Petra Neset-Ruppert  Uhr

Hexen und Holma‘le, Bienen und Nachtwärter – ein sehr buntes Völkchen stand am Samstag auf dem Platz vor dem Ingersheimer Rathaus und schien bester Laune zu sein. Doch oben am Fenster sah man den Schultes und seinen Gemeinderat besorgt aus dem Fenster blicken. „Beginnt das Zittern ihr da oben“, dröhnte die Stimme Jochen Zollers, Vorsitzender der Ingersheimer Fasnetzunft die Holma‘le. „Wir halten es aus in den nächsten Tagen und wenn wir an den Möbeln nagen“, rief Bürgermeister Volker Godel den Narren und Ingersheimern zu, die sich versammelt hatten, um das Rathaus zu stürmen.

Die Ingersheimer Fasnetzunft feierte ihr fünfjähriges Bestehen und veranstaltete nach dem Sturm auf das Rathaus auch noch einen Fasnetumzug durch Ingersheim. „Ab Montag habe ich wahrscheinlich Einreiseverbot nach Ingersheim“, lachte Zoller zu Beginn des Sturms.

Doch trotz Ankündigung blieben die Möbel im Rathaus heil.

Auf einen Wettstreit ließ sich Volker Godel gemeinsam mit den Gemeinderäten Irene Beitsch, Jürgen Fleischmann, Karl Seitz und den Landtagsabgeordneten Fabian Gramling und Daniel Renkonen ein. Ausgerüstet mit der Schutzkleidung aus dem Bauhof formierte sich die orangefarbene Front gegen die Narren. Sie stellten sich deren Aufgaben und ließen die Strafen über sich ergehen.

War der Schultes beim ersten Spiel noch in der Lage, dank Telepathie, die Gedanken der Gemeinderätin Irene Betsch zu erraten, versagten die Beschützer des Rathauses beim zweiten Spiel und Jürgen Fleischmann stellte sich der Strafe: einem rot bemalten Gesicht.

Doch die erste Niederlage hielt das Ingersheimer Rathaus-Team nicht davon ab, weiter fleißig zu kämpfen, denn Narren im Rathaus sollten doch tunlichst vermieden werden. Aber auch beim dritten Spiel, als es galt, Lieder zu erraten, die das Publikum summte, siegten die Narren.

Renkonen landet im Sack

Zur Strafe landete Daniel Renkonen in einem Sack und nahm ein Bad im Konfettiregen. Nachdem auch die Spiele Pantomime und Malen, trotz großen Körpereinsatzes des Schultes, verlorengingen, musste sich die Rathausfront geschlagen geben. Da Zunftmeister Jochen Zoller auch noch bravourös die Aufgabe des Schultes bestand und das Baden-Württembergische Landeswappen erklären konnte, blieb ihnen nichts anderes übrig: Der Schlüssel zum Rathaus musste herausgegeben werden.

Nachdem die Narren die Macht in Ingersheim übernommen hatten, ging es bei einem Umzug mit Unterstützung von 35 Narrenvereinen entlang der Marktstraße in Richtung der SKV-Halle. Hexen, Teufel, Fabelwesen aus dem Film Avatar, Guggengruppen und sogar ein Fasnetswagen zogen entlang des Ingersheimer Publikums durch die Straßen. Mehrere Hundert Zuschauer waren gekommen. Sie waren nicht vor dem Schabernack der Hästräger gefeit: Konfetti in den Haaren, bemalte Gesichter und so manche Entführung von jungen Fräulein waren zu beobachten. Doch die Ingersheimer nahmen den Schabernack gelassen. Gut vorbereitet zeigten sie sich mit Sitzgelegenheiten und Umzugsverpflegung entlang der Strecke. „So einen Umzug könnten wir ruhig öfters haben. Das ist richtig klasse“, freute sich Karin Happhold. Lilo Vogt hatte die Sitzgelegenheit einer Bekannten genutzt, um sich das närrische Treiben in den Ingersheimer Straßen anzusehen. „Toll, dass so ein kleiner Verein so einen großen Umzug stemmen kann“, lobte sie. Auch Vogt hofft auf eine Wiederholung des Umzugs. Im Anschluss an den Umzug wurde das närrische Jubiläum mit einer großen Faschingsparty in der SKV-Halle gefeiert.