KOMMENTAR ·BERUFSPOLITIKER: Schäubles Nachfolger

ANDREAS LUKESCH 20.09.2013

Es gibt Politiker, die sind für den Beruf geboren. Politiker, die man sich in einer anderen Rolle nicht vorstellen kann. Wolfgang Schäuble (siehe oben) ist so ein Berufener. Seit elf Legislaturperioden gehört er dem Bundestag und weitgehend auch der Bundesregierung an. Wenige halten das durch, Politiker zu sein, ist kein leichter Beruf. Er ist steinig, anstrengend und familienfeindlich. Deshalb sind Politiker vom Schlage Schäuble eine Seltenheit. Vielmehr haben die Parteien damit zu kämpfen, fähigen Nachwuchs zu finden. Dies liegt nicht etwa daran, dass junge Menschen mit Politik nichts anzufangen wissen. Im Gegenteil: Vielmehr sind es die Parteien, die mit ihren Ritualen all jene abschrecken, die ihr Wissen einbringen wollen, die ihre Kreativität aber nur zwanglos und ohne starres Parteikorsett entfalten können. Die Ochsentour, die beim Schriftführer im Ortsverein zu beginnen hat, ist zukunftsuntauglich. Die Grünen haben einen anderen Weg versucht, sind mittlerweile aber in sich selbst gefangen. Parteien müssen sich öffnen, wollen sie auch gelebt werden. Denn ein Wolfgang Schäuble kommt so schnell nicht wieder.