Irgendwo muss man mal anfangen. Für Celina Abdalla ist dieser Punkt jetzt gekommen. Als die junge Frau von den Freien Wählern in Sachsenheim gefragt wurde, ob sie bei der Gemeinderatswahl im Mai antreten würde, hat sie ja gesagt. Spontan, wie die Kleinsachsenheimerin berichtet. Dennoch kam der Schritt nicht von ungefähr. "Ich bin politisch interessiert und beispielsweise als Schulsprecherin auch engagiert."

Erst in einem Monat wird die Abiturientin volljährig und weiß dennoch schon genau, wofür sie sich einsetzen will, sollte sie es in den Gemeinderat von Sachsenheim schaffen. Sie wolle sich für die Interessen junger Leute im Ort starkmachen, in dem es ja keinen Jugendgemeinderat gebe. In Kleinsachsenheim fehle es zudem an einem Jugendtreff, sagt Celina Abdalla.

Die junge Frau - eine der Jüngsten unter den Kandidaten im Kreis Ludwigsburg - macht sich mit Blick auf die Wahlen gleichwohl keine Illusionen. "Ich bin mir nicht sicher, ob ich es im ersten Anlauf schaffe, ich möchte aber auf jeden Fall anderen jungen Leuten ein Ansporn sein, sich zu engagieren." Denn dass in einer Kommune ältere, erfahrene und junge Leute gemeinsam Politik machen sollten, davon ist die Schülerin überzeugt.

Celina Abdalla ist eine von mehreren jungen Leuten im Umkreis, die den Einstieg in die Politik schaffen wollen. Da gibt es beispielsweise auch die 18-jährige Tabea Gailing aus Bietigheim-Bissingen, die sich für die CDU hat aufstellen lassen. Die Abiturientin hat politische Erfahrung. Partei-Mitglied ist sie schon länger, auch in der Jungen Union engagiert sie sich, berichtet sie. Die Kandidatur geht Tabea Gailing nicht leichtfertig an: "Ich habe mir Gedanken gemacht und mich mit Leuten, die auch jung Gemeinderat wurden, unterhalten."

Kommunalpolitisch brennen Tabea Gailing vor allem zwei Themen unter den Nägeln: Sie wünscht sich mehr Treffpunkte für Jugendliche in der Stadt und will sich zudem für die Vereine einsetzen. Bei Proberäumen gebe es beispielsweise immer wieder Engpässe, weiß das Wobachspatzen-Mitglied. Ein weiteres Ziel hat Tabea Gailing schon erreicht: Mitschüler und Freunde unterstützen die Kandidatur und interessierten sich auch dafür, erzählt sie. "Das ist wichtig, vor allem auch deshalb, weil man ja nun schon ab 16 wählen kann."

Valentin Stuber, ebenfalls Abiturient, will es für die Freien Wähler in den Ortschaftsrat in Häfnerhaslach schaffen. "Ich möchte dafür sorgen, dass sich in unserem Dorf etwas tut. Momentan ist das leider nicht der Fall." Sich für die Jugend einzusetzen, das gehe am besten, wenn man selber jung sei und sich auf einer Ebene treffe, denkt der 19-Jährige. Vor der Arbeit im Ortschaftsrat hat der junge Mann keine Angst: "Ich erwarte, falls mich die Bevölkerung wählt, dass auch meine Stimme etwas zählt, da ich dann genau die gleichen Voraussetzungen habe, nur nicht die Erfahrung."

Kess antwortet Jane Dröscher auf die Frage, warum man mit 18 Jahren für den Besigheimer Gemeinderat kandidiert: "Warum nicht?" Für die Gymnasiastin, die sich auf der FDP-Liste bewirbt, ist es wichtig, dass auch die Wünsche und Vorstellungen der jüngeren Generation vertreten werden. "Durch mein Alter habe ich einen bestimmten Blickwinkel und möchte deshalb auch die Werte und Ansichten junger Menschen vertreten." Ihr Interesse an der Politik wurde durch den Politikunterricht und durch die Eltern geweckt - Mutter Imke Dröscher ist die Vorsitzende der FDP Besigheim und kandidiert selbst, Vater Christian Meyer wollte in den Bundestag und führt die Besigheimer Liste an. "Die Form von Politik, in der jeder den direktesten Einfluss hat und auch unmittelbar die Ergebnisse sieht, ist die Kommunalpolitik", betont die 18-Jährige.

