Marbach/Bietigheim-Bissingen Karl May-Sammlung eines Bietigheimers in Marbach

Nicolai Riedel vor einem der beiden Regale, in dem die verschiedenen Karl-May-Gesamtausgaben aus der Sammlung von Heinz Neumann im Archiv unter dem Parkplatz der Schillerhöhe in Marbach aufbewahrt werden.
Nicolai Riedel vor einem der beiden Regale, in dem die verschiedenen Karl-May-Gesamtausgaben aus der Sammlung von Heinz Neumann im Archiv unter dem Parkplatz der Schillerhöhe in Marbach aufbewahrt werden. © Foto: Richard Dannenmann
GABRIELE SZCZEGULSKI 19.11.2015
In der neuen Ausstellung im Literaturmuseum der Moderne, "Das bewegte Buch" wird auch die Sammlung des Bietigheimers Heinz Neumann thematisiert. Fast 6000 Bände sammelte der zu Karl May, Indianer- und Abenteuerthematik.

Heinz Neumann (1912 geboren) war ein ganz normaler unverheirateter Volksschullehrer ohne Kinder und Familie, der 2001 starb und wohl bald in Vergessenheit geraten wäre, wenn nicht mehrere laufende Meter Buchregal im Deutschen Literaturarchiv von seiner besonderen Arbeit und seinem besonderen Verdienst berichten würden. Unter dem Parkplatz des Literaturmuseums der Moderne, in Magazin 4, Achse 27 b füllt der Nachlass des Bietigheimer Lehrers zwei lange Regale. 5600 Werke gab Neumann 1996 an das Archiv, als er selbst in ein Altersheim zog und die 300 wertvollsten Bücher mit dorthin nahm. Diese kamen dann 2001, nach Neumanns Tod nach Marbach. Der Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs, Dr. Nicolai Riedel, betreut Neumanns Nachlass. Bis zu achtmal am Tag geht er in die Tiefen des Archivs, um an der Sammlung von Heinz Neumann zu arbeiten.

Über Neumanns Biografie findet man nicht viel, weder im Archiv noch in den Weiten des Worldwideweb. Von Teilen seiner Sammlung allerdings schon und in diesem Zusammenhang taucht auch sein Name immer wieder auf. Der Bietigheimer sammelte alles, was mit Karl May zu tun hatte. Seine gesamte Wohnung, erinnert sich Nicolai Riedel, der Neumann noch zu Lebzeiten besuchte, war voll mit Büchern. Sogar in der Küche standen Bücherregale.

Neumann sammelte alle Karl May Erstausgaben, in seinem Besitz fanden sich nicht nur die bekannten Werke wie die Winnetou- oder Old-Shatterhand- und Old-Shurehand-Ausgaben, sondern solch seltene Werke wie das als Groschenroman in Fortsetzung erschienene "Wandelröschen" oder "Die Geheimnisse der Venustempel". 1000 Bände der Neumannschen Sammlung drehen sich nur um Karl-May-Werke.

Der 1912 geborene Lehrer sammelte auch alle Bücher, von denen er annahm, dass Karl May sie zur Recherche gelesen hatte, wie über die Indianergeschichte, über Amerika, über einzelne Abenteurer. 160 Quellenbände zählte Nicolai Riedel.

Außerdem lag Neumanns Interesse auf Abenteuerromanen und Ausgaben, die zu seiner Zeit eigens für Jugendliche überarbeitet wurden. "Diese Sammlung ist einzigartig und so gut strukturiert, dass es nichts Vergleichbares gibt, nicht mal im Karl-May-Archiv in Radebeul", sagt Riedel. Zudem seien die Bücher in einem "1-A-Zustand". Neumann sei "ein verrückter Sammler, aber sehr strukturiert" gewesen und "wusste immer was er wollte", sagt Nicolai Riedel, dem Heinz Neumann einstens sagte, dass für seine Sammlung "mein ganzes Lehrersalär" drauf geht. "Die Bücher waren seine Kinder, weil er selbst keine hatte, und er pflegte seine Sammlung so wie er Kinder behütet hätte", sagt Riedel. 1982 schon, zu Neumanns Lebzeiten machte der Archivmitarbeiter Hans-Otto Hügel, späterer Professor, eine Ausstellung mit der Sammlung. "Das inszenierte Abenteuer" hieß sie und ein Marbacher Magazin erschien dazu. "Ein wertvolles Geschenk", so Riedel, sei die Übergabe der Sammlung ans Deutsche Literaturarchiv gewesen, "für die Geschichte der Unterhaltungsliteratur einmalig".