Inklusion, Toleranz und Förderung für Menschen von Menschen – dafür steht die Arbeit der Theo-Lorch-Werkstätten. Am Wochenende feierten sie ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Festival auf dem Ludwigsburger Marktplatz.

Der Ursprung der Theo-Lorch-Werkstätten geht zurück ins Jahr 1969, als Pfarrer Theo Lorch mit Ludwigsburger Institutionen an einem Tisch saß und sie gemeinsam einen Entschluss fassten: Wir unterstützen Menschen mit Behinderung nach ihrer schulischen Ausbildung ins Berufsleben einzusteigen. So wurde die Werkstatt für Behinderte e.V. gegründet, die 2005 in den aktuellen Namen umgetauft wurde.

Auch heute noch ist diese Förderung Kern der Tätigkeit der Theo-Lorch-Werkstätten. Geschäftsführer Stefan Wegner weiß, wie wichtig diese Arbeit ist. „Der Mensch soll sich nicht verstecken. Wir möchten ihn stärken, ihn fördern. Er soll das Gefühl genießen können, gebraucht zu werden und Erfolgserlebnisse erfahren dürfen.“

850 betreute Menschen

Etwa 850 Menschen werden derzeit in den Werkstätten betreut. Dort werden sie in drei Bereichen gefördert: im Arbeitsbereich, im Förderbereich und in der beruflichen Bildung, auch „Lehrwerkstatt“ genannt. „Gerade im Förderbereich kümmern sich Mitarbeiter um Menschen, die einen erhöhten Betreuungsbedarf haben und eine sinnvolle Tagesstruktur benötigen“, erklärt Wegner. „In der Lehrwerkstatt, einem Angebot der Agentur für Arbeit, wird eine Berufsausbildung von etwa zwei Jahren angeboten. Das richtige Angebot für jeden individuellen Wunsch.“

Die Theo-Lorch-Werkstätten arbeiten in enger Partnerschaft mit großen Firmen im Ludwigsburger Kreis zusammen. Die betriebsintegrierten Arbeitsplätze, die diese Firmen und Unternehmen bieten, seien sehr wichtig für die Arbeit der Werkstätten, weiß Wegner. „Firmen geben entweder Aufträge ab, die dann von Menschen, um die wir uns kümmern, ausgeführt werden können. Oder sie bieten Arbeitsplätze direkt vor Ort, was die Integration erheblich fördert.“ Die ausgeführten Arbeiten umfassen viele Bereiche, wie Lagertätigkeiten, Montagen und Reparaturen von Möbeln oder Maschinenbau.

Die Bedeutung des christlichen Leitbildes für die Werkstätten, die ihren Ursprung unter anderem in Pfarrer Theo Lorch findet, ist essentiell für deren Arbeit. Der Mensch sei in diesem Leitbild immer gleich viel wert, egal ob mit oder ohne Behinderung. „Das soll zu Inklusion führen“, begründet Wegner. „Es sind allesamt wundervolle Menschen, die Teil unserer Gesellschaft sind.“ Allerdings sei die Gesellschaft jedoch häufig nicht in der Lage „Menschen, die besonders sind, adäquat zu inkludieren.“ Dieses Normalisierungsprinzip soll gerade durch das christliche Leitbild gelehrt werden.

Auch das „Mensch, Mensch“-Festival an diesem Wochenende sollte den über dreitausend Besuchern Berührungsängste nehmen und Stigmatisierung auflösen. „Wir möchten deutlich machen“, erklärt Wegner, „wie toll Menschen mit Behinderung sind. Die Besucher des Festivals sollten einen AHA-Effekt erleben und verstehen, was für schöne Begegnungen sich ergeben könnten.“

Die Theo-Lorch-Werkstätten traten auf dem Festival unter anderem mit diversen Bands auf, die teils aus Menschen mit Behinderung und Profimusikern bestanden, wie die Brenz-Band. Diese wurde in den Jahren 2005 und 2006 von der UNESCO sogar zum „Künstler für den Frieden“ ernannt.

Einen besonderen Programmpunkt stellte außerdem die Modenschau „able“ dar. In Kooperation mit der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim und Designerin Janine Minasyan hat die Kreativabteilung der Werkstätten eine Kollektion entworfen, die bei einer spannenden Modenschau von Models auf einer Bühne präsentiert wurden. Das Konzept basierte auf der Idee eine Kollektion zu entwerfen, die die Komponenten Nachhaltigkeit und Transformation miteinander vereinen kann. Die Menschen mit Behinderung, die von den Werkstätten betreut werden, konnten sich in diesem Projekt kreativ austoben und stolz ihre Ergebnisse vor einem großen Publikum präsentieren.

Alle Mitarbeiter der Theo-Lorch-Stätten, ob mit oder ohne pädagogischen Hintergrund, sind mit Herz und Leidenschaft bei der Sache. Auch Stefan Wegner weiß, wie erfüllend die Arbeit in den Werkstätten ist. „Es ist einfach toll etwas gestalten zu können. Unsere Tätigkeit ist sinnstiftend und eröffnet anderen Menschen Zukunftschancen. Das macht mich sehr glücklich.“