Schwerpunkt Integration Integration in der Hotelküche

Kreis Ludwigsburg / Andreas Lukesch 04.08.2018

Wie funktioniert die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in der beruflichen Praxis? Es sind nicht nur Akademiker und ausgewiesene Fachkräfte mit ausländischen Wurzeln, wie etwa Alten- und Krankenpfleger, die in der heimischen Wirtschaft händeringend gesucht werden und deren Integration die Wirtschaftsverbände seit Langem forden. Auch niedriger Qualifizierte – und verstärkt auch Flüchtlinge – sind für unterschiedliche Wirtschaftszweige interessant.

Das Hotel- und Gaststättengewerbe gehört seit vielen Jahren zu den Branchen mit einem hohen Anteil an Mitarbeitern, die keinen deutschen Pass besitzen. Auf 40 Prozent beziffert Daniel Ohl, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Baden-Württemberg, die Zahl der Menschen, die landesweit in Restaurants, Gaststätten und Hotels arbeiten und nicht die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen – bei einer Gesamtzahl von insgesamt 132 000 Beschäftigen in Baden-Württemberg, Tendenz steigend (2017 waren es noch 128 000 Beschäftigte).

„Das Hotel- und Gaststättengewerbe ist die Branche mit den höchsten Beschäftigungszuwächsen, und wir brauchen noch viel mehr Personal. Denn wir sind auch eine personalintensive Branche im Wettbewerb mit anderen Dienstleistern“, erklärt Ohl auch das Phänomen, warum viele Betriebe darüber klagen, nicht ausreichend Bewerber für Service und Küche zu finden – von Auszubildenden ganz zu schweigen.

Fester Bestandteil

Ausländische Beschäftigte sind demnach seit vielen Jahren fester Bestandteil innerhalb der Hotel- und Gastronomie-Belegschaften. „Integration hat in vielen Betrieben Tradition“, betont Ohl und verweist auf überwiegend positive Erfahrungen mit  Beschäftigten, die ausländische Wurzeln haben.

Die Betriebe seien offen gegenüber Menschen aus anderen Ländern und Kulturkreisen. Und nicht zuletzt deshalb auch prädestiniert für die Beschäftigung von Flüchtlingen. 2017 waren laut Dehoga etwas mehr als 2500 Menschen aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan, Eritrea oder Somalia in baden-württembergischen Gastronomiebetrieben beschäftigt – eine überschaubare Zahl, aber auch schon eine relevante, wie Ohl anmerkt.

Bürokratie und Sprache

Es könnten aber noch viel mehr sein, wenn nicht auch im Gaststättengewerbe die Arbeitgeber auf der einen und die Flüchtlinge auf der anderen Seite mit den aus allen Branchen bekannten Problemen zu kämpfen hätten. Die Sprachbarriere, der bürokratische Aufwand und nicht zuletzt Ungewissheiten bezüglich des Bleibestatuts’ lassen so manches Beschäftigungsverhältnis platzen oder erst gar nicht zustande kommen. Dabei gebe es in einem Hotel oder Restaurant durchaus auch Jobs, in denen fließendes Deutsch nicht zwingend notwendig sei, sagt der Dehoga-Sprecher.

Auch Julia Fuchs, Sprecherin der Handwerkskammer Region Stuttgart, kennt die Besonderheiten, die die Beschäftigung von Flüchtlingen mit sich bringen. 200 Handwerksbetriebe in der Region bilden laut der Kammer mittlerweile Geflüchtete aus. Überwiegend sind dies laut Julia Fuchs Unternehmen im Lebensmittelhandwerk.

Wie in der Gastronomie funktioniert die Integration ganz unterschiedlich. „Die nicht vorhandenen Sprachkenntnisse sind grundsätzlich ein Problem“, sagt die Kammersprecherin. Aber da, wo die Betriebe die Hürden überwinden, „klappt es super“.

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