Themen in diesem Artikel

BZ
Eberdingen / Uwe Mollenkopf  Uhr

Im vergangenen Jahr wurde die Grabkammer des Keltenfürsten im Hochdorfer Keltenmuseum mit Hilfe des Fördervereins durch eine szenische Lichtinstallation noch besser in Szene gesetzt. Die keltischen Funde landesweit mehr ins Rampenlicht zu bringen, ist das Anliegen des Keltenkonzepts der Landesregierung, das im Januar vorgestellt wurde. Der Anlass für die BZ, den Kelten und ihrer Bedeutung in der Region einen Schwerpunkt zu widmen. Dabei stellt Hochdorf gewissermaßen den weithin sichtbaren Leuchtturm dar – der allerdings in jüngster Zeit geringere Besucherzahlen zu verzeichnen hat als in früheren Jahren.

„Die besondere historische Beziehung des heutigen Baden-Württemberg zu den Kelten soll im Land sichtbarer und für die Menschen emotional erfahrbar gemacht werden“, erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann bei der Präsentation des Keltenkonzepts. Angestrebt werde eine Vernetzung der wichtigen Keltenstätten in Baden-Württemberg, wozu auch ein Tourismus-Konzept und eine überzeugende Werbekampagne gehörten. Insbesondere erwähnt werden in der entsprechenden Mitteilung des Wissenschaftsministeriums Angebote rund um das Geländedenkmal Heuneburg an der Donau, das zum Erlebniszentrum aufgewertet werden soll.

Das führte in Hochdorf, wo seit 1978 vor allem Repliken der Funde aus dem ausgegrabenen keltischen Hügelgrab am Rande des Orts gezeigt werden, zu der Sorge, das Konzept des Landes, bei dem auch ordentlich Geld fließen soll, sei zu sehr auf die Heuneburg ausgerichtet. Dass das nicht so sei, versuchte in der vergangenen Woche Marion Gentges, wissenschaftliche Sprecherin der CDU-Fraktion im Landtag, bei einem Vor-Ort-Termin auszuräumen. Dem Fürstengrab komme im Bemühen, die Bedeutung der Kelten im Land herauszustellen, „eine besondere Bedeutung zu“, versicherte sie.

Dr. Simone Stork, die Direktorin des Hochdorfer Keltenmuseums, nahm aus dem Gespräch, an dem auch der Landtagsabgeordnete Konrad Epple (CDU) und Eberdingens Bürgermeister Peter Schäfer teilnahmen, auch den Eindruck mit, dass das Landeskonzept noch längst nicht fest gegossen ist. Noch gebe es wenig Konkretes, vielmehr führe das Land erst einmal eine Bestandsaufnahme durch, um zu klären, welche bedeutenden keltischen Orte es gebe und wo Förderbedarf herrsche. In Sachen Heuneburg wolle das Land tätig werden, weil die Gemeinde Herbertingen das dortige Freilichtmuseum nicht mehr unterhält und das jetzige Trägermodell nur eine Zwischenlösung sei.

Das Hochdorfer Keltenmuseum wird hingegen allein von der Gemeinde Eberdingen getragen. Den Zuschussbedarf beziffert Simone Stork auf bis zu 200 000 Euro im Jahr. Wollte man kostendeckend arbeiten, müsste ein Eintrittsgeld von 13 Euro pro Person verlangt werden, sagt die Museumsleiterin. Tatsächlich zahlt ein Erwachsener ohne Ermäßigung fünf Euro. Mehr Unterstützung durch das Land wäre also durchaus willkommen, auch weil sich die Besucherzahlen mittlerweile rückläufig entwickeln. Habe man im bisher besten Jahr 39 000 Besucher gezählt, seien es zuletzt 20 000 gewesen, erzählt Simone Stork.

Insbesondere kommen weniger Schulklassen. Waren es schon einmal 6000 Schüler im Jahr, so sind es derzeit noch 1500. „Das kommt auch auf den Lehrplan an“, sagt die Museumsleiterin, womit der Ball wieder zurück bei der Landesregierung wäre.

