Gemmrigheim Lahmes Internet im Ort

Recht bescheiden ist die Internetgeschwindigkeit in Gemmrigheim, wie der "Speedtest" auf dem Laptop zeigt.Eine Verbesserung der Internetverbindungen wäre nach Einschätzung des IT-Unternehmers Andreas Luithle in Gemmrigheim vergleichsweise einfach: Mit einer Glasfaserleitung über die Hauptstraße, die Neckarwestheimer Straße und die Forststraße, in der bereits Leerrohre verlegt worden sind.
Recht bescheiden ist die Internetgeschwindigkeit in Gemmrigheim, wie der "Speedtest" auf dem Laptop zeigt.Eine Verbesserung der Internetverbindungen wäre nach Einschätzung des IT-Unternehmers Andreas Luithle in Gemmrigheim vergleichsweise einfach: Mit einer Glasfaserleitung über die Hauptstraße, die Neckarwestheimer Straße und die Forststraße, in der bereits Leerrohre verlegt worden sind. © Foto: Uwe Deecke
Gemmrigheim / UWE DEECKE 11.02.2016
Die Verbindungen ins weltweite Netz sind in Gemmrigheim mangelhaft. Die fehlenden leistungsfähigen Datenleitungen entwickeln sich zunehmend zu einem Standortnachteil, wird moniert.

Die Situation in Sachen schnelles Internet ist in Gemmrigheim alles andere als befriedigend. Neue Firmen siedeln sich nicht an, weil es keine ausreichende Geschwindigkeit gibt, die Leitungen im Ortskern brechen am Wochenende und abends unter den neuen Nutzergewohnheiten mit Youtube und anderen Diensten regelrecht zusammen.

"Das ist natürlich kein schöner Zustand", sagt Bürgermeisterin Monika Chef zu diesem Problem. Man habe ein Büro beauftragt, das mögliche Anbieter ermitteln soll, aber man warte schon lange auf eine Rückmeldung. Wer in Gemmrigheim in Frage kommt, steht fest: Es sind vor allem die Telekom und Unity Media, ehemals Kabel BW, die bereits einen kleinen Teil des Orts mit schnellem Internet versorgen.

Eine eigene, vier Kilometer lange Glasfaserleitung hat das IT-Unternehmen Luithle auf eigene Kosten verlegen lassen, bis zum Glasfaserknotenpunkt am Kirchheimer Bahnhof. Seitdem kann man über 1000 Mbit verfügen und dies theoretisch auch den eigenen Kunden zur Verfügung stellen. Aber auch dem ganzen Ort? "Dafür müssten zu hohe Grundkosten berechnet werden", sagt Andreas Luithle, der sich trotz der schlechten Versorgung dafür entschied, mit seiner Firma in Gemmrigheim zu bleiben. Es gebe im Gewerbebereich aber seit Jahren keine Neuansiedlungen, weil die Internet-Versorgung viel zu schwach sei. Man habe aktuell dafür ein 1000er-DSL, "was eine Firmenansiedlung mittlerweile auch verhindert", so Luithle. Also müsste es auch im Interesse der Gemeinde sein, hier bald zu handeln.

Zumal es Gemmrigheim einfach hätte im Vergleich zu anderen Kommunen. Mit seiner Glasfaserleitung über die Hauptstraße, die Neckarwestheimer Straße und die Forststraße seien bereits Leerrohre verlegt worden, die die Telekom einfach nutzen könnte, ohne aufgraben zu müssen. Das würde die Kosten nach seiner Schätzung auf gerade mal 20 000 Euro reduzieren, die man mit dem Anbieter teilen müsste. Die Telekom müsste lediglich zwei Verteilerkästen aufrüsten um im gesamten Ort VDSL ab 60 Mbit bereitstellen. Dass man zwei Anbieter am besten gegeneinander ausspielt, um die Kosten zu senken, empfiehlt der IT-Unternemer. Die Initiative dafür müsste indes von der Gemeinde kommen, die als offizieller Ansprechpartner fungieren muss.

Stark für diese Initiative macht sich seit langem Sven Herold, der in der Haupstraße seine Zahnarztpraxis hat und auch im Gemeinderat sitzt. Er hat privat eine 16-Mbit-Leitung, eine Leistung, von der bei ihm nur ein Bruchteil ankommt. Sein "Entertain"-Paket bezahlt er zwar auch, hat er aber "noch nie zum Laufen gekriegt". "Ich bezahle seit eineinhalb Jahren für etwas, was die Telekom nicht bereitstellen kann", so der Gemmrigheimer. Man merke sofort an der Übertragungsrate, wenn es Wochenende wird oder sich das Wetter verschlechtert. Dann geht seine Leitung in die Knie wie auch im gesamten Ortskern.

Dass bei den gesenkten Kosten vielleicht gar keine Unterschriftenliste von Bürgern benötigt und einfach zwei Angebotsanfragen ausreichen, glaubt IT-Unternehmer Luithle. Es müsste nur eben mal ein Anfang gemacht werden, so der Gemmrigheimer Unternehmer.