Freiberg / Günther Jungnickl  Uhr

Bereits im Oktober 2010  fasste der Freiberger Gemeinderat den Grundsatzbeschluss, das Stadtzentrum aus den 1970er Jahren total umzukrempeln. Seit April 2019 wird an der Oscar-Paret-Schule (OPS) mit neuer Sporthalle gebaut.

„Die OPS ist die treibende Kraft“, sagt dann auch Bürgermeister Dirk Schaible mit sichtlichem Stolz. Denn in der Tat setzt Freiberg mit dieser 80-Millionen-Investition, der größten in ihrer Geschichte, ein deutliches Zeichen. Nur das Rathaus, das Bürgerzentrum „Prisma“ und das Hallenbad nebst dem Restaurant „Schwabenstuben“ und einige Geschäfte dürften dann noch stehen.

Der Grund für die dringend nötigen Veränderungen waren die Klagen von Bürgern, dass ab den Nachmittagen das Stadtzentrum teilweise wie ausgestorben wirkte. Weil dann die OPS-Schüler fehlten und die Kaufläden mehr oder minder zu unattraktiv waren, um Kundschaft anzulocken. Zumal die Konkurrenz der nahen Einkaufstädte Ludwigsburg, Bietigheim-Bissingen oder auch im  „Breuningerland“ nicht schlief. Aber auch das Wohnungsangebot im Stadtzentrum ließ zu wünschen übrig. Also überlegten sich der Gemeinderat  auch da ein Konzept, wie durch zusätzlichen Wohnraum das Zentrum attraktiver zu machen sei.

So  wurde ein Einzelhandelsgutachten bestellt und der Architekt und  Stadtplaner Professor Jörg Aldinger (Remseck) mit der Planung eines attraktiveren Stadtmittelpunkts beauftragt – allerdings nur unter bürgernaher Begleitung. Deshalb  hat der Freiberger Gemeinderat am 22. Mai 2012 die Gründung eines „Initiativkreises FaNmitte“ beschlossen, der auch die „1. Zukunftswerkstatt Stadtzentrum“ mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern veranstaltete. Professor Aldinger stellte in einer Gemeinderatssitzung vom Februar 2014 die Empfehlungen aus dieser „Bürgerwerkstatt“ vor und das Gremium erneuerte Ende Mai des gleichen Jahres seinen Beschluss zur grundlegenden Sanierung des Zentrums.

Die Idee, die Professor Aldinger dabei einbrachte, war die von den „Fünf Höfen“, die später in „Fünf Plätze“ (also Begegnungsstätten oder Treffpunkte) umbenannt wurden. Neben dem Neubau der Oscar-Paret-Schule, die sämtliche weiterführenden Schulen (Gymnasium, Realschule, Gesamtschule) unter einem Dach vereint, sollten drei mehrgeschossige Punkthäuser gebaut werden und das Geschäftsangebot erheblich ausgeweitet werden. Denn im Laufe der Zeit hatte sich ergeben, dass inzwischen auch einige tatsächliche „Leerstände“ (Bürgermeister Schaible) zu verzeichnen waren.

Kürzere Zyklen

Sowohl  der Bürgermeister als auch sein Erster Beigeordneter Stefan Kegreiß (der mittlerweile auch das Baudezernat übernommen hat) weisen darauf hin, dass es notwendig geworden sei, inzwischen in „kürzeren Zyklen zu denken“, was die Bautätigkeit betrifft. Allein die „energetischen Defizite“ von öffentlichen Gebäuden seien gravierend. Bis zum Jahr 2024 sollen sowohl die OPS als auch die Sporthalle fertig sein. Wurde noch am alten Zentrum bis ins neue Jahrhundert (Prisma-Fertigstellung) noch fast 30 Jahre lang gebaut, sind es heutzutage  lediglich noch zehn oder elf Jahre.

Wenn auch noch die Überdeckelung der Autobahn A81 mit Wohnraum möglich wird, hat Bürgermeister Schaible folgendes Konzept im Hinterkopf: Dann war die Schaffung des Stadtzentrums 1.0, der Neubau für die OPS 2.0, die neue Sporthalle 3.0 und die Überdeckelung der Autobahn mit mehrstöckigen Wohnraum die 4.0. „Denn wer schafft schon auf diese Art neue Grundstücke?“ fragt der Schultes. Allerdings sind dafür finanziell stabile Verhältnisse in der Stadtkasse notwendig.