Von ihren Freunden werde sie unterstützt, sagt Jane Dröscher. "Von den Gleichaltrigen finden es viele gut, dass ich mich politisch engagiere, allerdings werde ich von einigen auch kritisiert, dass ich die FDP unterstütze." Den Kritikern hält sie unter anderem entgegen, diese hätten noch nicht mitbekommen, dass sich "die FDP von Grund auf neu aufgestellt" habe.

Seit 2008 hat der 23-jährige Steffen Kutscher aus Bönnigheim, nach eigenem Bekunden mit Interessenvertretung zu tun. "Ich bin Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung bei einem großen Automobilzulieferer in Stuttgart. Von daher habe ich bereits viel Erfahrung in der betrieblichen Interessensvertretung gesammelt", sagt Kutscher, der auf der SPD-Liste für den Bönnigheimer Gemeinderat kandidiert. Der 23-Jährige, der am Wahltag dann 24 Jahre alt sein wird, ist gewerkschaftlich aktiv und unter anderem für Baden-Württemberg in der Tarifkommission, "wo die Tarifverträge für mehrere zehntausend Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie ausgehandelt werden", wie er selbstbewusst anmerkt.

Unterstützung erhalte er von den älteren Kollegen, die ihm Mut machten. Kutscher: "Die Jugend von heute ist die Zukunft von morgen. Ganz nach dem Motto wird die Jugend unterstützt. Auch deshalb wurde ich zum Beispiel auf der Jahreshauptversammlung der SPD zum stellvertretenden Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt." Die komplette Partei stehe nach seiner Einschätzung hinter ihm, und er ergänzt: "Ich bin sehr stark davon überzeugt, dass die erfahrenen Gemeinderäte hinter der Jugend stehen. Von daher spüre ich sehr viel Rückenwind aus den eigenen Reihen, dem Gemeinderat und der Stadtverwaltung."

"Viele meiner Freunde waren überrascht, allerdings alle positiv", sagt die 26-jährige Nadine Bezner, die sich in Kirchheim auf der Liste der Unabhängigen um ein Gemeinderatsmandat bewirbt. Sie habe gemerkt, dass viele Gleichaltrige doch mehr Interesse an Lokalpolitik haben, jedoch oftmals einfach das Wissen darüber fehle, wie sie sich selbst einbringen können. "Deshalb möchte ich mich auch für eine stärkere Beteiligung einsetzen", so Bezner.

Wenn sie gewählt werden sollte, freue sie sich darauf, von der Erfahrung älterer Mitmenschen zu profitieren, da sie gerade auch in ihrem Beruf als Ergotherapeutin viel in der Zusammenarbeit mit Menschen aller Altersklassen zu tun habe. "Ein Engagement für die Heimat finde ich wichtig", nennt Bezner als Beweggrund für ihre Kandidatur: "Viele Entscheidungen, die uns alle im täglichen Leben betreffen, werden auf lokaler Ebene getroffen, deshalb möchte ich mich dafür einsetzen, Menschen aller Generationen, Herkunftsländer oder Lebensstile am politischen Dialog zu beteiligen."

Jonas Lade ist nach eigener Aussage mit einer grünen Einstellung aufgewachsen. Der 19-Jährige, der sich derzeit zum Biogemüse-Gärtner ausbilden lässt, tritt daher für die Grünen in Ingersheim zur Wahl an. Unumwunden gibt der junge Mann zu, erst mit dem Berufsstart auch gesellschaftspolitische Themen für sich entdeckt zu haben. Den Politikunterricht an der Schule habe er eher als lebensfremd empfunden, seine Freunde seien über sein Engagement daher auch erst mal erstaunt gewesen.

Nichtsdestotrotz hat Jonas Lade schon ein konkretes Thema, für beziehungsweise gegen das er sich im Falle seiner Wahl einsetzen möchte: den geplanten Gewerbeschwerpunkt mit 17 Hektar Umfang in Ingersheim. Lade: "Wir haben schon genug Gewerbe."

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