Die Hitze der vergangene Woche hat den Freibädern Rekordbesuche beschert, aber wie gehen die Bäder mit einem solche Ansturm um? Im Ellental etwa bildeten sich sehr lange Schlangen an den Kassen. Wie behält der Bademeister den Überblick und wie sieht es mit den fast unvermeidlichen Konflikten im und am Schwimmbecken aus? Ein Vorfall in Düsseldorf sorgte erst kürzlich für Schlagzeilen. Dabei waren Hunderte Badegäste in Streit geraten und die Polizei musste die Situation klären. Am Samstag kam es in einem Freibad in Stuttgart-Untertürkheim zu einem Polizeieinsatz, weil drei Jugendliche den Anweisungen des Personals nicht Folge leisten wollten. Nach Polizeiangaben störten dann um die 50 Menschen die hinzugerufene Polizei bei der Personalienfeststellung, es kam zu einer körperlichen Auseinandersetzung und zum Einsatz von Pfefferspray.

Wer sich vergangene Woche im Freibad Ellental abkühlen wollte, brauchte zunächst Geduld, denn schon mittags gab es teilweise Warteschlangen an den Kassen, die bis auf die Straße reichten. „Mit 37 000 Besuchern war die vergangene Woche mit Sicherheit ein Highlight“, freut sich Thilo Dittmann, bei den Stadtwerken Bietigheim-Bissingen für die Bäder und Eishallen zuständig. Auch die bisherige Bilanz insgesamt fällt positiv aus: 83 000 Badegäste haben bislang das Freibad in Bietigheim-Bissingen besucht, im vergangenen Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt (bis 30. Juni) nur 71 000. Und das obwohl der Mai in diesem Jahr mit nur 10 000 Besuchern eher schlecht lief.

Der große Andrang freut die Verantwortlichen natürlich, gegen die Warteschlangen können sie aber wenig ausrichten. „Wir öffnen unsere drei Kassen, aber zu den Hochzeiten muss man eben kurz warten“, sagt Dittmann. Man könne nicht genau erfassen, wie viele Menschen ins Bad passen, weil man den Austritt nicht erfasse, aber bei 9000 Besuchern wie am Sonntag sei noch genug Platz auf der Wiese gewesen. Für die Schwimmmeister bedeutet der große Andrang eine zusätzliche Arbeitsbelastung. „Wir hatten am Sonntag drei Schwimmmeister und durchschnittlich acht Ehrenamtliche von der DLRG im Einsatz“, erklärt Dittmann. Zusätzlich liefen noch Security-Mitarbeiter durch das Freibadgelände. Szenen wie in Düsseldorf gebe es aber im Ellental nicht, so Dittmann. Es habe auch noch keinen Polizeieinsatz im Bad gegeben. Natürlich komme es immer wieder mal zu Streitigkeiten, dabei sei aber bisher nichts Gravierendes vorgefallen. Etwas anderes beschäftigt Dittmann viel mehr: Der sinkende Respekt vor den Anweisungen der Freibad-Mitarbeiter. „Es kommt immer öfter vor, dass den Anweisungen nicht Folge geleistet wird und dass grundsätzlich wenig Respekt gezeigt wird“, so der Freibad-Chef. Dann komme es schon zu Rausschmissen, und auch Hausverbote habe man im Ellental schon ausgesprochen. „Wenn man selbst auf die hinzugerufen Polizei nicht hört, dann fällt mir nichts mehr ein“, sagt Dittmann über besonders uneinsichtige Badegäste.

Für die weitere Saison hofft Dittmann natürlich auch im Juli auf so gutes Wetter, wie im Juni, Prognosen zur Besucherzahl möchte er aber nicht abgeben, aber er hat noch einen Tipp: Bester Zeitpunkt für den Badbesuch sei der Vormittag: „Wer zu Beginn der Öffnungszeiten kommt, hat gute Chance noch viel Platz im Becken zu haben.“

In Sachsenheim zeigt sich Axel Griesbaum, Vorsitzender des Trägervereins Schloss-Freibad, sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Saison: „Wir haben seit 11. Mai geöffnet. Der Mai war grausig mit 3500 Besuchern, aber im Juni haben wir 26 000 Besucher verzeichnen können.“ Allein in der letzten Juniwoche seien 15000 Besucher gekommen und am Sonntag gab es einen Höchstbesuch mit 2600 Badegästen an einem Tag. „Mehr gehen bei uns nicht rein“, sagt Griesbaum. Wichtig sei bei solchen Hochphasen die Unterstützung der DLRG, die am Sonntag mit vier Leuten in Sachsenheim am Beckenrand die Schwimmmeister unterstützten. „Ohne die DLRG würde es nicht gehen“, so Griesbaum.

Was Streitigkeiten unter den Badegästen angeht, gebe es in diesem Jahr keine besondere Auffälligkeiten. Aufgeschreckt von den Ereignissen in Düsseldorf habe er am Montag selbst Rücksprache mit dem Bademeister gehalten, aber der konnte für Sachsenheim Entwarnung geben. „Natürlich sind bei den Temperaturen auch mal Gemüter etwas erhitzt, aber bei uns gab es nichts Außergewöhnliches bislang in diesem Jahr“, so Griesbaum. Streitigkeiten etwa weil kickende Badegäste störten gebe es immer mal wieder, aber das Ausmaß halte sich in Grenzen. Nichtsdestotrotz beobachte grundsätzlich einen raueren Umgang miteinander.

Auch in Bönnigheim freut man sich über rekordverdächtige Besucherzahlen. „Im Juni hatten wir 53 000 Besucher, allein in der vergangenen Woche 25 000“, sagt Nicole Schellenbauer, von den für das Mineralfreibad zuständigen Stadtwerken. Der Juni war damit deutlich besser als der 2018 (31 000). Dafür war im vergangenen Jahr der Mai mit 27 000 Besuchern deutlich besser als diesmal (10 000). Mit 63 000 Gästen ist die Saison bislang etwas besser als 2018. Der Ansturm, vor allem am Mittwoch vergangener Woche, einem der heißesten Tage des Jahres, hat die Bönnigheimer doch etwas überrascht und auch am Sonntag waren mit 6500 Menschen rekordverdächtig viele im Mineralfreibad. Auch dort gilt, dass es ohne die Ehrenamtlichen der DLRG nicht funktionieren würde. In Richtung Sicherheit gebe es auch aus Bönnigheim nichts zu berichten, so Schellenbauer. Es gibt keine Security, die sei aber auch nicht notwendig, weil eben in der Regel nichts vorfalle.