Kreis Ludwigsburg Keine offenen Hebammen-Stellen im Kreis

Mit einem Pinard-Rohr hört die Hebamme im Rahmen einer Voruntersuchung die Herztöne eines Ungeborenen ab. Besonders im Bereich Geburtshilfe gibt es in deutschen Kliniken zu wenig Hebammen.
Mit einem Pinard-Rohr hört die Hebamme im Rahmen einer Voruntersuchung die Herztöne eines Ungeborenen ab. Besonders im Bereich Geburtshilfe gibt es in deutschen Kliniken zu wenig Hebammen. © Foto: . Foto: dpa
Kreis Ludwigsburg / Heidi Vogelhuber 09.10.2018

Die Arbeitssituation der Hebammen in Kliniken soll im Rahmen des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes untersucht und gegebenenfalls verbessert werden. Dem stimmte der Bundesrat in jüngster Vergangenheit zu. Die Hebammenversorgung stehe vor den gleichen Problemen wie die Pflege, sagt der Deutsche Hebammenverband (DHV). Hintergrund ist die angespannte Situation in Deutschlands Kreißsälen. Bedarf an zusätzlichen Hebammen bestehe, die Kliniken haben allerdings Probleme, offene Stellen zu besetzen – und das bei aktuell steigenden Geburtenzahlen, so der DHV. Hebammen in Deutschland betreuen laut Verband doppelt bis dreifach so viele Frauen bei der Geburt wie in anderen europäischen Ländern. Dadurch sei die Arbeitsbelastung zu hoch und die Beschäftigung in Krankenhäusern werde zunehmend unattraktiver. Der Hebammenverband warnt vor einer dadurch schlechteren Versorgung von Mutter und Kind.

Wie Alexander Tsongas, Sprecher der Regionalen Kliniken Holding (RKH), berichtet, gibt es, im Gegensatz zum deutschen Durchschnitt, der besagt, dass in jedem Kreißsaal 1,6 Hebammen-Planstellen nicht besetzt werden, in den Frauenkliniken Ludwigsburg und Bietigheim-Bissingen zurzeit keine unbesetzte Hebammen-Stelle. „Aber vor dem Hintergrund der üblichen Fluktuation wie Schwangerschaft oder Ruhestand wird es immer schwieriger, neue Mitarbeiterinnen oder Nachwuchs beziehungsweise Auszubildende zu gewinnen“, so der Klinikensprecher.

Im Kreißsaal des RKH-Krankenhauses Bietigheim gibt es aktuell 15,5 Stellen, die von 28 Köpfen besetzt sind. In der Ludwigsburger Klinik werden 20,25 Vollkraft-Stellen von 30 Hebammen besetzt. Daran ist ablesbar, dass der Anteil an Teilzeitkräften nicht unerheblich ist. Laut dem Berufsverband arbeiten nur noch 20 Prozent der Hebammen in Vollzeit, dies liegt laut Ulrike Geppert-Orthofer, der Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands, an der hohen Belastung in den Kreißsälen. „Das liegt zum einen daran, zum anderen aber auch an der persönlichen (Familien-) Planung oder am Alter“, sagt der Klinikensprecher auf Anfrage der BZ.

Oft nebenher selbstständig

Viele der Hebammen seien neben ihrer Anstellung in der Klinik noch selbstständig tätig, indem sie die Eltern vor und nach der Geburt zu Hause betreuen, ergänzt Tsongas. Auch betont der Klinikensprecher, dass die Belastung der Hebammen hoch sei, aber auch die übrigen Pflegekräfte seien nicht weniger eingespannt. „In den Kliniken sollte die Betreuung einer Frau während der Geburt durch eine Hebamme Standard sein“, fordert der Berufsverband. Der Betreuungsschlüssel entspreche auch im Kreis Ludwigsburg „mit Sicherheit nicht eins zu eins“, sagt Jutta Eichenauer vom Hebammenverband Baden-Württemberg. Das bestätigt Tsongas. Dies sei „aufgrund der Zahl der Geburten und der angespannten Personalsituation nicht möglich.“ Eine genaue Zahl wie viele Geburten eine Hebamme der RKH zeitgleich betreue, könne der Klinikensprecher nicht nennen. Das komme auf die jeweilige Tageszahl der Geburten an.

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