Die Kultus- und Sportministerin Baden-Württembergs, Dr. Susanne Eisenmann, hat mitgeteilt, dass die Landesregierung mehr Kindern die Teilnahme an Schwimmkursen ermöglichen will. Auch die Frühförderung soll verbessert werden. Dafür gebe es vom Land für die Jahre 2020 und 2021 jeweils 1,1 Millionen Euro. Mit dem Geld sollen auch die Kooperationen von Schulen und Schwimmvereinen ausgebaut werden, die Sensibilisierung für die Bedeutung der Schwimmfähigkeit und die Qualifizierung von Lehrkräften vorangetrieben werden. Das Gesamtkonzept soll im Juni bei einem Schwimmkongress in Ludwigsburg vorgestellt werden. Die BZ hat im Kreis bei Schwimmvereinen und der DLRG angefragt, was sie von der Ankündigung halten wird.

Matthias Nagel, stellvertretender Vorsitzender des Schwimmvereins Ludwigsburg 08, begrüßt es grundsätzlich, wenn die Schwimmförderung weiter ausgebaut wird. Sein Verein unterstützt in einem Pilotprojekt schon 16 Grundschulklassen beim Schwimmunterricht. Auch sechs Kindergärten werden mit Schwimmtrainern des Vereins unterstützt, um eine frühe Gewöhnung ans Wasser zu ermöglichen. „Ich finde es gut, wenn Familien unterstützt werden, die sich sonst vielleicht keinen Schwimmkurs leisten können“, sagt Nagel der BZ. Gerade für den Bereich bis 17 Uhr, also Kita-Gruppen und Schulklassen, gebe es in Ludwigsburg auch noch Wasserflächen-Reserven, die mit mehr Gruppen belegt werden könnten. Ab 17 Uhr sieht er aber kaum Möglichkeiten, das Angebot auszuweiten, weil es da dann einfach an Wasserfläche fehle.

Nagel erhofft sich von dem nun auszuarbeitenden Gesamtkonzept zum Thema Frühförderung auch Erfolg bei den Kitas. Häufig schreckten Träger davor zurück, ihre Kinder in ein Schwimmbad zu schicken. Zum einen liege das an der Verantwortung und der potenziellen Gefahr, dass einem Kind etwas zustoße. Zum anderen herrsche eben Erzieherinnen-Mangel, und mit Kita-Kindern in ein Schwimmbad zu gehen, sei viel aufwändiger als mit Schulkindern. Eine Rolle spiele natürlich auch, dass Erzieherinnen in der Regel überhaupt nicht für das gemeinsame „Wassererlebnis“ geschult seien, im Gegensatz zu einigen Lehrern.

Gerade die Frühförderung sei aber sehr wichtig, so Nagel, weil es in der Schule immer häufiger vorkomme, dass Kinder den Schwimmunterricht besuchten, die noch nie im Wasser waren. „Im Schnitt kann man sagen, dass von den Grundschulkindern ein gutes Drittel nicht so schwimmen kann, dass man sie unbesorgt ins Wasser lassen kann“, erklärt Nagel. An einigen Grundschulen sei die Quote sogar bei bis zu 50 Prozent.

Stefan Lob, Vorsitzender der DLRG im Kreis Ludwigsburg, freut sich über die Ankündigung der Ministerin. Er ist auch im DRLG-Landesvorstand  und erzählt, dass die Beratungen über das Konzept auch mit der DLRG bereits laufen. Ein Baustein könne sein, mehr Schwimmkurse auch am Vormittag anzubieten, weil die Abendstunden meist sehr gut ausgebucht seien in den Bädern. Für die Kurse tagsüber müsse aber zunächst bei den Ortsgruppen nach Personal abgefragt werden. „Wenn da der Bedarf höher als die Personalmittel ist, könnte der Landesverband etwa unterstützen und einen Bufdi einstellen und bezahlen für den Bezirk“, erklärt Lob. Solche Freiwilligendienstler wären eine gute Lösung, die man aus dem neuen Landestopf finanzieren könne, meint Lob.

Derzeit gehe es aber zunächst darum, mit der Regierung und Vereinen zu klären, welche Kenntnisse und Fertigkeiten Vorschulkinder vermittelt werden sollen. In einem zweiten Schritt folge dann erst die Umsetzung mit Kursangeboten. Für Kinder aus einkommensschwächeren Familien sei angedacht, die Mitgliedschaft etwa in der DLRG zu finanzieren, so dass diese für 50 Cent oder einen Euro an Kursen teilnehmen könnten.

Auch Michael Bertet, Vorsitzender des Schwimmvereins Bietigheim, findet es grundsätzlich begrüßenswert, wenn mehr dafür getan wird, Kinder an das Schwimmen heranzuführen. „Ich weiß allerdings nicht, wer diese Kurse leiten soll“, erklärt er im Hinblick auf die angedachten Vormittagskurse. Sein Verein habe nur ehrenamtliche Trainer, und die seien meist berufstätig oder Studenten und hätten vormittags also kaum Zeit. „Anders ist es etwa in Ludwigsburg. Da unterstützt die Stadt den Verein mit einer hauptamtlichen Stelle, weil man gesagt hat, die Kinder sollen alle schwimmen können“, so Lob. Ein ähnliches Modell sei in Bietigheim-Bissingen aber nie ernsthaft diskutiert worden.

Bertet würde es auch begrüßen, wenn im Rahmen des landesweiten Konzepts Schüler aus einkommensschwächeren Familien unterstützt würden. Bislang gebe es da nur einzelne Projekte. Die Hallenbadsituation in Bietigheim-Bissingen, so hofft er, werde auch in dem Konzept bedacht werden. Vor allem weil dann unter Umständen vermehrt Kinder aus anderen Gemeinden, die selbst kein Hallenbad (mehr) haben, nach Bietigheim kämen. „Da ist vor allem das Bad am Viadukt im Spiel, denke ich, weil in Bissingen vormittags Schulsport stattfindet“, erklärt Bertet.