Auch Menschen mit Behinderung reisen gerne. Sie haben dabei die Schwierigkeit, ein barrierefreies Reiseziel zu finden. Allein die Suche nach geeigneten Unterkünften, ist für sie eine Herausforderung. Wo für reiselustige Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung Hürden im Tourismus sind und welche Lösungen es gibt – das war das Thema der vierten Inklusionskonferenz im Landratsamt Ludwigsburg.

Eingeladen zur Veranstaltung „All inclusive? Die Welt des Reisens und Tourismus“ hatten Landrat Dr. Rainer Haas und der ehrenamtliche Behindertenbeauftragte des Landkreises, Dr. Eckart Bohn. Gekommen waren Fachleute aus dem Kreis Ludwigsburg und den benachbarten Landkreisen, die bereits Erfahrung mit der besonderen Art des Reisens gemacht haben oder auf der Suche nach Ideen waren.

Eine Frage des Wollens

Menschen mit Behinderung oder auch Senioren mit altersbedingten Einschränkungen ein touristisches Angebot zu machen, das ist eine Frage des Wollens, berichteten Teilnehmer. Nach dem Motto: Wo ein Wille ist, da ist auch ein barrierefreier Weg. Katrin Held ist Stadtführerin in Besigheim. Sie ist mit dem Thema erstmals konfrontiert worden, als unter einer angemeldeten Besuchergruppe unangekündigt eine Rollstuhlfahrerin war. Ihr Ehrgeiz war, die Frau nicht auszuschließen, sondern die gesamte Gruppe durch die historische Altstadt zu führen. Sie improvisierte. Helfer trugen den Rollstuhl Treppen auf und ab.

Inzwischen bietet sie „Inklusive Stadtspaziergänge“ über barrierefreie Wege an. Dazu gehört die „Einfache Sprache“. Das heißt, sie spricht in leicht verständlichen Sätzen. Sie sagt, von „Einfacher Sprache“ in einer Stadtführung profitierten auch ausländische Gäste mit geringen Deutschkenntnissen.

Inklusive Stadtrundgänge stehen ebenfalls im Touristikprogramm von Markgröningen. Antje Michaelis von der Habila GmbH sprach darüber. Das ist eine landesweite Einrichtung für Menschen mit einer Körper- oder geistigen Behinderung. In Markgröningen gibt es nicht nur eine große Niederlassung, sondern zudem eine Kooperation mit der Stadt im Touristikbereich. In der Touristikinformation arbeiten Menschen aus der Habila-Einrichtung. Bürgermeister Rudolf Kürner sprach über die positive Erfahrung, diesem Personenkreis einen inklusiven Arbeitsplatz anzubieten. Überhaupt sollten in der Tourismusbranche mehr behinderte Menschen beschäftigt werden. Darüber zeigten sich die Teilnehmer einig. Besonders aus der Hotellerie und Gastronomie gibt es zahlreiche Beispiele, wie auch Menschen mit geistiger Behinderung gute Arbeit leisten.

Noch viel zu tun

Ansonsten, so die allgemeine Feststellung am Ende der Inklusionskonferenz, gibt es noch viel zu tun, den Tourismus inklusiv zu machen. Das beginnt bei den Internetauftritten für die Reiseplanung. Barrierefreie Hotels und Restaurants zu finden, sei wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen, berichteten Betroffene. Einen Menüpunkt „Barrierefreiheit“ einzurichten, sei ein erster guter Schritt.

Info Bei der VHS in Bietigheim-Bissingen, Hauptstraße 79, gibt es am Samstag, 7. Dezember, von 10 bis 13.30 Uhr für beratend Tätige, Erzieher und alle Interessierten der „Einfachen Sprache“ einen Vortrag mit der Kursnummer: 19B661306. Die Teilnahme kostet 15, ermäßigt 15 Euro.