Die Kreisverwaltung in Ludwigsburg möchte bis zum Jahr 2035 klimaneutral sein. Das heißt, die Energie für die kreiseigenen Gebäude und den Fuhrpark setzt dann kein CO2 mehr frei.

Wissenschaftler machen eine wachsende Menge an Kohlendioxyd in der Atmosphäre für die Klimaerwärmung verantwortlich. Alois Braunmiller, Fachbereichsleiter Hochbau und Liegenschaften beim Landratsamt, berichtete in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik, dass sich die Verwaltung diesem Ziel kontinuierlich nähere. Bereits bis Ende des Jahres könne man eine Senkung des CO2-Ausstoßes um 65 Prozent gegenüber dem Jahr 2002 erreichen. 80 Prozent sollen es dann Ende 2030 sein.

Fläche hat um 30 000 Quadratmeter zugenommen

Braunmiller wies in der Sitzung darauf hin, dass in den vergangenen 30 Jahren die Gebäudeflächen um rund 30 000 Quadratmeter zugenommen haben. Die Herausforderung sei wegen des Zuwachses an Flächen, der einen höheren Energieverbrauch zur Folge habe, stetig größer geworden.

Dennoch werde die Kreisverwaltung die Klimaneutralität in den kommenden 15 Jahren schaffen, zeigte sich der Fachbereichsleiter überzeugt.

Die Gebäude werden wärmegedämmt und das Fernwärmenetz der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim angeschlossen. Die Wärme kommt aus dem Biomasseheizkraftwerk und künftig aus der Solarthermie-Anlage am Römerhügel. Außerdem will die Kreisverwaltung über Photovoltaikanlagen selbst Strom produzieren, mit dem die Dienstfahrzeuge aufgeladen werden. Der Anteil erneuerbarer Energien im Stromverbrauch der Kreisverwaltung liegt aktuell bei insgesamt 54 Prozent.

Nach dem Klimaschutzkonzept des Landkreises sollen auch Impulse ausgehen, die Bürger und Unternehmen anspornen, Energie und CO2 zu sparen. Dafür hat die Verwaltung zwei Klimaschutzmanagerinnen eingestellt. Über knapp 90 Projekte sollen möglichst viele zum Mitmachen motiviert werden. Zudem soll die Ludwigsburger Energieagentur (LEA) gestärkt werden. Mitglied der LEA sind unter anderem 15 der insgesamt 39 Kreiskommunen.

Bürger konnten in diesem Jahr schon beim Stadtradeln mitmachen. 3306 Radler nahmen teil und legten zusammen 814 582 Kilometer zurück. Dies entspricht einer Treibhausgaseinsparung von insgesamt 116 Tonnen CO2.

Mit dem Projekt ECOfit werden Unternehmen angesprochen. Ziel ist, Unternehmen zu unterstützen, den Verbrauch von Energie, Wasser und Betriebsmitteln zu senken. Das Projekt startete im Juni 2018 und endete am 15. Juli dieses Jahres. Insgesamt wurden in einem Jahr von den fünf beteiligten Firmen rund 2000 Megawattstunden Strom und 1120 Tonnen CO2 eingespart. Dies entspricht einer Gesamtkosteneinsparung bei den Unternehmen von etwa einer halben Million Euro. Eine zweite ECOfit-Runde ist geplant, hieß es in der Ausschussitzung.

Die Kreisräte nahmen das Engagement der Kreisverwaltung beim Klimaschutz wohlwollend zur Kenntnis. Sie übten allerdings Kritik daran, dass sie aus ihrer Sicht bisher nur wenig Unternehmen und auch Kreiskommunen ins Boot holen konnten. Landrat Rainer Haas sagte, ob in der Vergangenheit genug gegen den Klimawandel getan worden sei, könne selbstkritisch hinterfragt werden.

Der Beschluss für das Klimakonzept fiel einstimmig

Der Beschluss, das Klimaschutzkonzept im vollen Umfang weiter zu verfolgen, fiel in der Ausschusssitzung einstimmig.

Der neue AfD-Kreisrat Walter Müller aus Vaihingen, der in der Aussprache heftig Kritik an der Arbeit der Energieagentur geäußert hatte, unterstützte das Klimaschutzpaket ebenfalls.

Klimaaktivisten: „Viel Selbstbeweihräucherung für minimale Maßnahmen“


Die Ludwigsburger Ortsgruppen von Fridays for Future und Parents for Future waren zur Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Technik des Kreistages eingeladen. „Es kam von allen Seiten Zuspruch für die engagierten Aktivisten, aber konstruktive Diskussionen folgten nicht daraus.“, so Farina Hasak von Fridays for Future laut einer Pressemitteilung nach der Sitzung. Die  Klimaschützer waren sich einig: Viel Selbstbeweihräucherung für minimale Maßnahmen, wie die Teilnahme ganzer fünf Firmen am Programm ECOfit und eine „Wir-tun-doch-schon-genug-Stimmung“.  Die Maßnahmen des Klimaschutzkonzepts seien nicht ambitioniert genug und reichten nicht im Ansatz aus, um die notwendigen Klimaziele, wie etwa im Pariser Abkommen gesetzt, einzuhalten. Zurück bleibe die  Enttäuschung über die leeren Worthülsen.  bz