Den Drogeriemarkt gibt es schon lange nicht mehr. Auch der Metzger verkauft keine Wurst- und Fleischwaren mehr. Jetzt schließt auch der Supermarkt im Einkaufszentrum auf der Hohenstange. Vor allem die älteren Mitbürger des in den 1970er-Jahren gewachsenen Tammer Wohngebiets sind verzweifelt, denn außer beim noch verbliebenen Bäcker können sie kaum mehr Lebensmittel des täglichen Bedarfs fußläufig einkaufen.

„Diese Entwicklung ist für uns sehr bedauerlich und die wollen wir so auch nicht hinnehmen“, betont Tamms Bürgermeister Martin Bernhard, der von der Schließung des „Treff 3000“-Supermarkts zum 6. Juli dieses Jahres ebenso überrascht wurde. Am 25. Juni bekam die Gemeindeverwaltung Post von Edeka Südwest, unter deren Dach die „Treff 3000“-Marken-Discounter zusammengeschlossen sind.

Schließung zum 6. Juli

„In diesem Schreiben wurde uns mitgeteilt, dass der Lebensmittelmarkt auf der Hohenstange zum 6. Juli schließt. Schon am 19. Juni hatten mich die Vertreter von Edeka versucht telefonisch zu erreichen, aber ich war zu der Zeit im Krankenstand. Diese Entscheidung hat mich sehr verwundert. Wo bleibt da die soziale Verantwortung?“, fragt sich der Tammer Rathauschef. Schon vor rund zwei Jahren hatte er sich bei der Edeka Südwest-Konzernleitung nach der weiteren Entwicklung des Lebensmittelmarkts auf der Hohenstange erkundigt. „Damals wurde mir mitgeteilt, dass der Markt schwarze Zahlen schreibt, und ich keine Angst vor einer Schließung haben müsse. Sogar von Sanierungsplänen in den Räumen des Marktes hatte ich gehört“, berichtet Bernhard.

Davon erwähnt Florian Heitzmann, Pressesprecher der Edeka Handelsgesellschaft Südwest in Offenburg, in seiner Stellungnahme auf Nachfrage der BZ nichts. Bereits im vergangenen Jahr habe Edeka Südwest die strategische Entscheidung getroffen, sich auf die Kernkompetenz Vollsortiment zu konzentrieren und die Discounter-Marke oder Vertriebsschiene „Treff 3000“ nicht weiterzuführen, so Heitzmann. Rund 80 Märkte seien schon im Sommer 2018 an die Edeka-Tochter Netto übergeben worden. Dies seien die Hälfte aller „Treff 3000“-Filialen. Weitere 40 Märkte seien bereits oder würden gerade noch umgebaut. Diese sollen mit einem neuen Nahversorgerkonzept, teilweise von selbstständigen Kaufleuten des Verbunds betrieben, oder mit einem neuen Drogeriemarkt-Konzept wiedereröffnet werden. „Märkte, die sich zum Beispiel in Bezug auf die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen für keine dieser Möglichkeiten eignen, darunter der Markt in Tamm, werden ab Anfang Juli nicht weiterbetrieben“, macht Heitzmann deutlich.

Doch dies will Bürgermeister Martin Bernhard so nicht hinnehmen. In der kommenden Woche will er sich mit den Vertretern der „TreMa“-Immobilien Management Gesellschaft aus Ludwigshafen zusammensetzen, welche die rund 320 Anleger eines Investmentfonds vertritt, die Eigentümer des gesamten Einkaufszentrums auf der Hohenstange sind. „Uns ist an einem stimmigen Gesamtkonzept gelegen, das zukunftsfähig ist. Der gesamte Gebäudekomplex sollte auf seine Statik hin überprüft werden, sodass es vielleicht möglich ist, mehrere Räume zusammenzufassen, um die Verkaufsfläche eines neuen Lebensmittelmarkts zu vergrößern“, erläutert Bernhard.

Derzeit hat der „Treff 3000“-Markt eine Verkaufsfläche von rund 423 Quadratmetern mit einer Nebenfläche von 293 Quadratmetern.

„Ich habe auch Kontakte zu anderen Anbietern geknüpft. Es gibt inzwischen zudem Untersuchungen, dass auch der Mitarbeiterschaft eventuell jemand den Markt mit einem Anbieter im Hintergrund weiterführt. Aber noch ist nicht klar, wie das Ergebnis der Untersuchungen ausfällt“, unterstreicht der Tammer Bürgermeister.

Die acht Mitarbeiter schweigen

Die bis zu acht Mitarbeiter der „Treff 3000“-Filiale auf der Hohenstange selbst wollen sich zu ihrer Zukunft nicht öffentlich äußern. Edeka Südwest-Pressesprecher Heitzmann verweist darauf, dass die betroffenen Mitarbeiter am 18. Juni in einer Informationsveranstaltung über die Schließung unterrichtet worden seien. „Mitarbeiter von Märkten, die nicht weiterbetrieben werden, unterstützt Edeka Südwest dabei, eine Beschäftigung in anderen Märkten des Verbunds zu finden. Sollte dies nicht möglich ein, sollen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden“, so Heitzmann.

Die Bürger auf der Hohenstange jedenfalls setzen jetzt ihre Hoffnungen darauf, dass Bürgermeister Bernhard mit den Vertreten der Eigentümer- und Verwaltungsgemeinschaft sowie einem möglichen neuen Anbieter ein schlüssiges Konzept für die Nahversorgung auf der Hohenstange findet.