Vaihingen / MICHAEL SOLTYS  Uhr
Mit einem Massenaufgebot an Helfern simulierten die Rettungskräfte im Landkreis in der Nacht zum Sonntag einen schweren Unfall. Ihr Szenario: Ein brennender ICE ist im Markstein-Tunnel bei Vaihingen steckengeblieben.

Die Nacht der Zeitumstellung war für die Rettungskräfte des Landkreises eine ganz besonders lange Nacht. Unter dem Titel "Subvento" nahmen rund 1.200 Menschen, davon knapp 600 im direkten Einsatz, an einer Übung teil, wie es sie im Landkreis seit Jahren nicht gegeben hat. Um Mitternacht ging der Alarm für einen schweren Unfall auf der ICE-Strecke zwischen Mannheim und Ludwigsburg bei der Leitstelle ein. Mit einem brennenden Bistro-Wagen war der Schnellzug mit etwa 180 Fahrgästen im Markstein-Tunnel bei Vaihingen steckengeblieben. Die Feuerwehren des Landkreises, Rotes Kreuz, Malteser, Arbeiter-Samariter-Bund, Technisches Hilfswerk, Bundes- und Landespolizei und die Deutsche Bahn - sie alle schickten ihre Rettungskräfte an die Unfallstelle mitten in den Weinbergen.

"Der Ablauf ist nicht geplant", versicherte Kreisbrandmeister Andy Dorroch den Beobachtern und Gästen von "Subvento", so der Name der Übung, bei einer Besprechung im neuen Feuerwehrhaus von Vaihingen. Alle Beteiligten wussten zwar, dass die Übung stattfindet, aber niemand war in das Szenario eingeweiht, so der Kreisbrandmeister. Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte wollten erproben, ob ihre Einsatzpläne realistisch sind, wie sich die Unfallstelle über schmale gewundene Feldwege erreichen lässt, ob die Alarmwege funktionieren und vor allem: ob die Verständigung zwischen den einzelnen Organisationen klappt. Vor allem letzterem diente die Einrichtung einer gemeinsamen Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus. Den Einsatz vor Ort leitete Thomas Kurz, Kommandant der Feuerwehr Vaihingen.

Nur eine halbe Stunde nach dem Alarm wimmelt es von Menschen an dem Platz am Ausgang des 2,5 Kilometer langen Tunnels in Richtung Stuttgart. Prompt passiert, was nicht passieren sollte. Ein Krankenwagen ist auf einem Steilstück des Feldweges steckengeblieben. Nachrückende Einsatzkräfte kommen nicht vorwärts, berichtet Andreas Häcker, Feuerwehrmann und Leitender Notarzt des Landkreises vor Ort. Ein Glück, dass die Nacht sternenklar und trocken ist. Zu Beginn des Jahres, bei den ersten Überlegungen für die Übungen, "sind wir davon ausgegangen, dass im Oktober auch schon Schnee liegen könnte", so Häcker.

Zu diesem Zeitpunkt, knapp zehn Minuten nach dem Alarm, haben die ersten Einsatzkräfte bereits lautstark Informationen beim Lokführer eingeholt und sind mit Wasserschläuchen an das brennende Bistro vorgerückt. Die Oberleitung wurde bereits geerdet, die Gefahr eines Stromschlags ist gebannt. Drei Kilometer Schlauch pro Leitung müssen verlegt werden, um Wasser aus der Enz herbeizupumpen.

Unverletzte Passagiere, dargestellt von Mitarbeitern des Landratsamtes, verlassen den Zug. An ihnen vorbei drängen Feuerwehrleute mit schwerem Atemschutzgerät in die Waggons, das Visier verdunkelt, um den Rauch im Abteil zu simulieren. Schwer atmend ziehen sie die vermeintlich Verletzten auf einer Trage durch den Waggon. Nach kurzer Zeit bricht ihnen der Schweiß aus allen Poren, Ausgerechnet einen 120-Kilo-Mann haben die Übungs-Organisatoren als Verletzten mit gebrochenem Bein auserkoren. Gegen 1 Uhr nachts trifft der Einsatz-Container des Landkreises ein. Knapp anderthalb Stunden dauert es, bis die Rettungsdienste die 24 Verletzten sortieren und systematisch behandeln können, "das ist der übliche Wert", sagt Häcker. Die Verletzten könnten im Ernstfall mit dem Rettungszug aus Stuttgart abtransportiert werden, der gegen halb zwei mit Löschgerät und Medizin eintrifft. Auch er ist in der Zeit. Von Mannheim aus wurde der Rettungszug zum Westportal des Tunnels in Marsch gesetzt.

Gegen 4 Uhr morgens ist die Übung schließlich beendet. Rechtzeitig genug, um die Schienenstrecke bis 5.45 Uhr wieder freizubekommen, wie es die Bahn gefordert hat. Die Übung wurde bewusst in die Nacht gelegt, in der die Uhr eine Stunde zurückgestellt wurde, um einen Zeitpuffer zu schaffen, erklärt Kreisbrandmeister Andy Dorroch.

Für die Rettungskräfte geht die lange Nacht mit einem Frühstück im Vaihinger Feuerwehrhaus zu Ende. Wie erfolgreich sie war, was gut, was schiefgelaufen ist - das lässt sich laut Andreas Häcker erst in einigen Tagen sagen, wenn sie gemeinsam von den Beteiligten ausgewertet worden ist.

Seit 2010 sieben Einsätze auf der ICE-Strecke