Schwerpunkt Trauerkultur Jedes Grabmal ist eine kunstvolle Aufgabe

Jörg Failmezger (links) und sein Sohn Till Failmezger sind sich einig: „Der Tod ist eine emotionale Sache, deshalb müssen wir ihn auch ein Stück weit professionell ansehen.“
Jörg Failmezger (links) und sein Sohn Till Failmezger sind sich einig: „Der Tod ist eine emotionale Sache, deshalb müssen wir ihn auch ein Stück weit professionell ansehen.“ © Foto: Richard Dannenmann
Pleidelsheim / Günther Jungnickl 27.10.2018

Bereits seit 145 Jahren besteht  das Pleidelsheimer Familienunternehmen Failmezger und es wird jetzt bereits in der fünften Generation von dem 45-jährigen Till Failmezger geführt.

„Was geht in Menschen vor, die sich von Berufs wegen mehr als andere mit dem Tod beschäftigen müssen?“, ist eine der Fragen, die sich in der Pleidelsheimer Werkstatt stellt. „Der Tod ist eine ganz persönliche und emotionale Sache, deshalb müssen wir ihn auch ein Stück weit professionell ansehen“, sagt Steinbildhauer Till Failmezger.

Denn auch er hat solche bitteren Erfahrungen schon ganz persönlich gemacht, aber für ihn gehört das einfach zum Leben hinzu. Für seinen Vater Jörg Failmez­ger ist deshalb die Beschäftigung mit Grabmalen auch beileibe nicht zweitklassig im Verhältnis zu seinem sonstigen  künstlerischen Schaffen (Brunnen und Skulpuren), denn nach seiner festen Überzeugung „verändern die Liebe und der Tod alles im Leben“.

Und deshalb sei es auch für ihn und den Sohn wichtig, so viel wie möglich über die Persönlichkeit der oder des Verstorbenen von den Angehörigen zu erfahren.

Zum Beweis zeigt er den Entwurf für das Grabmal für einen passionierten Segler. Das stilisiert die Meereswellen und ein voll geblähtes Segel, um etwas über die Persönlichkeit des Verstorbenen aufzuzeigen. „Aber wir sind ja keine Seelsorger“, schränkt der viel dekorierte Künstler ein.

Was aber, wenn die Angehörigen mit absonderlichen Wünschen oder gar kitschigen Ideen für die Grabsteingestaltung daherkommen. Dazu erzählt Till  Failmezger die Geschichte einer Witwe, die zunächst einmal ganz vernünftig einen Naturstein bestellte, ihn aber dann derart mit Goldschrift und Engeln garnieren wollte, dass von ihm kaum noch etwas übrig blieb. Letztendlich ließ sie sich dann aber einen Stein aus Indien kommen, bei dem Jörg Failmezger argwöhnte, ob da nicht am Ende auch noch Kinderarbeit im Spiel war.

Ansonsten lässt der Altmeister wissen, „dass sich über Geschmack bekanntlich trefflich streiten“ lasse. Auf allen Friedhöfen gebe es schließlich genügend Scheußlichkeiten zu sehen.

Geht denn kulturell etwas verloren, wenn die Tendenz zu Urnenbestattungen und anonymen Gräbern noch zunimmt? „Natürlich geht dann etwas verloren an kulturellem Brauchtum“, sagt Jörg Failmezger, „genauso wie die schwarze Trauerkleidung oft nicht mehr getragen wird, um besondere Anteilnahme zu bekunden“. Heute käme ja jeder Trauergast daher, wie es ihm gerade einfalle. Dem stimmt auch Till Failmezger zu, verweist aber auch darauf, dass im Altertum (Ägypten, Griechenland, Römer, Azteken) der Ahnenkult noch einen größeren Platz einnahm – zumindest für die jeweils herrschenden Klassen.

Die Ludwigsburger Landschaftsgärtnerin und Friedhofs­expertin Birke Hörner hat gerade in der vergangenen Woche dem Pleidelsheimer Gemeinderat ihre Vorstellungen von einem neuen Gesamtkonzept für den Gemeindefriedhof vorgetragen und ist damit auf fast einhelliges Wohlwollen gestoßen.

Von „frischem Wind auf dem Friedhof“ fasste hernach Jürgen Hämmel (FWV) die Diskussion zusammen. War das auch bei den Failmezgers so? „Auf jeden Fall“ sagen Vater und Sohn, die sich gerade auf diesem Friedhof so gut auskennen. Schon einmal hatten sie eingegriffen, als dort die Urnengrabanlage „Fluss der Zeit“ der Architektin Ulrike Nemeth geplant wurde.

Auch die von Birke Hörner entwickelte Idee einer Grabanlage für Totgeburten (Schmetterlingsgrab) oder einer Stätte zur Bewahrung von „historischen Grabsteinen“ gefiel den beiden Steinbildhauern. „Denn zuvor kamen die Mitarbeiter vom Bauhof mit dem Vorschlaghammer, wenn die Liegezeit abgelaufen war, und zerstörten die Steine“, erzählt Jörg Failmezger.

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