Ludwigsburg / Von Rafael Binkowski  Uhr

Eigentlich könnten sich Andreas Veit und Konrad Seigfried entspannt zurücklehnen: Die Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft Wohnungsbau Ludwigsburg (WBL) verzeichnen 2,3 Millionen Euro Gewinn, und die stadteigene GmbH wird in den kommenden fünf Jahren 500 Einheiten bauen, einen Großteil davon als Sozialwohnungen. Im Schnitt mit sieben Euro Kaltmiete pro Quadratmeter: „Das ist ein alternativloses Angebot in Ludwigsburg“, sagt Veit.

Und dennoch ist dies nur der oft zitierte Tropfen auf den heißen Stein. Den fieberhaften Anstieg der Immobilienpreise und Mieten in Ludwigsburg kann die Stadt mit ihrer Tochtergesellschaft nicht aufhalten, die gut 2200 Wohnungen verwaltet. „Es müssten deutlich mehr sein“, sagt Konrad Seigfried, der Vize-Bürgermeister und Co-Geschäftsführer der WBL. Er selbst hat einmal das Ziel ausgegeben, pro Jahr müssten in Ludwigsburg 500 neue Wohnungen entstehen.

Keine bezahlbaren Angebote

Davon ist man meilenweit entfernt. Die Preise explodieren, für den Mittelstand gibt es faktisch überhaupt keine bezahlbaren Angebote. Das zeigt auch der neueste Bericht des Gutachterausschusses: Demnach sind die Baulandpreise seit 2017 noch einmal um 13 Prozent angestiegen. Ein Reihenmittelhaus in Ludwigsburg kostet im Schnitt 760 000 Euro, das sind fast 200 000 Euro mehr als im Vorjahr. Bei Eigentumswohnungen stieg der Preis in einem Jahr sogar um 18 Prozent.

Die Notlage ist so groß, dass derzeit fast 1500 Menschen auf der Warteliste der Wohnungsbau Ludwigsburg für eine günstige Wohnung stehen. „Ein großes Problem sind Wohnungskündigungen wegen Eigenbedarfs“, sagt der WBL-Geschäftsführer Andreas Veit. Er nennt das Beispiel einer 62-jährigen Frührentnerin, die seit 20 Jahren in einer privaten, günstigen Wohnung lebe. Diese werde verkauft, die neuen Eigentümer kündigen. Wie findet sie jetzt eine bezahlbare Wohnung?

Tatsächlich findet sie diese in Ludwigsburg derzeit überhaupt nicht. „Da platzen Lebensentwürfe“, sagt Andreas Veit. Solche Notfälle gebe es zunehmend, die Wartezeiten für eine WBL-Wohnung sind lang. Dabei legt das kommunale Unternehmen derzeit ein Bauprogramm auf. Im Stadtteil Sonnenberg wurden 60 Wohnungen geschaffen, geplant sind auf dem Bima-Gelände in Grünbühl 107 Einheiten.

Und auf der Jägerhofkaserne entstehen weitere 150 Wohnungen. Es ist die letzte große Fläche in der Innenstadt, die als ehemaliges Kasernenareal noch reaktiviert werden kann. Dazu kommen die Baugebiete Schauinsland in Neckarweihingen und Fuchshof sowie kleine Arrondierungsflächen. Mehr geht nicht.

So bleibt nur, die Lücken zu schließen und weiter zu verdichten. Doch auch hier tun sich große Hindernisse auf. Etwa bei der Idee, einfach ein oder zwei Stockwerke auf bestehende Häuser zu setzen. Oder Dachgeschosse auszubauen. „Das sind Fantasievorstellungen“, sagt der WBL-Chef Andreas Veit. Oft gebe die Statik der Gebäude dies nicht her. Ein großes Problem ist auch der Brandschutz: Wird ein altes Haus umgebaut, muss für das gesamte Ensemble der Brandschutz auf den allerneuesten Stand gebracht werden: „Es gibt eine Fülle von Vorschriften, die das Bauen erschweren und verzögern.“

Hemmnisse abbauen

Deswegen appellieren Veit und Seigfried dann auch an Bund und Land, bürokratische Hemmnisse abzubauen. „Als es um die Flüchtlingsunterbringung ging, wurden die Vorschriften ausgesetzt“, sagt Andreas Veit, „warum sollte das jetzt nicht möglich sein, wo in der Region ein Wohnungsnotstand herrscht?“

Ungelöst ist auch der Konflikt mit drei privaten Bauunternehmen aus Ludwigsburg, die gegen die WBL vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart Klage erhoben haben. Sie wollen verhindern, dass das kommunale Unternehmen als Bauträger auftritt. Im September könnte es nach jahrelangem Tauziehen zu einer Verhandlung kommen. „Wir sind uns sicher, dass alles rechtlich korrekt ist“, sagt Konrad Seigfried. Die WBL sei schon seit Jahren als Bauträger aktiv – und benötige dies, um Sozialwohnungen zu subventionieren.