Die Bundesregierung hat ein „Eckpunkte-Papier zur Fachkräfteeinwanderung aus Drittstaaten“ vorgelegt. „Insgesamt hat sich der Fachkräftemangel zu einem bedeutenden Risiko für die deutsche Wirtschaft entwickelt“, heißt es darin. Deshalb soll es Fachkräften erleichtert werden nach Deutschland zu kommen. Was sagen Handwerker, Industrie und Pflegebranche in der Region zu dem Vorstoß?

49 000 Gesellen fehlen

98 000 Fachkräfte fehlen laut IHK in der Region Stuttgart, davon allein 49 000 Gesellen. „Fast zwei Drittel der Betriebe in der Region sehen im Fachkräftemangel eine Gefahr für ihren Erfolg“, sagt Bernd Engelhardt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart. Das Eckpunkte-Papier der Bundesregierung sei ein weiterer, richtiger Schritt.

Erfreulich sei, dass es keine Beschränkung auf sogenannte Engpassberufe gibt. In der weiteren Ausgestaltung des Papiers wünsche sich die Wirtschaft ein modernes Zuwanderungskonzept, das über rein ausländerrechtliche Regelungen hinausgeht. „Um die Attraktivität Deutschlands zu steigern, wären in Ländern mit Fachkräftepotenzial mehr Standortwerbung, Sprach- und Kulturangebote sowie eine gezielte Fachkräfteakquise nötig“, fordert Engelhardt.

Kritik gibt es aber auch: Für Unternehmen mit Beschäftigten, die von Abschiebung bedrohte Asylbewerber sind, bringe das Eckpunkte-Papier offenbar wenig Chancen, gut integrierte Kräfte zu halten. Bei der Umsetzung der 3+2-Regelung, wonach während der Ausbildung und zwei Jahre danach nicht abgeschoben wird, gebe es noch Verbesserungsbedarf. So greife die Regelung nicht automatisch mit dem Beginn einer Ausbildung, sondern könne erst beantragt werden, wenn der Asylantrag abgelehnt worden sei, so Engelhardt.

Es ist gut, wenn die Politik in Deutschland zur Einwanderung nun klarere Regelungen macht. Deshalb sehen wir Handwerker das Eckpunkte-Papier grundsätzlich positiv“, sagt auch Kreishandwerkermeister Albrecht Lang. Immer weniger junge Menschen wollen laut Lang im Handwerk arbeiten. Nach seiner Einschätzung werden im laufenden Lehrjahr im Kreis etwa 250 Lehrstellen nicht besetzt werden können. „Daher brauchen wir eine Zuwanderung von jungen Menschen, die im Handwerk arbeiten können und möchten“, so Lang. Bisher sei es schwierig gewesen, etwa geflüchtete Personen ohne dauerhafte Aufenthaltserlaubnis anzustellen, weil es eine große Unsicherheit gegeben habe, ob die Leute bleiben können.

Aber nicht nur die Nachwuchsgewinnung soll besser werden: „Metzger, Bäcker oder die Stuckateure tun sich seit längerer Zeit schwer, gute Mitarbeiter zu finden. Aber auch Betrieb aus anderen Handwerksberufen sagen, dass sie derzeit Mitarbeiter einstellen möchten und keine geeigneten Bewerber finden. Das sind zum Beispiel die Schreiner oder die Zimmerer.“

Kompliziertes Verfahren

„Wir begrüßen das Eckpunkte-Papier, aber die Pflegebranche ist schon bevorrechtigt, was die Beschäftigung von Fachkräften aus Drittstaaten anbelangt“, sagt Bernhard Schneider, Geschäftsführer der evangelischen Heimstiftung. Wo Schneider noch Verbesserungsbedarf sieht, ist bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse. Ein einheitliches Verfahren und genau geregelte Vorschriften würden das aus seiner Sicht vereinfachen. Ein ganz wichtiger Punkt sei das Schaffen einer Willkommenskultur.

„Dass die Bundesregierung den rechtlichen Rahmen der Fachkräfteeinwanderung künftig bedarfsgerecht steuern und stärken möchte, ist zu begrüßen. Aus dem Eckpunktepapier geht für mich jedoch nicht hervor, wie mit den Fachkräften aus Drittstatten umgegangen wird, die bereits jetzt in Deutschland sind“, sagt Ulrich Achilles, Leiter des Johanniter-Hauses Pleidelsheim. Achilles sorgt sich um seine Auszubildende Nana K. aus Georgien, der die Abschiebung droht (die BZ hatte berichtet). Achilles bedauert, dass der sogenannte Spurwechsel weiterhin abgelehnt werde. „Nana K. droht nach wie vor die Abschiebung und sie hat wenig Hoffnung, dass sie als Asylsuchende anerkannt wird. Sie bleibt geduldet, solange die Ausbildung andauert, plus zwei Jahre nach Abschluss der Ausbildung“, so Achilles, der weiterhin auf eine Einzelfalllösung für Nana K. hofft.

Überschrift Infokasten einzeilig


Anlauf steht hier Text für einen dreispaltigen Infokasten. bz