Urteil Küssen und Anfassen als Wetteinsatz

Ludwigsburg / Heike Rommel 26.07.2018

Wegen des Verbrechenstatbestandes der sexuellen Nötigung (die BZ berichtete) hat das Ludwigsburger Jugendschöffengericht einen 22-Jährigen aus Ditzingen-Heimerdingen zu anderthalb Jahren Haft auf drei Jahre Bewährung verurteilt. Der junge Mann muss 1200 Euro an den Verein Silberdistel bezahlen, welcher sich um Opfer sexueller Übergriffe kümmert, und selbst zur Beratungsstelle Stellwerk gehen. Die Stelle arbeitet mit Tätern.

Minderjährige genötigt

Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der damals 21-Jährige in den Sommerferien des vergangenen Jahres ein damals 14 Jahre altes Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen hat. Und zwar nicht einfach so, sondern taktisch über das sogenannte „Spiel 21“, wo der Wetteinsatz „Küssen und Anfassen“ sein sollte. Die 14-Jährige verlor das Spiel, weigerte sich aber, die Wetteinsätze einzulösen.

Gegen sie, deren Mutter vor Gericht als Nebenklägerin auftrat, setzte sich der Angeklagte durch, während ihre Freundin – so hieß es in der Urteilsbegründung – „tatenlos daneben stand, anstatt zu helfen“. Der Spielkönig drückte das Mädchen an einen Zaun, hielt es dort fest und zwang ihm einen Zungenkuss auf. Dann griff er ihm an die Brust und setzte einen zweiten Kuss durch. Bei den letzten beiden Handlungen konnte das Gericht nicht eruieren, wie viel Gewalt im Spiel war, und wertete sie deshalb als minder schwere Fälle.

Bereits bekannt: „Spiel 21“

Das „Spiel 21“, so ergab die Beweisaufnahme, war in Heimerdingen nichts Unbekanntes, und es muss auch zu mindestens zwei Treffen der Beteiligten gekommen sein. Die Freundin des Opfers erzählte der Polizei, es sei lediglich um Bonbons und Kaugummis gegangen, räumte vor Gericht dann aber ein, dass es zu sexuellen Handlungen gekommen sei. Ein intimes Verhältnis zum Angeklagten gehabt zu haben, bestritt die Freundin.

Der Beschuldigte selbst machte zu den Tatvorwürfen aus den letzten beiden Wochen der Sommerferien 2017 keine Angaben. Sein 14-jähriges Opfer dagegen konnte die Vorgänge detailliert schildern und zeigte von der polizeilichen Vernehmung bis zum Ende des Strafprozesses Aussagekonstanz. Über ihre Gegenwehr und ihren Ekel, den sie zum Ausdruck gebracht habe, hätte der Angeklagte nur gelacht und sie auch noch zum Oralsex aufgefordert, sagte die Schülerin.

Ein Präventionstag der Polizei in der Schule brachte die ganze Geschichte mit dem „Spiel 21“ über eine Schulsozialarbeiterin ans Licht.

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