Kreis Ludwigsburg Konzepte und Kosten: Kein Spielplatz gleicht dem anderen

Der Spielplatz an der Wobachstraße neben dem Bürgergarten wurde mit Bestnote ausgezeichnet. Ein Highlight ist hier der Spielturm.
Der Spielplatz an der Wobachstraße neben dem Bürgergarten wurde mit Bestnote ausgezeichnet. Ein Highlight ist hier der Spielturm. © Foto: Werner Kuhnle
Kreis Ludwigsburg / bz 29.08.2018

Spielplätze gibt es im Landkreis Ludwigsburg viele. Einige von ihnen sind absolute Musterbeispiele und gerade zu ein Paradies, das Kinderherzen höher schlagen lässt. Andere stoßen bei den Bürgern auf Unverständnis wegen hoher Baukosten und erhalten wenig Akzeptanz. Die BZ-Redakteure haben sich umgeschaut und außergewöhnliche Fälle zusammengefasst.

In Bietigheim-Bissingen sind 2014 alle öffentlichen Spielplätze (rund 70) untersucht worden. Der Spielplatz-Tester Wilfried Trapp prüfte die Anlagen auf Herz und Nieren. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Bietigheim-Bissingen erhielt in puncto Spielplätze die Gesamtnote 2,4. Darin enthalten sind Ausreißer nach oben und unten: Mit der Bestnote wurden beispielsweise die Spielplätze Wobachstraße (mit Spielturm), Heydschule, Realschule Bissingen, Schule Weimarer Weg, Schule Metterzimmern, Ellental-Gymnasien, Schule im Sand, Berliner Straße und Alexander-Fleming-Straße bewertet. Durchgefallen sind Posener Straße, Stresemannstraße und Kirchgärten, die eine Sechs erhielten. Letzteren bezeichnete Trapp als ein „wunderschönes Hundeklo“ und empfahl die Stilllegung. Das ist nach den Worten von Anette Hochmuth, der Sprecherin der Stadt, auch passiert. Der Bericht diene als Leitplanung für die Spielplatzpflege und -gestaltung.

Trapp hat auch ausgerechnet, was das alles kostet. Demnach fallen an laufenden Kosten für Wartung und Pflege durch die Stadtgärtnerei rund 400 000 Euro pro Jahr an. Die Investitionen in alle Spielplätze bezifferte er mit Stand von Ende 2013 auf rund 20 Millionen Euro. Und immer wieder kommen neue Anlagen dazu, wie beispielsweise im nächsten halben Jahr der Spielplatz im Neubaugebiet Haslacher Weg.

Schlechtes Beispiel

Wie man einen Spielplatz besser nicht baut, das demonstrierte die Stadt Bönnigheim unfreiwillig am Beispiel des Spielplatzes bei der Boehringer-Villa. Kaum fertiggestellt, musste der 180 000 Euro teure Spielplatz im Frühjahr 2016 wieder geschlossen werden. Er war für kleine Kinder einfach zu gefährlich, von einem „Kinderparadies“ konnte wegen ungeeigneter Spielgeräte und steiler Wege keine Rede sein. Die Kinder konnten eine Röhre hinabrutschen, wurden dadurch aber durch eine steile Böschung von den Eltern oder Großeltern getrennt. Offiziell wurden Abstimmungsprobleme zwischen Stadtverwaltung, Gemeinderat, Planern  und den ausführenden Firmen für die ungeeignete Anlage des Spielplatzes verantwortlich gemacht.

Es dauerte bis zum August 2017, bis sich die Beteiligten auf eine Neukonzeption einigen konnten und der Spielplatz nach Umbauarbeiten endlich wieder offen war. Dafür wurden noch einmal 40 000 Euro fällig, die Planer und beteiligte Firmen unter sich aufteilten.

Dies alles sind jedoch niedrige Summen im Vergleich zu dem 800 000  Euro, die für den Spielplatz auf dem Amann-Gelände ausgegeben wurden. Bei der Eröffnung des Spielplatzes mit Sonnensegel, Sandplatz, Trampolin, Wasserpumpen, Skater- und Bolzplatz sprach der damalige Bürgermeister Kornelius Bamberger gar von einer „Erlebnis- und Parkwelt für alle Altersgruppen“.

Für einen beliebten Spielplatz in Besigheim sind die Tage gezählt.  Der Spielplatz in den Enzauen gegenüber von Edeka muss dem Parkhaus weichen. Dessen Baubeginn ist für den Spätherbst geplant. Doch für Ersatz ist gesorgt, wie bei der Vorstellung der Planungen für  den Enzpark deutlich wurde.

Um Ideen und Anregungen für die Gestaltung der neuen Spielanlagen zu bekommen, hatte die Stadt sogar Kinder und Jugendliche ins Rathaus eingeladen, deren Vorschläge jetzt von dem beauftragten Planungsbüro bewertet werden. Sicher ist bisher, dass es drei verschiedene  Spielplatzbereiche geben wird. Direkt neben der Rampe zur neuen Rad- und Fußwegbrücke wird der  Spielplatz für die Jüngsten angelegt. Dort werden auch Sitzgelegenheiten für die Eltern errichtet. Unterhalb des neuen Parkhauses soll ein Bolzplatz für die etwas älteren Kinder entstehen. Die Jugendlichen können sich später unter der B 27-Brücke treffen, „under the bridge“ wie die Planer diesen Bereich genannt haben.

Die konkrete Gestaltung ist noch in der Schwebe. So sehen die Gegner des Enztal-Projekts auch den Bolzplatz kritisch, da er nicht eingegrenzt sei und die Wiesen ringsum niedergetrampelt werden.

Ruhestörung am Bolzplatz ist Geschichte

Weniger der Spielplatz als vielmehr der danebenliegende Bolzplatz hat in Kleinsachsenheim 2017 für monatelangen Streit gesorgt. Unter anderem hatten sich hier abends auch Jugendliche getroffen und laute Musik gehört. Schon seit 2010 hatten sich Anwohner über zu viel Lärm, vor allem in den Abendstunden beschwert. Der Streit mit der Stadt landete beim Landratsamt, das im Frühjahr 2017 beschränkte Öffnungszeiten verhängte. Gleichzeitig wurde die Stadt dazu verpflichtet, den Platz außerhalb der Betriebszeiten abzusperren.

Der Verwaltung war aber der Aufwand zu hoch, weshalb sie den Platz erst mal komplett dicht machte. Nach großen Protesten der Nutzer des Bolzplatzes gründete sich eine Elterninitiative, die einen Schließdienst organisierte – allerdings nur vorübergehend über die Sommerferien. Im Juli war die von der Stadt  beauftragte Fernvideoüberwachung einer Firma dann installiert. Seither ist es ruhig um den Bolzplatz geworden. Zuletzt sei die Sprachanlage defekt gewesen, Beschwerden liegen nicht mehr vor, meint die Stadt auf BZ-Nachfrage ebenso wie die damalige Schließdienst-Organisatorin Sandra Stolfi. msc

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