Was hat der Laser mit dem IHK-Neujahrsempfang in Ludwigsburg gemeinsam? Mit dieser Frage hat der Präsident der IHK-Bezirkskammer Ludwigsburg, Albrecht Kruse, gestern Abend im Ludwigsburger Forum am Schlosspark seine Rede zum 60. Neujahrsempfang eröffnet. Kurz vor dem ersten IHK-Empfang 1961 in den USA erfunden, habe der erste funktionstüchtige Laser das Leben und Arbeiten bereichert – und werde dies künftig auch weiterhin tun.

Kruse gab einen Rückblick auf die wirtschaftliche Entwicklung: Im vergangenen Jahrzehnt sei es stets aufwärts gegangen. Angesichts der konjunkturellen Abkühlung wünschte Kruse den Unternehmen „dass es bald wieder bergauf geht und dass sie jetzt die richtigen Entscheidungen treffen“. Der IHK-Präsident sah vor allem die Betriebe der Automobilzulieferer, die Maschinen- und Werkzeugbauer gefordert: „Diversifizierung der Produktpalette lautet das Patentrezept, aber das muss man unter hohem Kosten- und Zeitdruck erst einmal gestemmt bekommen.“

Kruse rief zu Technologieoffenheit auf: „Die Verdammung hocheffizienter Verbrenner – vor allem neuester Dieseltechnologien, die gezielte Vernachlässigung hochperformanter synthetischer Kraftstoffe wie auch des Wasserstoffs, Lösungen mit höchster CO2-Effizienz, all das sollte eigentlich nicht nötig sein, wenn die Elektromobilität die beste Lösung ist.“

Der IHK-Präsident sprach sich dafür aus, Zielkonflikte im Bereich der Nachhaltigkeit durch Kooperation statt durch Konfrontation zu lösen. Viele Unternehmer hätten bereits umfangreiche Maßnahmen zur Emissionsreduzierung getroffen. Dies pauschal als „Greenwashing“ abzutun, schade der Sache. Die Unternehmer rief er dazu auf, sich die Folgen des wirtschaftlichen Handelns stärker bewusst zu machen.

Stillstand ist Rückschritt

Der Mangel an Fachkräften, fehlende Gewerbeflächen und bürokratische Restriktionen seien nur einige der Fragen, die Unternehmer derzeit bewegten, sagte Kruse: Sie „erwarten gerade jetzt, in den wieder schwierigeren Zeiten, dass sich die Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln am Standort spürbar verbessern.“

All dies müsse gelingen, „wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen“, betonte der IHK-Präsident. Wie bei der Laser-Erfindung und dessen Anwendungsentwicklung in den vergangenen  Jahrzehnten sei eines sicher: „Es muss immer weitergehen, Stillstand ist bekanntlich Rückschritt“.

Der Festredner, Zukunftsforscher Sven Gabor Jánszky, nahm die Zuhörer mit auf eine Zeitreise: „2030 – wie wir in der Zukunft leben und arbeiten werden“. Der Gründer und Leiter von „2b Ahead ThinkTank“, einem der größten unabhängigen europäischen Trendforschungsinstitute, hat Strategie-, Innovations- und Technologiechefs nach ihren Einschätzungen befragt und diese bewertet.

Es sei ein deutsches Missverständnis, dass Digitalisierung ausschließlich „etwas mit Apps“ zu tun habe, so der Forscher. Ob Klimawandel, Hunger oder Energiegewinnung: „wir waren technologisch noch nie so nahe dran, diese Probleme zu lösen“, sagte der Zukunftsforscher.

Dennoch stelle sich bei der Einschätzung künftiger Entwicklungen rasch die Frage, wer die Realität bestimme. Den Pessimisten stünden Optimisten gegenüber. Letztlich gebe es keine Wahrheit über die Zukunft.

In den nächsten zehn Jahren, so die Prognose des Forschers, werde der Quantencomputer bisherige Rechner ersetzen. Die umfassende Auswertung von Echtzeitdaten führe zu einer „predictive (vorausschauenden) Welt“. Eine Lieferung werde angekommen, bevor sie überhaupt bestellt worden sei, sagte Jánszky.

Ob bei der Früherkennung von Krebs durch Computer oder der vorausschauenden Verkehrslenkung: „Am Ende steht Verbesesrung“, sagte der Forscher. Es dauere nur noch rund 15 Jahre, bis es Herzen aus dem 3D-Drucker standardmäßig gebe, schätzt er. Bis das menschliche Hirn in einen Computer übertragen werden könne, würde noch etwas mehr Zeit vergehen. Der Körper eines Menschen werde künftig vielleicht mit 120 Jahren sterben, doch sein Geist könne durch den Rechner weiterleben. Jánszky: „Der erste unsterbliche Mensch lebt vielleicht schon heute.“

Über 3000 Teilnehmer bei Püfungen zur Aus- und Weiterbildung


Die IHK Region Stuttgart hat laut Präsident Albrecht Kruse 175 000 Mitgliedsunternehmen. 2019 habe das Team der  IHK Ludwigsburg im Bereich Existenzgründung, Nachfolge und finanzielle Gewerbeförderung rund 1400 zum Teil längere Beratungsgespräche geführt.

Im Bereich Außenwirtschaft habe das Team der Bezirkskammer rund 23 000 Außenhandelsdokumente geprüft, ausgestellt und bescheinigt, knapp zwei Drittel davon digital. Rund 6000 Anfragen zur Import- und Exportabwicklung seien beantwortet worden.

Bei Aus- und Weiterbildungsprüfungen habe es 3100 Teilnehmer gegeben. Mit insgesamt 1757 neuen Ausbildungsverträgen bewegt sich die IHK laut Kruse „weiterhin auf einem hohen Niveau“. Einem Plus bei den technischen Berufen stehe dabei ein Minus bei den kaufmännischen Berufe gegenüber. moc