Ein Luchs ist im Schwarzwald gesichtet worden (die BZ berichtete). Immer wieder kommt es auch in der Region zu Sichtungen oder angeblichen Sichtungen eines Wolfs. Die BZ hat den Wildtierbeauftragten des Landkreises, Michael Zerrweck, gefragt, wie wild der Landkreis Ludwigsburg wirklich ist.

Herr Zerrweck, werden wieder mehr wilde Tierarten heimisch im Landkreis in den letzten Jahren oder täuscht der Eindruck?

Michael Zerrweck: Einerseits beobachten wir im Landkreis Ludwigsburg die Zunahme „neuer“ Wildtierarten, sogenannter Neozoen, wie Waschbär, Nilgans oder Nutria. Andererseits geht die Zahl einzelner, heimischer oder heimisch gewordener Tierarten wie Rebhuhn, Fasan oder Feldhase im Landkreis Ludwigsburg deutlich zurück. Große Raubsäuger wie Luchs oder Wolf sind im Landkreis Ludwigsburg noch nicht wieder heimisch geworden.

Wie sieht es bei der Populationsentwicklung von Fuchs, Marder, Waschbär und Wildschwein aus? Immer wieder ist zu hören, dass diese sich näher an die Wohnbebauung trauen und Schäden anrichten.

Die Populationsentwicklung von Fuchs, Waschbär und Wildschwein kann man indirekt aus der Jagdstatistik ableiten. Die Bestände von Fuchs, Waschbär und Wildschwein nehmen trotz teilweise starken Schwankungen tendenziell zu. Der prozentuale Anstieg ist beim Waschbär am höchsten. Für  Marder liegen kaum verwertbare Zahlen vor.

Wie steht es um die Schäden?

Was die Entwicklung von Schäden und Sichtungen anbelangt, liegen kaum belastbare Zahlen vor. Tendenziell kann man davon ausgehen, dass durch wachsende Populationen auch Schäden (hier vor allem in der Landwirtschaft) und Sichtungen zunehmen. Meldungen über Wildschweine, die beispielsweise Hausgärten durchwühlen, sind uns aktuell aber keine bekannt. Es gibt jedoch jährlich zahlreiche Anfragen zum Umgang mit Mardern in Wohnhäusern.

Wie soll man sich verhalten wenn man draußen auf Wildschweine, Füchse und Co. trifft?

Meistens haben die Wildtiere den Menschen bereits wahrgenommen und ziehen sich zurück, bevor dieser sie sieht. Sollte man trotzdem auf ein Wildtier treffen, zieht man sich am besten ruhig zurück, hält dem Wildtier eine Fluchtmöglichkeit offen und füttert es nicht. Es bietet sich in solch einem Fall an, den Wildtierbeauftragten zu informieren, um abzuklären, ob das Verhalten des Wildtieres ungewöhnlich war (zum Beispiel wegen Verletzung, Krankheit, Paarungs- oder Aufzuchtzeit).

Was kann man tun, um seinen Garten zu schützen?

Wildtiere darf man aktiv vertreiben oder vergrämen, ohne ihnen dabei aber einen Schaden zuzufügen (siehe Infokasten). Jedoch gibt es besondere Zeiträume im Jahresverlauf, in denen Wildtiere nicht gestört werden dürfen, zum Beispiel in der Setz- und Brutzeit zwischen dem 15. März und 15. Juni. Auch die allgemeine Schonzeit nach dem Jagdgesetz in den Monaten März und April gilt es zu beachten.

Wie sollte man sich rund um sein Haus verhalten, um möglichst keine Tiere anzulocken?

Wildtiere suchen im menschlichen Siedlungsgebiet nach Nahrung und Lebensraum (insbesondere Brut- und Aufzuchtstätten). Wenn man keine Wildtiere in und um sein Haus möchte, dann sollte man möglichst keine Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten anbieten.

Was kann man tun, wenn sich Wildtiere auf dem Grundstücke einnisten?

Hierfür können sich Bürger des Landkreises an den Wildtierbeauftragten (Telefon 07141/14 44 23 49) wenden. Gemeinsam kann festgelegt werden, welche Maßnahmen (Alternativangebote, Vergrämung, Fang oder Aussperrung) zu welcher Jahreszeit erlaubt und zielführend sind.

Wie sieht es mit der Population der Wildvögel aus? Raten Sie, Wildvögel im Winter zu füttern?

Hier muss man unterscheiden zwischen Wildvögeln nach dem Jagdgesetz, wie etwa einige Enten- und Gänsearten. Diese dürfen nicht gefüttert werden. Gegen ein Futterhäuschen im  Hausgarten/Balkon für Amsel, Spatz oder Meise – auch ganzjährig – ist nichts einzuwenden. Generell kann man diesen Vogelarten auch helfen, indem man in einem Teil des Gartens  eine Wildblühmischung bewusst „verwildern“ und über den Winter stehen lässt oder eine mehrjährige Blühmischung einsät. Hier können die Winterstadien von Insekten überwintern und stehen im Frühjahr dem Vogelnachwuchs als proteinreiche Nahrung zur Verfügung.

So bleiben Wildtiere auf Abstand


Diese Maßnahmen helfen laut dem Wildtierbeauftragten Michael Zerrweck gegen Wildtiere:
Sie sollten nicht durch Nahrungs- oder Unterschlupfangebote angelockt werden. Außerdem könne man sie beispielsweise mit einem „Duftzaun“ abhalten. Dabei handele es sich um ein Wildvergrämungsmittel mit einem für Wildtiere unangenehmen Geruch. Wildtiere dürfen aber auch aktiv vertrieben werden mit Geräuschen oder einem Wasserstrahl.

Wilddichte Zäune können Wildtiere abhalten. Je nach Wildart ist eine bestimmte Höhe oder Eingrabtiefe nötig. Der Zaun muss so beschaffen sein, dass sich darin keine Wildtiere verfangen oder verletzen können. Meist stehen solchen Zäunen jedoch baurechtliche Regelungen entgegen, meint Michael Zerrweck. Mit einem Elektrozaun könne man für einen begrenzten Zeitraum Kulturen wirksam schützen, die eine hohe Anziehungskraft auf Wildtiere haben.

Grundsätzlich sollten Bürger laut Zerrweck vermeiden, dass Wildtiere die Scheu vor dem Menschen verlieren. So rät er davon ab, Katzenfutter oder erreichbares Vogelfutter im Freien anzubieten. Komposthäufen sollten abgedeckt werden und darauf keine hochwertigen Speisereste (Fleisch, Eier, Brot oder Milchprodukte) zu finden sein. Außerdem rät der Wildtierbeauftragte, Fallobst im Garten aufzusammeln, wenn man keine Wildtiere anlocken wolle. fr