Gericht In Schlangenlinien auf der Autobahn unterwegs

Ingersheim / Heike Rommel 06.09.2018

Wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr hat das Ludwigsburger Amtsgericht einen 28-Jährigen aus Ingersheim zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und 18 Monaten Sperre für die Fahrerlaubnis verurteilt. Der einschlägig bekannte Autofahrer kam auf der Autobahn zwischen dem Kreuz Leonberg und Stuttgart-Feuerbach in Schlangenlinien daher.

1,4 Promille

Der Mann war am 30. Juni letzten Jahres im Ludwigsburger Stadtgebiet ohne Führerschein erwischt worden, und zwei Tage später, am 2. Juli gegen 2.45 Uhr, mit 1,4 Promille Alkohol im Blut auf der Autobahn zwischen Kreuz Leonberg und Stuttgart Feuerbach in Schlangenlinien gefahren. Was juristisch so viel hieß wie: „Ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen“.

Der türkischstämmige Angeklagte war laut Gerichtsakte lange Zeit wegen unbekannten Aufenthalts und per Haftbefehl gesucht. „Ich brauche einen Anwalt“, sagte der Beschuldigte vor Eröffnung der Anklage. „Das ist kein Fall für eine Pflichtverteidigung“, konterte Strafrichterin Koblinger. Vor dem Ludwigsburger Gericht gab der Beschuldigte dann zur Sache an, er sei in Arbeitsklamotten ohne Führerschein erwischt worden, und in Stuttgart hätte er eben nach der Arbeit etwas getrunken gehabt. Der Führerschein war allerdings zu den Tatzeiten schon längst beschlagnahmt.

Langes Strafregister

In seiner Verhandlung wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit im Verkehr saß der Angeklagte auch nicht als freier Mann, sondern als Insasse der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim, wo im Moment eine Ersatzfreiheitsstrafe gegen ihn vollstreckt wird. Zahlreiche Suchvermerke, unerlaubter Aufenthalt ohne Pass, mehrfacher Betrug, Trunkenheit im Verkehr und Unterschlagung bestücken sein Vorstrafenverzeichnis. Im Fahreignungsregister fand sich eine unanfechtbare Entziehung der Fahrerlaubnis vom Februar 2016, Bereits am 10. Juni letzten Jahres wurde er wieder mit einer Strafe belegt, weil er mitten in der Nacht mit 1,76 Promille in Stuttgart herum gefahren ist.

Eine Unterschlagung des Angeklagten kam bei der Gerichtsverhandlung jetzt nochmals auf den Tisch: Mit Erfahrungen als ehemaliger Fliesenleger fragte der Angeklagte einen Hotelbesitzer in Weinstadt-Endersbach, ob dieser die Renovierung von 15 Bädern an ihn vergibt. Der Angeklagte holte sich bei diesem Hotelbesitzer 2000 Euro bar für den Einkauf von Materialien ab, baute alle Waschbecken aus und ließ sich nicht mehr blicken, worauf ihm das Amtsgericht Waiblingen sechs Monate Haft auf Bewährung verpasste.

Dafür, dass der Ingerseheimer die 2000 Euro an den Endersbacher Hotelbesitzer zurück bezahlen muss, sorgte jetzt das Amtsgericht Ludwigsburg, als es dem Ingersheimer zu zehn Monaten Haft und noch einmal 18 Monaten Sperre für die Fahrerlaubnis für seine Verkehrsdelikte verurteilte. Damit er die Strafe auch spürt, muss der führerscheinlose Schlangenlinien-Fahrer 50 Stunden gemeinnützig arbeiten. Weitere Verfahren sind nach Informationen des Gerichts schon wieder am Laufen. Bei der Urteilsbegründung hielt es Richterin Koblinger für wahrscheinlich, dass „das Kartenhaus wieder zusammen fällt“ und der Ingersheimer trotz Bewährungshelfer erneut hinter Gitter muss. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

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