Es ist eine Katastrophe!“ Ursula Gericke, Leiterin des Tierheims in Ludwigsburg, weiß, wovon sie spricht. Offenbar durch die Corona-Pandemie ausgelöst, steigt die Nachfrage speziell beim illegalen Welpenhandel dramatisch an, wie Tierärzte, Tierheime und auch der Deutsche Tierschutzbund feststellen. Erst vor kurzem hat Gericke zwei Malteserwelpen unter zwölf Wochen und eine junge Hündin, die angeblich das Muttertier sein sollte, in Quarantäne im Tierheim aufgenommen. Die Tiere stammen aus einer Tierarztpraxis aus dem Landkreis.

Mehr Welpen als üblich

„Wir haben hier seit letztem Jahr immer mehr Welpen, mehr als in den letzten 20 Praxisjahren üblich“, so die Tierärztin, die anonym bleiben möchte. Die Welpen sollten in der Praxis geimpft werden. Die Tierärztin wurde allerdings misstrauisch, da die Malteserhündin offensichtlich auf Grund ihres Alters nicht die Mutter der Welpen sein konnte. Der Vorfall wurde der Polizei und dem Veterinäramt gemeldet. Fünf weitere Welpen, die angeblich aus einem anderen Wurf stammten, erhielten Mikrochips und Impfungen. Inzwischen wurde bekannt, dass zwei dieser Welpen sterbenskrank bei einer Tierärztin im Schwarzwald aufgetaucht sind und anscheinend über das Internet erworben wurden.
„Das Schlimmste ist, dass trotz aller Warnungen die Leute übers Internet Welpen kaufen“, so Gericke. Diese Welpen seien in der Regel sehr krank in ihrem Sozialverhalten nachhaltig gestört, da sie viel zu früh vom Muttertier getrennt werden. Die Welpen werden Tausende von Kilometer unter schlimmsten Bedingungen durch Europa gefahren und mit falschen Papieren über Internetportale verkauft.

Rassehunde angesagt

In Corona-Zeiten steigt anscheinend das Verlangen nach einem Haustier enorm. Die hohe Nachfrage für Welpen von Rassehunden wie Malteser, Chihuahua und Zwergspitze, die gerade sehr „angesagt“ sind, kann auf legalem Weg über eingetragene Züchter nicht mehr bedient werden.
In einer Mitteilung auf Anfrage der BZ weist Dr. Andreas Fritz, Pressesprecher des Landratsamts Ludwigsburg, darauf hin, dass häufig einschlägige Internetplattformen wie ebay oder ebay-Kleinanzeigen für den Verkauf illegaler Welpen genutzt werden. Die so angebotenen Welpen würden zumeist aus dubiosen Hundezuchten stammen, die sich im osteuropäischen Ausland befinden. Ferner würden diese Zuchten häufig unter tierschutzwidrigen Bedingungen stattfinden, deshalb sollte man auch nicht aus Mitleid einen Welpen aus einer solchen Zucht erwerben, da man hierdurch nur diese Zuchtstationen unterstützen würde.

Monatelange Quarantäne

„Käufer von illegalen Welpen sind voll verantwortlich für die katastrophalen Zustände“, sagt Gericke. Die sogenannten „Zuchtstationen“ bestehen aus Deckrüden und Hündinnen, die als reine „Gebärmaschinen“ fungieren. „Die illegalen Welpen müssen in monatelange Quarantäne, worunter sie besonders leiden“, so die Tierheimleiterin. Häufig habe man aus dem illegalen Handel ein „zeitlebens gestörtes und ängstliches Tier“.
Das Landratsamt Ludwigsburg weist darauf hin, dass Angebote von Welpen über das Internet immer genau geprüft werden sollten. Insbesondere sehr günstige zu reinrassigen Hundewelpen oder ein Angebot von Welpen unterschiedlicher Rassen sollten als Alarmzeichen angesehen werden. Auch sollten Welpen nicht an der Haustür oder auf einem Parkplatz gekauft werden, da dies ein weiteres Indiz für eine unseriöse Herkunft ist.
Wichtig wäre, sich immer das Umfeld des Welpen und das Elterntier bei einem Züchter anzusehen. Ist das nicht möglich, sollte man unbedingt stutzig werden. Eine Möglichkeit, den florierenden illegalen Welpenhandel zu erschweren, wäre ein Verkaufsverbot von lebenden Tieren durch Privatpersonen über die Internetplattformen. Dies wurde in Österreich schon umgesetzt.

Dutzende Fälle im Landkreis dokumentiert

2020 wurden dem Landratsamt Ludwigsburg 54 Fälle illegal eingeführter Hunde- und Katzenwelpen amtlich gemeldet, in 46 Fällen handelte es sich um Hundewelpen. 

Der Deutsche Tierschutzbund wertet auf der Basis von Medienberichten und den Meldungen angeschlossener Tierheime alle Fälle von illegalem Tierhandel aus. Für das Jahr 2019 berichtet der Verband von 66 Fällen von illegalem Handel mit mindestens 731 betroffenen Tieren. Zum Großteil (85 Prozent) wurden Hunde gehandelt.

2020 wurden allein zwischen Januar und Oktober 75 Fälle von illegalem Heimtierhandel bekannt, mit 818 Tieren. Betroffen waren vor allem Hunde (insgesamt 683) und mit 130 Tieren erstaunlich viele Katzen. Die Dunkelziffer dürfte wie in jedem Jahr deutlich höher liegen. nowa

tierschutzbund.de