Das Amtsgericht Ludwigsburg öffnet in der Nacht der Ausbildung unter dem Motto „Save the Date“ seine Pforten. Richter, Staatsanwälte und Justizfachangestellte legen am Donnerstag, 26. September, von 16 bis 21 Uhr ihre Roben ab, um Schulabgänger über Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten zu informieren.

Organisiert wird die Ausbildungsmesse von den Wirtschaftsjunioren Ludwigsburg nicht zum ersten Mal. Es gibt einen Bus-Shuttle, der „Hop on, Hop off“ zu verschiedenen Ausbildungsbetrieben und -einrichtungen fährt. So auch zum Amtsgericht in die Schorndorfer Straße 39, wo sich die Justiz gerade darum bemüht, die Veranstaltung im Foyer interessant zu gestalten. Die Shuttle-Touren starten und enden am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB).

Acht junge Leute werden nach Informationen des Amtsgerichtsdirektors, Dr. Michael Stauß, jedes Jahr im Ausbildungszentrum aufgenommen. Momentan drücken 24 Azubis die Schulbank und lernen beispielsweise das Protokollführen bei Gerichtsverhandlungen. Schulabschluss, Berufswahl und Berufseinstieg wollen wohl überlegt sein. Abiturienten können im Amtsgericht auch dual studieren, um Rechtspfleger oder Gerichtsvollzieher zu werden.

Auf Fristen achten

Sie entlasten Richter, Staatsanwälte und Rechtspfleger. Justizfachangestellte brauchen Organisationstalent beim selbständigen Verwalten von Akten, die es bald nur noch elektronisch geben wird. Sie achten auch darauf, dass Fristen eingehalten und Gerichtskosten pünktlich bezahlt werden. Als Ansprechpartner für Ratsuchende sind sie immer in das gesamte gerichtliche Verfahren involviert. Bezahlt werden sie nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder von Entgeltgruppe sechs bis neun. Gute Prüflinge können die Beamtenlaufbahn des mittleren Justizdienstes zum Justizfachwirt einschlagen.

Insbesondere in Strafverfahren unterstützen Justizfachangestellte die Richter durch das Führen eines Protokolls während der Strafverhandlung. Sie stellen auch die Urteile und Beschlüsse zu. Bei den Staatsanwaltschaften sind sie in der Ermittlungs- oder in der Strafvollstreckungsabteilung tätig. Ohne Justizfachangestellte wäre nach Informationen der Oberlandesgerichte Stuttgart und Karlsruhe eine funktionierende Justiz undenkbar. Voraussetzung ist ein mittlerer Bildungsabschluss.

Wer sich für diesen Beruf entscheidet, den erwartet ein Studium an einer Fachhochschule im Wechsel von Theorie und Praxis mit Bezahlung von Anfang an. Rechtspfleger sind bei ihren Entscheidungen nicht an Weisungen von Vorgesetzten, sondern nur an Recht und Gesetz gebunden, unabhängig und eigenverantwortlich wie ein Richter.

Insolvenzen und Betreuungen

Rechtspfleger arbeiten hauptsächlich bei Gerichten und Staatsanwaltschaften, aber auch in Ministerien, im Justizvollzug und beim Bundesamt für Justiz oder in der privaten Wirtschaft. Schwerpunkte ihrer Arbeitsbereiche sind Familien- und Betreuungsverfahren, Zwangsversteigerungen und andere Zwangsvollstreckungen, Grundbuchangelegenheiten, Insolvenzverfahren, Handels- und Vereinsregister, Rechtsantragsstelle, Nachlassangelegenheiten und die Vollstreckung von Freiheitsstrafen.

Wenn trotz Urteils nicht bezahlt wird, sind Gläubiger auf Gerichtsvollzieher angewiesen, um an ihr Geld zu kommen. Das Bachelor-of-Laws-Studium zum Gerichtsvollzieher ist bundesweit einzigartig. Es verbindet den Beamtenstatus mit der Selbständigkeit. Im eigenen Bezirk entscheidet jeder Gerichtsvollzieher eigenständig über die Abwicklung von Gläubigeraufträgen.Über die Beamtenbesoldung hinaus erhält er als zusätzliche Vergütung einen Anteil an den erwirtschafteten Gebühren.

Das Studium dauert drei Jahre und beginnt jeweils zum 1. September an der Hochschule für Rechtspflege im Schloss Schwetzingen. Studierende werden von Beginn an zu Beamten auf Widerruf ernannt und finanziell abgesichert. Unverheiratete bekommen zurzeit zum Beispiel ein monatliches Netto-Gehalt von etwa 1200 Euro.

Infos zu allen Berufsbildern gibt es unter www.mit-recht-in-die-zukunft-de.