In dieser Woche hat zum neunten Mal die „Woche für Menschen mit Behinderungen“ der Bundesagentur für Arbeit stattgefunden. Der auf Hemden spezialisierte Bekleidungshersteller Olymp mit Hauptsitz in Bietigheim-Bissingen beschäftigte in der Aktionswoche eine Praktikantin im Bereich der Lagerlogistik.

„Wir freuen uns, in Sachen Inklusion auch etwas tun zu können“, betont die Personalleiterin bei Olymp, Elke Feuerbacher. Dafür sei die Bundesagentur für Arbeit auf den Hersteller zugegangen. In dieser Woche bekam nun eine junge Frau die Möglichkeit in einen für sie geeigneten Beruf hineinzuschnuppern. „Früher haben wir solche kurzen Praktika für ein bis zwei Tage angeboten, nun jedoch auf eine Woche ausgeweitet“, erklärt Feuerbacher. „In dieser Zeit ist es, denke ich, möglich sich zu entscheiden, ob dieser Beruf und die Arbeit einem zusprechen.“

Entspannte Routine

Die Praktikantin Janine Rix ist 25 Jahre jung, kommt aus Karlsruhe und hat eine Hörbehinderung. In ihrer Heimat hat sie eine dreijährige Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik absolviert. Aus privaten Gründen zog sie dann nach Stuttgart. „Am Montag ging mein Praktikum hier los“, erzählt Rix. „Ich bin in der Abteilung ‚Packen’. Dort muss ich über einen PC die Stückzahlen und die Größen beachten, die in ein Paket gehören.“ Außerdem dürfe sie Rechnung ausdrucken, Preisetiketten bekleben und Hemden einscannen. Schon in den wenigen Tagen entwickelte Rix eine entspannte Routine bei ihrer Arbeit. „Mir gefällt es sehr gut hier. Es macht mir großen Spaß und die Kollegen sind auch sehr nett.“

„Rund 80 Prozent der Schwerbehinderten weltweit haben ihre Behinderung erst im Laufe ihres Lebens erhalten“, weiß die Teamleiterin des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Ludwigsburg, Simone Lenz. „Dabei muss man sich auch stets selber fragen: Wie ist meine Haltung jemandem mit Behinderung gegenüber? Gerade Personen, die mit einer Behinderung in der Familie in Berührung kommen, gehen völlig anders damit um.“

Vorurteile abbauen

Viele Menschen, die Berührungsängste hätten, zögen sich zurück. Deutlich sei aber, dass Menschen mit Behinderung es gerade auf dem Arbeitsmarkt schwerer hätten.Oft fehle es an Schwerbehindertenbeauftragten, die Berührungsängste lindern könnten.

Janine Rix wurde in ihrer Praktikumswoche von dem Schwerbehindertenbeauftragen und Facility Manager Manuel Weißschuh begleitet. „Ja, es ist leider immer noch so, dass viele Arbeitgeber Angst haben“, weiß Weißschuh.

Eine weitere Schwierigkeit zeige sich auf Seiten der Betroffenen, weiß Elke Feuerbacher. „Einige stehen nicht zu ihrer Behinderung, weil sie Einschränkungen befürchten.“

Ihre Beeinträchtigung sieht Rix nicht als solche und geht sehr offen damit um. „Für mich ist das völlig normal.“ Sie habe auch Freunde mit Hörbehinderungen, und Berührungsängste erlebe sie nicht. „Hilfreich war sicher auch, dass ich als Kind einen ‚normalen’ Kindergarten besuchte.“ Am Freitag schaute sich Rix noch den Bereich „Krawatten“ genauer an. Mit ihrer dreijährigen Ausbildung konnte sie im Betrieb von Olymp sinnvoll und passend eingesetzt werden. Die Möglichkeit, dass das Praktikum zu einem Arbeitsverhältnis führen könnte, schließt Feuerbacher nicht aus.

Arbeitslosenquote von Schwerbehinderten


Die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit zeigen, dass die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten von 152 205 im Oktober 2018 auf 153 590 im Oktober 2019 gestiegen sind. Auch im Kreis Ludwigsburg ist ein leichter Anstieg zu erkennen: Waren es Ende 2018 noch 697 arbeitslose Menschen mit Schwerbehinderung, stieg deren Zahl dieses Jahr auf 797 an. Rund 66 Prozent davon machen Menschen ab 50 und älter aus. Rund 30 Prozent, also etwa 240 arbeitslose Menschen mit Behinderung, sind zwischen 25 und 49 Jahre alt. Im Vergleich dazu stehen die Zahlen der angestellten Schwerbehinderten. Die letzte Erhebung im Oktober 2017 verzeichnete 6291 Beschäftigte, die meisten sind in den Bereichen des verarbeitenden Gewerbes und der öffentlichen Verwaltung beschäftigt. dmb