Müllvermeidung Im Kampf gegen Plastikmüll hilft Müllvermeidung

Verpackungsreste von Fertigmahlzeiten: Neben Plastikgeschirr und Plastikbesteck sollen auch Strohhalme aus Plastik verschwinden. Ein wirksames Mittel ist die Vermeidung von Plastikmüll.
Verpackungsreste von Fertigmahlzeiten: Neben Plastikgeschirr und Plastikbesteck sollen auch Strohhalme aus Plastik verschwinden. Ein wirksames Mittel ist die Vermeidung von Plastikmüll. © Foto: epd
Kreis Ludwigsburg / Uwe Deecke 13.08.2018

Brüssel macht Druck und will Plastikprodukte wie Einweggeschirr, Strohhalme und Wattestäbchen verbieten. Beim Landratsamt Ludwigsburg sieht man den jüngsten China-Importstopp für Müll auch als Chance.

 Deutschland exportierte den Plastikabfall bisher nach China, wo insgesamt 87 Prozent aller Plastikabfälle Europas landen. Seit Januar hat die Weltmüllkippe aber geschlossen: Anfang des Jahres gab es einen Importstopp für Plastikabfälle aus Gewerbe und Industrie, der erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Umweltpolitik hat. Ihn nun zu verbrennen anstatt zu recyceln, belastet die Umwelt in hohem Maße. Und vom echten Plastik-Recycling ist Deutschland noch weit entfernt, es fehlen dafür immer noch die passenden Anlagen.

Hier besteht auch für das Landratsamt Handlungsbedarf. Zwar sei gerade eine hochmoderne Sortieranlage des Abfallverwerters Suez bei Ölbronn im Bau, doch das sei noch nicht die Lösung, sagt Sprecher Markus Klohr. „Für Plastik- und Verpackungsmüll sind gesetzlich nicht die Kommunen zuständig sondern die Dualen Systeme Deutschland“, erklärt Klohr.

Das Mischsystem aus Dualem System und kommunaler Zuständigkeit zu verbessern, sei Ziel der neuen Verpackungsverordnung, die gerade geändert wird. „Wenn man sauber trennen will, müssten wir neue Mülltonnen schaffen“, so Klohr.

Gleichzeitig wachsen in der EU die Müllberge durch Plastiktüten, PET-Flaschen, Einweggeschirr und Lebensmittelverpackungen. Davon werden 95 Prozent nur ein einziges Mal verwendet und dann entsorgt, kritisiert die EU-Kommission. Sie will daher die Flut von Kunststoffabfällen eindämmen und bis zum Jahr 2030 deutlich reduzieren. Inzwischen wird von Brüssel auch eine Steuer ins Auge gefasst, um dem Problem Herr zu werden.

Die Idee einer Plastiksteuer, über die im Mai beraten wurde, hat zwei Ziele. Zum einen soll sie Müll reduzieren, zum anderen dazu führen, dass die EU mehr Geld einnimmt und die Mitgliedstaaten so weniger an Europa zahlen müssen. Ebenso will die EU-Kommission eine Kunststoffstrategie zur Vermeidung von Abfällen beschließen, die Landwirte, Lebensmittelproduzenten und selbst vermarktende Obstbauern betrifft. Erdbeerschalen aus Plastik, eingeschweißte Äpfel und Birnen oder plastikverpackter Wirsing könnten so bald der Vergangenheit angehören.

Für die AVL ergeben sich momentan noch keine Probleme. „Man kann den Importstopp aber auch als Chance verstehen“, so der Sprecher des Landratsamts. Weil der Abfall bisher nach China verschifft wurde, seien zwei Entwicklungen denkbar: Zum einen werde Reycling immer wichtiger und der Müll werde in Zukunft besser von den Partnern wie Suez sortiert werden. Über allem stehe die Abfallvermeidung, um den Müll erst gar nicht entstehen zu lassen.

Zum Thema Einweggeschirr gibt es in Bietigheim-Bissingen eine praktikable Lösung zur Müllvermeidung: Die Stadt stellt den Vereinen bei ihren Festen kostengünstig ein Spülmobil für normales Geschirr zur Verfügung. „Es ist ständig im Einsatz“, erklärt Anette Hochmuth, Leiterin des Presseamts der Stadt, auf Anfrage der Bietigheimer Zeitung. Nach ihrer Erfahrung gibt es kaum noch Feste mit Plastikgeschirr in der Stadt.

Keine Vorgaben für Plastik

Wenn es Veranstaltungen der Stadt selbst gibt, müssten die  Gastronomen den Müll entsorgen. „Wir machen keine Vorgaben“, so Hochmuth zur Verwendung von Plastikgeschirr.

Für Trinkhalme, die ebenfalls zu langjährigen Umweltproblemen werden, sind findige Gastronomen schon auf Ideen gekommen: Mancher serviert den Cocktail inzwischen mit Makkaroni-Trinkhalm, garantiert umweltfreundlich und brüsselfreundlich.

Fünf Minuten benutzt, 500 Jahre Müll

Einfaches Plastikbesteck wird nur fünf Minuten benutzt, bleibt aber noch 500 Jahre als Müll vorhanden. Allein in Europa fallen Schätzungen zufolge so jährlich rund 26 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Nur knapp 30 Prozent davon werden zur Wiederverwertung wie bei Flaschen gesammelt, die übrigen 70 Prozent landen auf Müllkippen, in Verbrennungsanlagen oder in der Umwelt. Und oft sammelt sich der Müll dann auf den Weltmeeren, wo Fische daran verenden. dee

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