Kreis Ludwigsburg Kleintierzüchter sehen strengere Auflagen gelassen

In Sachsenheim zeigen die Kleintierzüchter ihre Kaninchen, einen Kleintiermarkt möchte der Verein aber nicht.
In Sachsenheim zeigen die Kleintierzüchter ihre Kaninchen, einen Kleintiermarkt möchte der Verein aber nicht. © Foto: Werner Kuhnle
Kreis Ludwigsburg / Uwe Roth und Janis Kuhnert 09.01.2019

In Marbach musste zu Beginn des Monats der traditionsreiche Kleintiermarkt aufgrund nicht erfüllbarer Auflagen gestrichen werden. Die Reaktionen anderer Kleintierzuchtvereine im Kreis sind gemischt.

Der monatliche Kleintiermarkt in Marbach hat eine 50 Jahre alte Tradition. Doch die Veranstaltung an jedem ersten Samstag im Monat, die bis zu 600 Besucher aus der Region angezogen hat, gibt es nicht mehr. Die offizielle Begründung des Vorstands der Kleintierzüchter und Vogelfreunde lautet, die behördlichen Auflagen zum Tierschutz seien wegen steigender Kosten nicht länger erfüllbar gewesen. Aber es gibt noch einen weiteren Grund: Der Verein hat für den organisatorischen Aufwand zu wenig aktive Mitglieder.

Zu einem Teil, meint Erich Horntasch vom Marbacher Verein, ist der Kleintiermarkt Opfer des Klimawandels. Denn bei Temperaturen über 30 Grad Celsius ist der Marktbetrieb nach neueren gesetzlichen Vorgaben untersagt. Auch bei Minusgraden darf der Kleintiermarkt nicht stattfinden. Eine weitere Erschwernis sind laut dem Vereinschef die verlangten Mindestgrößen für die Käfige. Doch schon allein die Vorschrift, während des Marktbetriebs den Einsatz eines Tierarztes zu bezahlen, sei ohne eine kräftige Anhebung der Gebühren nicht mehr machbar gewesen. Was aber letztendlich den Verein zur Aufgabe bewogen habe, seien die strenger gewordenen Kontrollen – vor allem der Tierschutzorganisationen, wie Horntasch anklingen lässt. Spätestens deren zu erwartenden Strafanzeigen wegen nicht eingehaltener Vorschriften, hätten dem Markt am Ende den Garaus gemacht.

„Dem Tierschutz ist mit solchen strengen Vorschriften zum Tierschutz nicht unbedingt gedient“, ist der Kleintierzüchter überzeugt. Für den Vereinsvorsitzenden müssten die offiziellen Märkte eine Abwägung zwischen dem bestmöglichen Tier- und Artenschutz sein. „Viele Hühnerrassen sind schon fast ausgestorben“, stellt er fest.

Andere Vereine im Landkreis haben weniger Probleme, kein anderer hält einen Kleintiermarkt wie in Marbach ab, zu dem viele Züchter von auswärts kommen. Die vielerorts stattfindenden lokalen Tierschauen, auf denen Tiere gezeigt, aber nicht verkauft werden, seien weit weniger problematisch, meint etwa Patrick Appl vom Kleintierzuchtverein Großsachsenheim. Auf den Schauen würden eigene Mitglieder ausstellen, so dass sich vieles leicht überprüfen lasse, etwa ob die Tiere korrekt gehalten würden und geimpft seien. Trotzdem, seien manche Auflagen sehr schwer zu erfüllen. Einen Kleintiermarkt wolle man deshalb in Sachsenheim nicht betreiben: „Man muss gucken, dass man keine Angriffsfläche bietet.“ Man wolle vermeiden, die Blicke des Landratsamts auf sich zu ziehen.

Jürgen Friedl vom Besigheimer Kleintierzuchtverein meint: „Ausstellungen sind Sinn und Zweck unseres Hobbys“. Die Hürden dafür seien aber deutlich niedriger als für einen Kleintiermarkt, so dass auch bei ihnen ein solcher leicht weitergeführt werden könne. Auch in Asperg hält man einen Tiermarkt für nicht möglich, erzählt Thomas Kercher, Vorsitzender des dortigen Kleintierzüchtervereins. Die Ausstellungen seien jedoch bislang immer unproblematisch gewesen. Man verfüge in Asperg über eine große Zuchtanlage, um die Tiere freilaufend halten zu können, aber auch weil sich die meisten Nachbarn andernfalls an den Geräuschen von Hühnern stören würden.

Ähnlich sieht Ralf Geisler die Situation seines Vereines in Tamm. Kleintiermärkte sein immer problematisch, man veranstalte deshalb nur eine vereinsinterne Lokalschau im Jahr, mit der man gegenwärtig auch keine Probleme habe. Er könne sich jedoch vorstellen, dass manches in Zukunft strenger werde. Anders sieht Tarek Prokasky, Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Geisingen, die Vorschriften im Kreis, die seien durchaus erfüllbar und die eigene Lokalschau unproblematisch, man müsse sich eben an Vorschriften halten. Die Zustände auf dem Marbacher Kleintiermarkt seien „nicht so prickelnd“ gewesen.

Das Landratsamt erklärt auf BZ-Nachfrage, dass die Temperaturgrenze von 30 Grad Celcius den Leitlinien des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz für die Ausrichtung von Tierbörsen unter Tierschutzgesichtspunkten entspreche.

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