Im Kreis Ludwigsburg sind innerhalb eines Jahres knapp 600 Kinder hinzugekommen. Zum Stichtag 31. Dezember 2018 lebten in den 39 Kreiskommunen etwa 74 300 Jungbürger bis 14 Jahre. Darunter sind 17 043 Kleinkinder. Diesen stehen stehen 5480 Kitaplätze gegenüber. Genügend Betreuungsplätze bereitzuhalten, sei „weiterhin eine riesige Herausforderung“, sagte Anja Beckmann, Fachbereichsleiterin für Kinder, Jugend und Familie, am Mittwoch im Jugendhilfeausschuss des Kreistags. „Die Kinderzahl rennt uns einfach weg“, begründete sie die Entwicklung, dass trotz zusätzlicher Plätze die Versorgungsquote für die Null- bis Dreijährigen „leicht gesunken“ ist.

Betreuungswunsch wächst

Im Durchschnitt gibt es im Landkreis für jedes dritte Kind in dieser Altersgruppe einen Betreuungsplatz. Der Mangel verschärft sich nach Beobachtung der Expertin nicht allein wegen hoher Geburtenzahlen. „Der Wunsch der Eltern nach einer Betreuung wird immer stärker“, stellte sie fest. Die bislang hohe Nachfrage an Arbeitskräften habe dazu geführt, dass oftmals beide Elternteile berufstätig seien.

In ihrem Bericht zum Bestand und Ausbau der Kindertagesbetreuung im Landkreis erinnerte Beckmann an die Situation vor 15 Jahren, als die Betreuungsquote bei lediglich knapp sieben Prozent gelegen habe. Die politische Zielvorgabe von 34 Prozent war im Landkreis 2015 überschritten worden. Nach der jüngsten Statistik ist die Quote wieder auf 32 Prozent gesunken.

Im kommenden Jahr könnte sich die Situation etwas entschärfen. Die Rathäuser haben dem Landratsamt die Planung von 432 Betreuungsplätzen gemeldet. 2021 sollen weitere 200 und ein Jahr darauf 170 Plätze hinzukommen. Die Voraussetzung ist jedoch, dass ausreichend Fachkräfte gefunden werden. Das gilt ebenso für Tagesmütter und -väter. Deren Zahl sinkt seit 2011 kontinuierlich. Gleichzeitig nimmt die Zahl der betreuten Kinder zu. Freie Plätze gibt es kaum. „Der Puffer wird immer geringer“, so Beckmann. „Wir machen Werbung, wo es nur geht, um neue Tagespflegepersonen zu finden.“ Jeder könne „in die Qualifizierung relativ rasch einsteigen“.

Sehr viel besser sieht es für die Drei- bis 6-Jährigen aus. Mit einem Versorgungsgrad von 103 Prozent sollte jedes Kind einen Platz finden. Aber die Situation ist in den Kommunen sehr unterschiedlich: Die Quote schwankt von knapp 70 Prozent in Gemmrigheim bis 125 in Großbottwar und Freudental. Von den größeren Städten im Landkreis liegen Kornwestheim und Remseck etwas unter dem Deckungsgrad von 100 Prozent. Bietigheim-Bissingen liegt bei 108 Prozent, Bönnigheim bei 95,7 und Besigheim bei 77,1 Prozent. Besigheim hat für nächstes Jahr 74 zusätzliche Plätze angekündigt. Bietigheim-Bissingen für die nächsten beiden Jahre über 100 Plätze.

Nachfrage könnte ansteigen

Die Kreisverwaltung warnt aber, dass nächstes Jahr mit dem alten Stichtag 30. Juni für die Einschulung statt 30. September die Nachfrage rapide ansteigen könnte. Sie rechnet damit, dass „ein Viertel eines Jahrgangs ein Jahr länger in den Kindertageseinrichtungen verbleiben wird.“ Ausbaufähig ist weiterhin die Schulkindbetreuung. Auch für die unter 14-Jährigen klaffen Angebot und Nachfrage auseinander – allerdings mit leicht rückläufiger Tendenz. Während die Zahl der Betreuungsplätze in den vergangenen zwei Jahren um rund 1500 gestiegen ist und eine Deckungsquote von 40 Prozent, stagniert die Altersgruppe seit einigen Jahren bei 38 400 Kindern.