Die Vorsitzende des Kreisseniorenrats Ludwigsburg, Nora Jordan-Weinberg, musste sich für eines der Projekte ihrer Organisation buchstäblich aufteilen: Sowohl in Tamm als auch in Markgröningen fanden im Beisein der örtlichen Bürgermeister und Schulleiter die Zertifikatsübergaben an insgesamt 17 Realschüler der Klassenstufe 8 statt. Sie hatten sich während der vergangenen Monate intensiv mit dem Thema Alter auseinandergesetzt.

Beide Seiten profitieren

Die Schüler wurden von einem Bewohner des Kleeblatt-Pflegeheims Tamm und Markgröningen begleitet. Durch den persönlichen Austausch in vielen Einzelbesuchen gewannen die Jugendlichen einen Zugang zur Lebenswirklichkeit im Alter. Für die Senioren ist es ebenso ein Gewinn, in Kontakt mit jungen Menschen zu sein, die ihnen ihre moderne Welt nahebringen. Eine Seniorin, die die Patenschaft für gleich zwei Jugendliche übernommen hatte, berichtete, wie ihr mit viel Geduld und ohne Herablassung die Handhabung und Funktionsweise eines Smartphones erklärt worden sei, davon habe sie sehr profitiert.

Die Teilnahme am Projekt umfasste mindestens 20 Pflichtstunden, davon acht im Rahmen von Vorträgen und Workshops. Es ging um Themen wie Auswirkungen von Demenz, Umgang mit dem Sterben, Aufgabenfelder in der Altenpflege, Pflegeberufe, oder auch das aktive Ausprobieren, wie man sich als alter Mensch fühlt, durch Tragen eines entsprechenden Altersanzugs. Im Gegenzug machten die Senioren einen Besuch in der Realschule Tamm, um sich anzuschauen, wie Schule heute gelebt wird. So konnten sie Vergleiche zu ihrer eigenen Schulzeit anstellen.

In ihren Ansprachen hoben die Bürgermeister Martin Bernhard (Tamm) und Rudolf Kürner (Markgröningen) die Wichtigkeit des Dialogs von Jung und Alt hervor. Initiiert durch den Kreisseniorenrat Ludwigsburg hat sich das Projekt 15/75 im Landkreis inzwischen etabliert. Für das kommende Jahr haben schon jetzt alle beteiligten Institutionen ihre Mitwirkung zugesagt.