Dabei sei es keineswegs so, dass die Mitarbeiter nur da säßen und warteten bis Besucher kämen. „Wir lassen uns ständig was einfallen“, betont Stork, die mit einer 70-Prozent-Stelle das Museum führt. Man gehe auf Messen, sei stark touristisch orientiert. Das Sommerprogramm umfasse Kurse mit Korbflechten, Bogenbauen, Kupfer- und Silberschmieden und vieles mehr. Einmal im Jahr gibt es einen keltischen Sonntag. Hinzu kommen eine Vortragsreihe und immer wieder neue Sonderausstellungen wie aktuell „Der Reiter von Unlingen“ (siehe Infokasten).

Als Ort eines nicht geplünderten frühkeltischen Hügelgrabs aus der Hallstattzeit (um 540 vor Christus) habe man ein „Alleinstellungsmerkmal, das wir mit wenigen teilen“, sagt Stork. Daher habe das Museum internationale Ausstrahlung. Führungen werden in mehreren Sprachen angeboten, es kommen Besucher aus aller Welt. „Wir haben mehr Besucher aus den USA als aus dem Landkreis“, meint die Museumsleiterin.

Sie sieht sich und ihr Museum daher „gut aufgestellt“. Auch eine Vernetzung der keltischen Stätten über den Verein Keltenwelten gebe es bereits. Nichtsdestotrotz könne das Landeskonzept neuen Schub geben. Eine Idee sei beispielsweise auch eine Kombikarte für mehrere Museen. „Es kann uns allen nur nützen“, meint Simone Stork zu den aktuellen Bemühungen des Landes.

„Eine der ältesten figürlichen Reiterdarstellungen Deutschlands“

Bei den Kelten handelt es sich um die erste historisch erwähnte Kulturgruppe nördlich der Alpen. In Baden-Württemberg liegen einige der bedeutendsten Fundstätten. Die Frühe Keltenzeit zwischen dem 7. und 5. vorchristlichen Jahrhundert (späte Hallstattzeit) ist durch Höhenburgen und imposante Hügelgräber geprägt. Im Kreis war das Zentrum auf dem Hohenasperg. Zwischen 70 und 50 vor Christus kam die keltische Kultur hierzulande weitestgehend zum Erliegen, einerseits durch die Einwanderung der germanischen Sueben von Nordosten, andererseits durch die Expansion der Römer bis zum Rhein.

Pferd und Wagen hatten bei den frühen Kelten einen großen Stellenwert. Das zeigt die Sonderausstellung „Kelten-Reiter-Wagenfahrer – Der Unlinger Reiter“ im Keltenmuseum Hochdorf/Enz, die vor wenigen Tagen eröffnet wurde und bis 28. Juli geht. Zu sehen sind der Originalfund des Unlinger Reiters, eine Bronzeplastik aus dem 8./7. Jahrhundert vor Christus, die aus einer Grabkammer stammt, und weitere Objekte aus dem Gräberfeld bei Unlingen an der Donau. Laut Regierungspräsident Wolfgang Reimer gilt die Skulptur „als eine der ältesten figürlichen Reiterdarstellungen Deutschlands“ und stelle einen Sensationsfund dar. Sie weise deutliche Bezüge in den Mittelmeerraum auf.

In einem Schwerpunkt zeigt die BZ weitere Spuren der Kelten im Landkreis Ludwigsburg. Auf Seite 10 geht es um den Hohenasperg als Fürstensitz, auf Seite 11 um Nachweise auf die Anwesenheit der Kelten in Bietigheim-Bissingen. Auf Seite 13 wird die keltische „Autobahn“, die Rennwege von Bönnigheim und Hohenhaslach, vorgestellt. Keltische Spuren in Walheim und Freiberg werden auf den Seiten 14 und 15 beleuchtet. um