Durch den wiederholten Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft in Fußball-Länderspielen und den – bald darauf wieder gelöschten – Likes der türkischstämmigen deutschen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Emre Can kochte das Thema hoch und fand bei Amateurspielen vereinzelt Nachahmer. So musste in der vergangenen Woche in Neuss ein Kreisligaspiel zwischen einem kurdisch und einem türkisch geprägten Verein abgebrochen werden, weil ein türkischer Spieler nach einem Tor salutiert haben soll. Doch was sagen türkische und kurdische Vereine im Kreis zu diesem Thema. Die BZ hat nachgefragt.

In Neuss hat die gegnerische Mannschaft das Spielfeld verlassen, es seien Personen aufs Spielfeld gelaufen. Verbale Auseinandersetzungen waren die Folge. Daraufhin trennte die Polizei die beiden Gruppen. Die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verbieten politische Bekundungen auf dem Platz. Allerdings soll es bei einem umstrittenen Jubel persönliche Bestrafungen durch die Schiedsrichter in Form von Gelben oder Roten Karten auf dem Spielfeld nicht geben, außer es kommt dadurch zu Spielverzögerungen oder extremen Provokationen.

Meldet der Unparteiische allerdings Vorfälle im Spielbericht, müssen sich die Sportgerichte damit befassen. „Sie werden der Sache dann nachgehen“, sagt Hansjörg Arnold aus Remseck, der Vorsitzende des Fußball-Bezirks Enz/Murr. Ihm sind Vorkommnisse der genannten Art bei den Spielen im Bezirk vom Wochenende nicht bekannt. „Das wird sich alles normalisieren. Viele machen das vielleicht auch aus Unkenntnis. Aus ihrer Sicht ist das eine Unterstützung für das Militär. Das besitzt in der Türkei eine ganz andere Achtung“, sagt Arnold. Ein Verein aus dem Bezirk hatte in der vergangenen Woche auf seiner Facebookseite einen missverständlichen Eintrag, diesen aber wieder gelöscht.

„Von diesem Problem ist uns noch nichts zu Ohren gekommen“, berichtet auch Peter Widenhorn, Pressesprecher der Polizei Ludwigsburg, von keinerlei Vorfällen im Zusammenhang mit Fußballspielen in der Region und dem Militärgruß.

Vereine im BZ-Land positionieren sich ganz klar zu der Thematik. „Wir sind in der Kreisliga A und B. Das ist bei uns kein Thema. Eher in der Bundesliga und bei der Nationalmannschaft“, verweist Düzgit Eyüp auch auf die fehlende Bedeutung und die geringe Aufmerksamkeit, die ein Militärgruß auf den Sportplätzen der unteren Spielklassen hätte. „Uns geht es darum, Fußball zu spielen“, so der Vorsitzende des FV Sönmez Bietigheim.

Tekin Genckaplan, Imbissbesitzer in Bietigheim ist bekennender Erdoga-Kritiker und verurteilt auch den Militäreinsatz gegen die Kurden. Doch auch wenn es den türkischstämmigen Kurden beschäftigt, betont der Mitbegründer und Vorstand des Klubs FC Mezopotamya Bietigheim: „Auf dem Fußballplatz hat das nichts zu suchen, egal in welche Richtung.“ Im 2000 gegründeten Kurden-Klub, in dem schon lange – neben vielen anderen Nationen und Volksgruppen – auch (nicht-kurdische) Türken mitspielen, schiebt er sogar jeglicher Streitigkeit in dieser Richtung einen Riegel vor.  „Unser Trainer hat die klare Anweisung, bei Konflikten konsequent dazwischenzugehen.“ Vorgekommen sei das aber noch nicht. Genckaplan betont ganz klar: „Wer dafür propagiert, kann selbst in den Krieg ziehen. Als Sportler sollte man allgemein gegen Krieg sein.“ Ein Peace-Zeichen für den Frieden wäre für den Vereinsboss übrigens wiederum eine andere Sache und akzeptabel. Er sagt: „Aber alles, was religiös motiviert, rassistisch oder militärisch ist, will ich nicht sehen.“

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz

Fünftägige Feuerpause


In dem Konflikt zwischen der Türkei und den Kurden in Nordsyrien haben die USA und die Türkei eine fünftägige Feuerpause vereinbart, die an diesem Dienstag, 21 Uhr, enden soll. Wie es heißt, hat sich die Kurdenmiliz YPG aus einigen umkämpften Gebieten zurückgezogen. Die Türkei hatte ihre Offensive am 9. Oktober begonnen. Ziel ist die Errichtung eines rund 30 Kilometer breiten und 500 Kilometer langen Streifens auf syrischem Territorium als sogenannte „Sicherheitszone“. Die kurdische YPG soll daraus vertrieben werden. bz