Kreis Ludwigsburg / Von Julian Illi  Uhr

Bürger, die im nächsten Winter, sagen wir kurz vor Weihnachten, frühmorgens aus dem Fenster blicken, könnten sich wundern: Über Gestalten, die von Haus zu Haus ziehen, den Deckel der braunen Mülltonnen heben, womöglich gar in der Tonne wühlen und schließlich einen bunten Aufkleber an dem Behälter anbringen. Statt sich zu wundern, sollten sich die Menschen eher an den Anblick gewöhnen: Denn vom Jahresende an werden ihre Biotonnen regelmäßig kontrolliert.

Der Grund dafür: Die Qualität dessen, was in den braunen Tonnen landet, soll besser werden. Das hat der Aufsichtsrat der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft (AVL) unlängst beschlossen. Wie eine Analyse aus dem Jahr 2017 ergeben hat, landet zu viel Material, das überhaupt nicht bio ist, in den Biotonnen: Plastiktüten vor allem, aber auch Glas, Zigarettenschachteln oder Windeln.

840 Tonnen Störstoffe

Zwar filtern die Entsorgungsunternehmen einen Großteil des Plastiks heraus, alle Fremdstoffe erwischen die Maschinen allerdings nicht. Im gesamten Biomüll des Kreises finden sich derzeit 2,7 Prozent sogenannte Störstoffe. Was sich unspektakulär anhört, ist eine ganze Menge. Rund 840 Tonnen sortieren die Maschinen pro Jahr aus. Damit diese Menge deutlich sinkt, will die AVL künftig die Tonnen vor der Leerung prüfen.

Geplant ist, dass zwei Mitarbeiter eingestellt werden, die flächendeckend über zwei Jahre hinweg die ungefähr 111 000 Biotonnen im Kreis kontrollieren. Finden sie in einer Tonne zu viel Material, das nicht hineingehört, kleben sie eine rote Karte auf den Behälter. Die Tonne wird dann zunächst nicht abgeholt, sondern erst bei der nächsten Restmüll-Leerung – und der Hausbesitzer bekommt dafür eine Extra-Rechnung. „Wir setzen auf eine Mischung aus Information und Sanktion“, sagt Markus Klohr, Sprecher des Landratsamts. Es sei zu erwarten, dass die gesetzlichen Grenzwerte für Störstoffe im Biomüll in Zukunft strenger würden – deshalb müsse der Anteil gesenkt werden. Neben den Kontrollen will die AVL eine Infokampagne mit Flyern, Plakaten und Ständen in Supermärkten starten.

Soziale Kontrolle geht nicht

In anderen Landkreisen wie im Rems-Murr-Kreis wurde die Biomüll-Kontrolle schon 2012 gemacht. Damals wurden die Tonnen über sieben Monate hinweg kontrolliert, seither gibt es keine regelmäßigen Inspektionen mehr. Ungeprüft bleibt der Biomüll in Waiblingen und Fellbach trotzdem nicht: Einige Sammelfahrzeuge sind mit Metalldetektoren ausgestattet. Sogar Teichfolie und Bauschutt landete im Kreis Ludwigsburg schon in der Biotonne. Vor allem in großen Wohnanlagen funktioniere die soziale Kontrolle kaum, sagt Klohr – weshalb in städtischen Gebieten der meiste verbotene Müll in der Biotonne landet.

Das lässt sich auch mit den neu beschlossenen Kontrollen kaum in den Griff bekommen – im Gegenteil: Genau dort, wo das Phänomen der illegalen Entsorgung besonders stark ist, sind die Sanktionen besonders schwierig. Denn die Rechnung für die zusätzlichen Leerungen geht an die Hausgemeinschaften, nicht an einzelne Mieter. In einer großen Wohnanlage würden also alle die Zeche für wenige Müllsünder zahlen. „Da haben wir noch keine ganz schlüssige Lösung“, gibt Klohr zu. Die AVL will deshalb demnächst „,neue Ansatzpunkte erproben“.

Die Kosten für die Biomüll-Kampagne sind nicht zu unterschätzen: Ursprünglich wollte die AVL vier Kontrolleure für zwei Jahre einstellen und rechnete mit Gesamtkosten für das Projekt von knapp 400 000 Euro pro Jahr. Genehmigt hat der Aufsichtsrat nun zwei Kontrolleure.