Von den arbeitslosen Menschen mit Behinderung in Baden-Württemberg haben 54 Prozent eine abgeschlossene Berufsausbildung. Menschen mit Behinderung oder chronischer Erkrankung seien damit wertvolle Fach- und Arbeitskräfte, die dazu beitragen, die Fachkräftelücke zu schließen – auch in kleineren und mittleren Unternehmen. Darauf wies die Bundesagentur für Arbeit in einer Mitteilung hin.

Im Landkreis Ludwigsburg waren 6291 Menschen mit Behinderung in Unternehmen beschäftigt – 3559 Männer und 2741 Frauen. Die meisten von ihnen (2947) fanden eine Stelle in verarbeitenden Betrieben. 1000 arbeiten in Verwaltungen und Organisationen, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit.

In Baden-Württemberg seien derzeit 13 900 Menschen mit Handicap arbeitslos gemeldet, gut 40 Prozent hiervon sind Frauen. Nach aktuellem Stand beschäftigten in Baden-Württemberg fast 6000 Unternehmen trotz gesetzlicher Verpflichtung keinen Menschen mit Behinderung.

Folgende Argumente sprechen dafür, auch schwerbehinderte Menschen verstärkt in die Personalüberlegungen mit einzubeziehen: Die Arbeitnehmer seien qualifiziert. 54 Prozent hätten eine abgeschlossene Berufsausbildung. 86 Prozent der aktuell arbeitslos gemeldeten Menschen mit Behinderung seien 35 Jahre und älter und wiesen bereits entsprechende Berufserfahrungen auf.

Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben gezeigt, dass die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung in vielen Fällen zu einer Verbesserung des Betriebsklimas führe. Sie trage auch zu mehr Diversität und Inklusion in den Unternehmen bei.

Voll einsatzfähig

Viele Firmen achteten in ihrer Personalpolitik bereits heute auf den Umgang mit Vielfalt und setzen Beschäftigte nach ihren besonderen Stärken ein. Am richtigen Arbeitsplatz sei auch ein behinderter Mensch voll einsatzfähig, sagte die Geschäftsführerin Operativ der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, Martina Musati.

Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, auf wenigstens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Wer die Quote nicht erfüllt, muss eine Ausgleichsabgabe zahlen. Von 166 500 sogenannten Pflichtarbeitsplätzen waren nach dem letzten Stand in Baden-Württemberg 43 700 nicht besetzt. Die Beschäftigungsquote lag bei Schwerbehinderten mit 4,3 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Im Landkreis Ludwigsburg blieben von den Pflichtplätzen 1454 Plätze unbesetzt, das entspricht einer Ist-Quote von 5,3 Prozent.

Der gesetzliche Kündigungsschutz – auf dessen Einhaltung die Integrationsämter achten – halte manchen Arbeitgeber davon ab, Schwerbehinderte einzustellen. Dabei seien diese keineswegs unkündbar: In den ersten sechs Monaten eines Beschäftigungsverhältnisses oder bei vertragswidriger Pflichtverletzung greift dieser besondere Kündigungsschutz zum Beispiel nicht.

Finanzielle Unterstützung

Die Arbeitsagentur könne Arbeitgeber bei der Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen auch finanziell unterstützen. Im Land Baden-Württemberg stünden in diesem Jahr für die Förderung von schwerbehinderten Menschen und Rehabilitanden rund 340 Millionen Euro zur Verfügung, erklärte Martina Musati.