Der Raser-Prozess in Stuttgart ist erst vor Kurzem in der ersten Instanz zu Ende gegangen, wirft aber die Frage auf, wie groß das Problem eigentlich im Landkreis Ludwigsburg ist. Die BZ fragt beim Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums nach. Dieses ist auch für die Autobahnen in der Region zuständig.

Herr Widenhorn spielt die Raser-Problematik auch im Bereich des Polizeipräsidiums Ludwigsburg derzeit eine Rolle?

Peter Widenhorn: Eine Rolle spielt diese Problematik sicherlich, denn entsprechendes Fahrverhalten birgt immer ein hohes Gefährdungspotential.

Seit 2017 gibt es mit dem Paragrafen 315d im Strafgesetzbuch eine neue Vorschrift, die explizit Autorennen verbietet. Wie viele Verfahren hat das Polizeipräsidium seither in dem Zusammenhang eingeleitet?

Ich kann derzeit nur die Zahlen für 2019 liefern: Seit Jahresbeginn wurden im Kreis Ludwigsburg elf Ermittlungsverfahren wegen Verdacht des Verstoßes gegen Paragraf 315d eingeleitet. In sieben der elf Fälle konnten Tatverdächtige ermittelt werden.

Gibt es eine Raser-Szene im Landkreis?

Eine Raser-Szene mit entsprechenden Strukturen ist im Kreis Ludwigsburg nach unseren Erkenntnissen nicht vorhanden.

Wo finden diese Rennen schwerpunktmäßig statt?

Schwerpunkte in diesem Zusammenhang sind nicht erkennbar.

Wie geht die Polizei gegen Raser vor?

Verdachtsmeldungen auf mögliche illegale Kraftfahrzeugrennen gehen in der Regel von anderen Verkehrsteilnehmern (etwa von der Autobahn) oder auch von Anwohnern ein. Die Polizei geht diesen Hinweisen natürlich sofort nach, aber bei Eintreffen einer Streifenbesatzung sind mögliche Beteiligte meistens nicht mehr vor Ort. Wir sind dann auf Zeugenhinweise angewiesen, die weitere Ermittlungen ermöglichen. Dazu gehören beteiligte Fahrzeuge, Kennzeichen, Personenbeschreibungen.

Gibt es personelle Überschneidungen von Posern und Rasern?

Poser und Raser grundsätzlich in eine Schublade zu stecken, wäre nicht richtig. In der Tuningszene ist es meist die Freude an der Aufwertung von Optik und Motorleistung, die die Mitglieder antreibt. Dazu gehört auch das mitunter lautstarke Präsentieren der Fahrzeuge,  nicht aber das Rasen. Einzelne Überschneidung kann man aber nicht ausschließen.