Die Nachfrage bei unseren Patientinnen war groß. Gut 80 Prozent der Frauen haben es eingefordert“, sagt Dr. Jens-Paul Seldte, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Gynäkologie am Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen. Die Rede ist von Naturheilkunde.

Das Brustzentrum, das die Kliniken Bietigheim-Vaihingen und Ludwigsburg gemeinschaftlich betreiben, das bösartige Brusterkrankungen behandelt, wird um das Kompetenzzentrum für Integrative Medizin, das bisherige Verfahren moderner Schulmedizin mit Naturheilkunde ergänzt, erweitert. „Ich glaube an den Erfolg der Sache“, sagt Professor Dr. Wolfgang Heyl, Ärztlicher Direktor der Klinik für Frauenheilkunde und Gynäkologie im Klinikum Ludwigsburg. Die beiden Ärzte haben sich zusammengetan, eine Ausbildung in Naturheilverfahren absolviert und „sitzen nun mit dem Schwert in der Hand auf dem Pferd“, wie Heyl sagt.

Immanuel Krankenhaus Berlin als Vorbild

Als Vorbild dient die Abteilung für Naturheilkunde des Immanuel Krankenhauses Berlin, das sei das Leuchtturm-Projekt Deutschlands. Vor zwei Jahren hätten die beiden Ärzte gemeinsam mit dem RKH-­­
Kliniken-­Geschäftsführer Professor Dr. Jörg Martin Kontakte mit dem dortigen Chefarzt Professor Dr. Andreas Michalsen, der zugleich Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist, geknüpft. Nach dem dort erfolgreichen Modell wollen es die Ärzte auch im Kreis anbieten. „Wir wollen die Schulmedizin weiter voranbringen und sehen Naturheilkunde als tolle Ergänzung“, sagt Seldte. Hebammen etwa hätte schon immer gute Erfahrungen mit Naturheilkunde gemacht, so der Ärztliche Direktor. Das Kompetenzzentrum soll in drei Schritten aufgebaut werden. Der erste laufe bereits: Eine Sprechstunde für die onkologischen Patientinnen des Brustzentrums. Dabei werde ein ganzheitliches Konzept verfolgt, so könne eine individuelle Therapie entwickelt werden. Im Team, aber auch von Seiten der Patientinnen bekommen die beiden Ärzte „tolle Resonanz“, wie sie sagen.

Der zweite Schritt ist eine Tagesklinik in Ludwigsburg. Das sei ein Probeangebot, das aktuell von einer ersten Gruppe getestet wird. Die Klinik steht unter der Leitung der Diplom-Psychologin Frauke Birkenfeld vom Klinikum Ludwigsburg, die gerade in Essen eine Fortbildung in Mind-Body Medizin (MBM) mache. MBM zielt auf die Stärkung einer gesundheitsförderlichen Gestaltung des Lebensalltags ab. Die Wurzeln liegen unter anderem in den Ergebnissen der Stressforschung. Und eben darum geht es in der Tagesklinik. Es werden zwölf Ganztagskurse in zwölf Wochen angeboten. Inhaltlich geht es um, Entspannungsübungen, gesunde Ernährung, ebenso Hilfe zur Selbsthilfe, beispielsweise sich selbst zu Hause Senfheilbäder einzulassen oder Aufgüsse aus der Kneip’schen Therapie durchzuführen. Es geht darum, den Lebensstil nachhaltig zu ändern und gesundheitsförderlich zu gestalten. Alles nur esoterischer Schnickschnack? Mitnichten, sagt Heyl. „Studien belegen, dass etwa Yoga messbar gegen Fatigue (Erschöpfungssyndrom) und depressive Verstimmungen nach einer Chemotherapie hilft.“ Auch nehme das hiesige Zentrum für Integrative Medizin an einer Studie teil, die Fasten kurz vor und nach einer Chemotherapie untersucht. Die Verträglichkeit soll verbessert, die Wirksamkeit gesteigert werden. Die Studie werde in der Charité durchgeführt und neben Freiburg sei Ludwigsburg der einzige weitere Teilnehmer. Homöopathie gehört übrigens nicht zur klassischen europäischen Naturheilkunde, die fünf Säulen hat: Ernährungs-, Bewegungs-, Hydro-, Phyto- und Ordnungstherapie.

Ziel und Wunsch

Der dritte Schritt, und das Ziel von Seldte und Heyl ist, eine stationäre Abteilung einzurichten, um interdisziplinär naturheilkundlich zu therapieren. Bislang sei der Wunsch der Patienten nach Naturheilkunde im onkologischen und gynäkologischen Bereich am größten gewesen, die RKH sei jedoch offen, das Angebot auf weitere Abteilungen auszuweiten, sagt Matthias Ziegler, Regionaldirektor der Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim.

Aktuell sei das Kompetenzzentrum für Integrative Medizin auf Selbstkosten kalkuliert, so Ziegler. Noch ist das alternative Angebot privat zu bezahlen. „Unser Wunsch ist, das als Kassenleistung anzubieten“, so Heyl. Wenn Erfahrungen gesammelt seien und die Kalkulation stehe, werde man auf die Krankenkassen zugehen. In Berlin und Essen ist die ganzheitliche Behandlung bereits Kassenleistung.

Info Die Anmeldung zur Sprechstunde für Integrative Medizin ist möglich unter Telefon (07142) 7 95 52 05 oder (07141) 9 96 76 40. Eine Sprechstunde kostet 79,03 Euro.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz