Bilder in allen Größen und Stilrichtungen schmücken die Wände der Räume in der Galerie Gabriel in Pleidelsheim. Seit 20 Jahren finden hier Ausstellungen diverser Künstler statt. Inzwischen sei die Galerie mit dem Verkauf der Bilder eher eine „Liebhaberei“, so Gerda Gabriel. Denn die Galeristin konzentriert sich auch auf andere Schwerpunkte.

Einer ist die Aktion „Rent A Picture“, die immer von Januar bis März stattfindet. Künstler der Kunstinitiative Pleidelsheim präsentieren ihre Kunstwerke, die Interessenten für ein Jahr mieten können. „Wenn ein Bild in einer Wohnung hängt, hat es eine bestimmte Ausstrahlung“, weiß Gerda Gabriel. Die Interessenten können durch die Mietbilder erfahren, wie sie das Bild in ihrem Zuhause anspricht. Man könne auch unterschiedliche Stilrichtungen ausprobieren. „Etwa die Hälfte der Leute kauft nach einem Jahr das gemietete Bild“, so Gerda Gabriel. Die Aktion fand jetzt zum 18. Mal statt und ist sehr beliebt.

Schwerpunkt Kinder

Ein zweiter Schwerpunkt ist die Kinder-Kunst-Werkstatt der Galerie. Vorschulkinder ab fünf Jahren, Kinder von sechs bis zehn Jahren und Jugendliche können in verschiedenen Altersgruppen in unterschiedlichen Abstufungen altersgerecht Malen und Zeichnen erlernen. Im Moment gibt es eine gemischte Vorschulgruppe und eine Jungen- und eine Mädchengruppe. Die künstlerische Frühförderung für Vorschulkinder basiert auf der symbolhaften Bildsprache. „Die Kinder lernen durch die Bildsprache prozesshaftes Denken, also wie setzen sich aus Grundformen, wie zum Beispiel dem Kreis, Bilder zusammen“, erklärt Gerda Gabriel. So bekommen die Kinder ein Grundverständnis für Formzusammenhänge. „Wenn die Grundformen begriffen sind, kommt auch die Phantasie ins Spiel, also das Abmalen und Nachmalen.“ Erst brauche es das Handwerkszeug, „das ist wie beim Schreiben lernen“. Bei den älteren Kindern ab sechs Jahren stehen Geschichten-Bilder, die Schulung des Sehens und die Umsetzung davon im Vordergrund. „Malen ist nicht nur etwas für Begabte, sondern von jedem erlernbar“, meint Gerda Gabriel.

Gerade heute in der virtuellen Welt sei Malen auch eine Entlastung für „Augen und Gemüt“. Beim Malen komme man in die Ruhe und trainiere gleichzeitig die rechte Gehirnhälfte, die für Emotionen und Gefühle zuständig ist. Ein Umstand, den auch die Kunsttherapie nutzt.

Kunst als Therapie

Als ausgebildete Kunsttherapeutin begleitet Gerda Gabriel in ihrer Praxis für Anthroposophische Kunsttherapie (BVAKT) Menschen, die auf Grund von körperlichen und psychosomatischen beziehungsweise psychischen Erkrankungen auf Anordnung des Arztes in die Einzeltherapiekurse kommen. Dabei wird versucht, durch das Malen aktiv Krankheitsprozessen entgegenzuwirken und die eigene Gesundung mitzugestalten. „Entscheidend ist, wieder einen guten Blick aufs Leben zu bekommen, trotz der Erkrankung“, so Gerda Gabriel. Die Erkrankung und auch biografische Krisen anzusehen, neu zu bewerten, gefühlsmäßig einordnen und in einem neuen Licht zu sehen, sind wesentliche Bestandteile der therapeutischen Arbeit. „Über das gemalte Bild wird das innere Bild von einem selbst verändert“, ist die Erfahrung der Kunsttherapeutin.

Positive Veränderung

Die Kunsttherapie diene als Orientierungshilfe: Was kann man noch gestalten, was noch selbst bewegen? Oft würde sich auf diesem Weg schon nach wenigen Therapieeinheiten eine positive Veränderung zeigen.

Kreatives Stressmanagement und Malen zum Entspannen sind zwei weitere Angebote, die präventiv zur Stärkung der psychischen Belastbarkeit dienen. „Unsere Leistungsgesellschaft heutzutage ist ein Problem“, weiß Gerda Gabriel. Es fehle oft an Achtsamkeit für sich selbst und Ruhepausen. Malen zum Entspannen helfe dabei, sich selbst etwas Gutes zu tun.