Als 1995 in Tamm die erste Bildungswerkstatt der Schiller-Volkshochschule des Landkreises Ludwigsburg eröffnete wurde, glaubte wohl niemand an den unaufhaltsamen Siegeszug dieser Idee. Inzwischen gibt es 23 solcher Werkstätten in 14 Städten und Gemeinden des Landkreises. Für mehr als 350 Menschen aller Couleur ist es der Versuch, ihre Allgemeinbildung auf den neuesten Stand der Wissenschaft zu bringen – also ein Akt der Selbstverwirklichung. Denn die Idee von dieser Art „studium generale“ stammt aus Kreisen der Frauenakademie, die eigentlich zur Vorbereitung der Wiedereingliederung von Frauen ins Berufsleben als Zielsetzung hatte.

Das Wunderbare an dieser Idee war, dass die Kursteilnehmer selbst die Themenkreise festlegen und auch profilierte Dozenten vorschlagen können. Den Rest besorgen die geschulten Mitarbeiter der Schiller-Volkshochschule. Wie zum Beispiel deren stellvertretende Leiterin Constanze Weis, eine gelernte Bauingenieurin, die im Zweitstudium Erwachsenenbildung kennen und lieben gelernt hat. Weshalb sie auch am 10. Oktober um 19 Uhr die Eröffnungsveranstaltung der  dritten Bildungswerkstatt in Freiberg leiten wird.

Wie breit die Interessen der Teilnehmer gestreut sind, beweist ein Blick in den Semesterplan der Freiberger Bildungswerkstatt III. Denn der reicht von der Politdiskussion „Bricht Europa auseinander?“ über „Einführung in die Philosophie der Antike“ bis hin zur „Faszination Bienenwelt“ des einstigen Berufspiloten und Hobbyimkers Gerd Molter oder einem Vortrag von Dr. Martin Schrempf  über „Die innere Uhr des Menschen“. Alle 15 Abendveranstaltungen dieses Semesters finden jeweils montags von 19 bis 21 Uhr statt. Von den 18 Plätzen ist noch die Hälfte unbesetzt; die Chancen stehen also gut, noch teilnehmen zu können.

Dagegen kann man sich in Bietigheim-Bissingen (drei Bildungswerkstätten) in zwei Werkstätten allenfalls auf die Wartelisten setzen lassen, in der Hoffnung darauf, dass bald eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer ausscheidet. Doch die Aussichten sind gering, weil die meisten  laut Constanze Weis halt doch „Wiederholungstäter“ und trotz Kursgebühren von 130 (abends) und 170 Euro (morgens, von 8.30 bis zehn Uhr und von 10.30 Uhr bis Mittag) von diesem Wissensangebot überzeugt sind.

Breit gefächert sind die Wissensgebiete, auf denen sich die Teilnehmer der Bildungswerkstätten tummeln: Geschichte und Politik, Philosophie und Naturwissenschaften, Literatur und Kunst sind die Wichtigsten. So erfährt man etwa in Bietigheims Bildungswerkstatt I (Bürgertreff Enzpavillon) in diesem Semester etwas über den Komponisten Richard Wagner und bedeutende Architekten, kann sich in Kunstgeschichte weiterbilden oder auch im Umgang mit Datenprogrammen und bereitet sich auf Exkursionen in die Stuttgarter Staatsgalerie vor und ins Haus der Geschichte.

Die Teilnehmer an den Bildungswerkstätten des Kreises sind laut Constanze Weis zwischen 45 und 85 Jahre alt und zum Teil auch noch berufstätig, weshalb die Abendveranstaltungen eingeführt wurden. Da sie überwiegend weiblichen Geschlechts sind, veranlasste Constanze Weis jetzt zu dem Stoßseufzer: „Wir brauchen noch mehr Männer in unseren Werkstätten.“ Dass in Freiberg eine dritte Bildungswerkstatt eröffnet wird, begründet sie damit, dass es dort besonders lange Wartelisten gab und die Stadtverwaltung in den Abendstunden geeignete Räumlichkeiten im Bürgerzentrum Prisma bereitstellen kann.

Drei Gruppen zu je 18 Teilnehmern gab es davor nur in Bietigheim-Bissingen und Kornwestheim, jeweils zwei noch in Marbach, Tamm und Vaihingen. Freie Plätze gibt es übrigens derzeit neben Freiberg auch noch in Besigheim, Bietigheim-Bissingen III, Freudental, Kirchheim, Kornwestheim III, Steinheim und Vaihingen II.