Natur Klimawandel hilft Schädlingen

Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske muss man gegen Beifuß-Ambrosiapflanzen vorgehen. Die eingewanderte Pflanze löst Allergien aus.
Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske muss man gegen Beifuß-Ambrosiapflanzen vorgehen. Die eingewanderte Pflanze löst Allergien aus. © Foto: dpa-Zentralbild
Landkreis Ludwigsburg / Frank Ruppert 30.08.2018

Die Dürre der vergangenen Wochen ist nur ein Zeichen des Klimawandels. Weil sich die Temperaturen und die Niederschlagsverteilung verändern, verbreiten sich immer häufiger auch giftige oder schädliche Pflanzen und Tiere, die es vorher so in unseren Gefilden nicht gab. Ein prominentes Beispiel dafür ist laut der Landesanstalt für Umwelt die Beifuß-Ambrosie. Seit Anfang der 90er-Jahre nehmen die Bestände vor allem in Ludwigsburg und dem Rest Baden-Württembergs stark zu. „Die Groß- und Kleinvorkommen haben nach der Jahrtausendwende, seit 2006 deutlich, zugenommen. Die Fundnachweise bei den Großbeständen auf Freiflächen mit 100 und mehr Pflanzen sind von 11 Vorkommen vor 2006 auf 177 im Jahr 2015 angestiegen“, erklärt die Behörde auf BZ-Nachfrage.

Im gleichen Zeitraum hätten sich die Kleinvorkommen mit weniger als hundert Pflanzen von 31 auf 341 erhöht. Verbreitungsschwerpunkte seien das Oberrhein-Tiefland sowie die Regionen um Stuttgart, Tübingen und Reutlingen. Die im Zuge des Klimawandels verlängerte Vegetationsperiode und die zunehmende Häufung milder Herbste erhöhen die Vitalität und die Fortpflanzungsmöglichkeiten der Ambrosia.

Die Pollen der Ambrosia verfügen laut den Experten über eine starke Allergenität. Das heißt bereits sehr geringe Pollenkonzentrationen können allergische Symptome wie Heuschnupfen, Bindehautentzündung oder Asthma auslösen. Hautkontakte mit dem Pflanzensaft können zu Haut­reaktionen führen. Außerdem verlängert sich mit einer Verbreitung der Ambrosia die Pollenflugzeit im Jahr, da die Pflanze mit ihrer Blütezeit von Juli bis Ende Oktober zu den extremen Spätblühern zähle, so die Landesanstalt weiter.

Ein weiteres Problem stelle die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke dar. Sie kann das Dengue- und das Chikungunya-Fieber übertragen. Wie die Landesanstalt mitteilt, habe sich die Tigermückenpopulation seit 2012 im Oberrheingraben stark erhöht, sodass auch eine Ausbreitung auf andere Landkreise zu befürchten stehe. Die Klimaerwärmung begünstige eine kürzere Generationsdauer, die Verlängerung der jährlichen Aktivitätsperiode und höhere Überlebensraten in milden Wintern.

Globalisierung auch Ursache

Für Conrad Fink, den Naturexperten des BUND aus Freiberg, ist es in dem Zusammenhang wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht allein der Klimawandel für die Verbreitung von teilweise schädlichen Pflanzen verantwortlich ist. Vor allem die Globalisierung und der damit verbundene Austausch zwischen den Staaten der Welt und die vermehrten Reisen, sieht er als Ursache. „Wer mal nach Kanada oder Neuseeland reist, der sieht, dass diese Länder strengere Kontrollen haben, um ihre Flora und Fauna zu schützen“, sagt Fink.

Er hat neben der Ambrosie auch den Riesen-Bärenklau aus Asien und die Herkulesstaude als verbreitete Neophyten in der Region ausgemacht. Neophyten sind Pflanzen, die in einem Gebiet nicht heimisch und erst in jüngerer Vergangenheit eingeführt wurden. „Auch Pilze finden durch verändertes Klima gute Bedingungen vor“, erklärt Fink. Im Forst gebe es durch die vom Klimawandel verursachten veränderten Bedingungen und ihre Folgen ebenfalls hohe Schäden. Etwa das Eschentriebsterben oder durch den Borkenkäfer.

Kaum Chance gegen Neulinge

Was kann man gegen die Einwanderung der Pflanzen überhaupt unternehmen? Für Fink ist klar: „Ambrosie, und Herkulesstaude zu bekämpfen ist schwierig, weil sie so schnell wachsen und die Ambrosie so samenintensiv ist, dass der Kampf meistens schon verloren ist.“ Der Versuch mit Gegenschädlingen etwas auszurichten, sei auch schwierig, weil diese meist aus einem anderen Ökosystem kämen.

Wer dennoch etwas Handfestes unternehmen will, sollte bei Ambrosia-Pflanzen möglichst die komplette Pflanze, einschließlich der Wurzeln, vor der Blüte herausziehen. Anschließend sind die Pflanzen nicht in der Biotonne oder auf dem Kompost, sondern über den Hausmüll zu entsorgen, empfiehlt die Landesanstalt für Umwelt. Es ist ratsam, die Ambrosia nicht mit bloßen Händen zu berühren. Allergiker sollten bei der Bekämpfung zudem einen Mundschutz zu tragen. Bei großen Beständen an Randstreifen und Böschungen sollen die Pflanzen möglichst tief abgemäht werden. Das Abmähen müsse wegen des Nachwachsens auch wiederholt werden. Ganz wichtig ist der Landesanstalt für Umwelt aber, dass man vor den Maßnahmen sicher geht, dass es sich um eine Beifuß-Ambrosie handelt. Dazu könne man ein Foto an ambrosia@lubw.bwl.de senden.

Gegen die Tigermücke helfen vor allem vorbeugende Maßnahmen. So sollte man Regentonnen oder sonstige Wasserstellen immer abdecken, weil diese als Brutstätten dienen können. Auch wenn es viele Maßnahmen insbesondere gegen die Tigermücke gebe, sieht auch die Landesanstalt den Erfolg realistisch, weil die Bedingungen eben immer günstiger werden.

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