“ Für Bio-Wein gebe es aktuell nur einen sehr kleinen Markt und geringe Nachfrage, sagt der Wengerter, der bereits einen kleinen Teil seiner Rebflächen biologisch bewirtschaftet. Doch bei der aktuellen Lage könne er sich dies längst nicht für seine gesamten Anbauflächen vorstellen, ohne die Existenz seines Betriebs gefährdet zu sehen. „Der Markt und die Nachfrage für Bio-Wein müssen mitwachsen und sich entwickeln“, stellt er klar. Er wolle die heimische Kulturlandschaft mit ihrer Artenvielfalt erhalten. Jedoch liegen die Hohenhaslacher Rebhänge bereits in einem besonders geschützten Erhaltungsgebiet, und noch strengere Auflagen würden nach Meinung der Wengerter eine Bewirtschaftung in der aktuellen Situation nahezu unmöglich machen.

Den Slogan des Aktionsbündnisses „Wir rufen zu Tisch“ haben die Wengerter Stromberg-Zabergäu wörtlich genommen und unter anderem den baden-württembergischen Landwirtschaftsminister Peter Hauk sowie Umweltminister Franz Untersteller zu einem „Runden Tisch“ eingeladen. „Das ist eine tolle Sache. Auch in der Bundespolitik bewegt sich etwas, und die Proteste haben zu einem Umdenken veranlasst“, sagte Samuel Weiberle. „Wir Landwirte und Wengerter müssen jetzt am Ball bleiben und gemeinsam für unser Anliegen einstehen“, macht er deutlich. Die Hohenhaslacher Winzer haben für ihr Mahnfeuer im Vorfeld alle Schutzmaßnahmen mit der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr abgeklärt und für die Flammen nur altes, unbelastetes Reb- und Palettenholz entzündet.