Im alten Ortskern kam und kommt es immer wieder zu Nachverdichtungen, deren planungsrechtliche Rahmenbedingungen künftig genau festgesetzt werden sollen. Dafür haben die örtlichen Gemeinderäte ein Bebauungsplanverfahren für das Gebiet zwischen der Kelterstraße, der Hauptstraße, der nördlichen Kernäckerstraße und der Markgröninger Straße eingeleitet. Ziel ist es, dass mögliche Neubauten sowie Veränderungen am derzeitigen Bestand nach bestimmten Vorgaben erfolgen sollen. Zudem soll die Stellplatzsituation im alten Ortskern besser geordnet werden.

Die öffentliche Auslegung des Bebauungsplanentwurfs hat zu mehreren Anregungen der Träger öffentlicher Belange sowie   der Bürger geführt. So wurden beispielsweise in Teilbereichen die maximalen Gebäudelängen und -höhen verändert. Die Anzahl der Stellplätze pro Wohneinheit wurde auf zwei festgelegt. Die Gemeinderäte stimmten dem veränderten Bebauungsplanentwurf zu.

Wesentlich mehr Kritik übten die Gremiumsmitglieder am Entwurf der Gestaltungssatzung für den alten Ortskern, die genau regelt, wie der Baukörper, das Dach, die Fassade, die Fenster, Türen und Läden, die Balkone, Erker und Loggien, Vordächer und Sonnenschutz, Einfriedungen und mögliche Werbeanlagen im Planbereich ausgeführt werden sollen. So sind die Auflagen für die äußere Gestaltung der Gebäude in den Bereichen rund um die Hauptstraße im Kern des Plangebiets sehr viel strenger als in den Randarealen.

Eine Gratwanderung

„Die Satzung ist sicherlich eine Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig Reglementierungen. Wir können jedoch die Anregungen der Bürger noch umsetzen“, betonte der Tammer Rathauschef Martin Bernhardt. Reiner Balko von den Grünen wollte noch über einzelne Punkte der Gestaltungssatzung diskutieren, aber zunächst lieber einmal die Bürger selbst zu Wort kommen lassen. Schließlich wurde der Antrag der LLT auf Vertagung des Beschlusses über die Gestaltungssatzung mehrheitlich abgelehnt.

Gemeinderat Balko gab noch zu bedenken, dass die strengen Regelungen auch außergewöhnliche Individuallösungen im alten Ortskern baurechtlich verhindern könnten. Die Mitglieder seiner Fraktion enthielten sich beim endgültigen Beschluss über die Gestaltungssatzung ebenso ihrer Stimmen wie die Mitglieder der LLT.

Die Mehrheit der Gemeinderäte stimmte in der Sitzung jedoch dem Entwurf der Gestaltungssatzung zu und wartet nun auf die Reaktionen der betroffenen Bürger.