Schweinepest, Jagdquote für Rehe und eine steigende Wildschweinpopulation – die Jäger haben derzeit einiges auf dem Tableau. Die BZ hat sich mit Erik Müller, Pressereferent der Jägervereinigung Ludwigsburg, über die aktuellen Herausforderungen in der Region unterhalten.

● Jagdquote für Rehe

2,5 Millionen Rehe gibt es in Deutschland, Tendenz steigend. Weil die Rehe gerne junge Bäume anknabbern, macht sich nun mancher Sorgen um die Wiederaufforstung. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert eine „stringentere und zielgerichtetere Jagd“. Für die ist auch der Ökologische Jagdverband (2800 Mitglieder). Der wirft der „konservativen Jägerschaft“ vor, „aus jagdlichem Eigeninteresse“ die Wildbestände absichtlich hoch zu halten. Grund: „Spaß am Jagen“.

Auch im Kreis Ludwigsburg sei eine steigende Rehpopulation zu verzeichnen. „Ich habe mir die Zahlen nochmal angeguckt, hier in der Gegend haben wir etwa 1,5 Rehe im Schnitt mehr pro Hektar als noch vor zehn Jahren“, erklärt Müller. Für ihn liegt das vor allem an dem reichen Nahrungsangebot, weil es jetzt mehrere Wachstumsperioden pro Jahr gebe. „Wir sind keine Schädlingsbekämpfer“, sagt Müller zu den Forderungen nach mehr Rehabschüssen. In dem Konflikt trete wieder zu Tage, dass einigen der Wald wichtiger sei als das Wild. Eine große Gefahr für den Wald sieht Müller nicht in der gestiegenen Rehanzahl. Ein Jäger sei ohnehin eher dazu da, ein gesundes Gleichgewicht herzustellen. Den Schutz der Bäume könne man mit Zäunen erreichen.

● Steigende Wildschweinzahlen

Immer wieder sorgen Wildschweine für Schäden auf Feldern oder Gärten. Müller kann bestätigen, dass sich die Tiere stark vermehrt haben, auch weil das Nahrungsangebot unter anderem durch milde Winter so groß geworden sei. Wildschweine zu jagen, sei aber gar nicht so leicht. „Im Schnitt sitzen wir 20 Stunden für eine Sau an“, sagt der Hobby-Jäger aus Steinheim. Diese Tiere zu jagen, sei eine große Herausforderung, weil sie „eine echte Chance“ hätten davonzukommen. „Das ist die Wildart, die uns am meisten beschäftigt.“

Was die Schäden angehe, ist es Müller wichtig, etwa mit Landwirten eine offene Kommunikation zu haben. So könne man sich über etwaige Gefahrenstellen oder Präventivmaßnahmen austauschen. So teile er den Bauern oft auch mit, wenn ein anderer Bauer in seinem Revier eine Maissorte anbaue, die die Wildschweine nicht mögen. „Das Interessante an Schäden im Maisfeld ist, dass man die von außen meist gar nicht sieht. Die Tiere gehen in das Feld und fressen innen eine riesige Fläche kahl. Das sieht der Landwirt aber erst, wenn er auf dem Mähdrescher sitzt“, erklärt Müller. Ein Patentrezept fällt auch dem Jäger nicht ein, wie man Wildschweinschäden verhindern kann.

● Afrikanische Schweinepest

So makaber es klingen mag, aber die Schweinepest könnte für ein Ende dieser Wildschweinproblematik sorgen, auch wenn dafür ganz andere Probleme aufkommen. „Die Frage ist eigentlich nicht mehr, ob uns die Schweinepest erreicht, sondern nur noch wann“, sagt Müller. Zuletzt gab es Meldungen, dass sie sich in Polen unweit der deutschen Grenze ausbreite. Weil die für den Menschen ungefährliche Seuche schon durch am Auto mitgebrachten Dreck übertragen werden kann, ist es für Müller sehr wahrscheinlich, dass das Problem auch auf den Kreis  zukommen wird.

„Wir haben alle keine Vorstellung davon, was das bedeutet“, so Müller, der auch an die Hausschweine denkt. Wenn die Afrikanische Schweinepest komme, werden laut Müller wohl zunächst Gesellschafts- und Treibjagden verpflichtend werden. Das sei eine unglaubliche Herausforderung für jedes Revier. Ein weiteres Problem sei, dass es im Kreis nur drei Verwahrstellen für verendete Tiere gebe. „Im Umkreis meines Reviers und umliegender Gebiete sind mindestens 200 Wildsauen unterwegs, nördlich von Ludwigsburg bis Heilbronn, und da sind die großen Waldgebiete nicht mit eingerechnet“, sagt Müller. Pro Verwahrstelle gebe es einen 300-Liter-Kübel, in dem nur Platz sei für vier Wildsauen.

Die Lösung sei dennoch nicht, mehr Verwahrstellen zu eröffnen, man könne sich einfach kaum auf die Schweinepest vorbereiten. Man könne nur die Sensibilität für das Problem bei den übrigen Waldnutzern wecken und auf die Übertragungswege hinweisen. Es gehe eher darum zu überlegen, wie man die Tierkadaver unschädlich transportieren könne.

Sehr ansteckend und für Schweine tödlich


Bei der Afrikanischen Schweinepest handelt es sich laut Bundeslandwirtschaftsministerium um eine schwere Virusinfektion, die ausschließlich Schweine (Haus- und Wildschweine) betrifft und für diese tödlich ist. Für den Menschen stellt sie keine Gefahr dar.

Das Virus wird direkt über Tierkontakte oder indirekt, zum Beispiel über Fleisch oder Wurst von infizierten Tieren, übertragen. Unter ungünstigen Bedingungen können unachtsam entsorgte Reste von virushaltigem Reiseproviant ausreichen, um die Seuche einzuschleppen. Für Haus- und auch für Wildschweine bestehe seit Jahrzehnten ein Verbot der Verfütterung von Speiseabfällen bz