Wenn die Revierförster Burkhard Böer von Sachsenheim und Bönnigheim sowie Axel von Bietigheim-Bissingen derzeit durch den Wald laufen, gehen ihre Blicke vor allem nach oben in die Kronen der Bäume. Zeigen sie gelbe bis rötlich gefärbte Schadstellen liegt deren Ursache meist in den klimatischen Bedingungen der vergangenen zwei Jahre.

Nicht nur im Sommer 2018 gab es viel zu wenig Niederschlag und zu lange Hitzeperioden, sondern auch schon im Jahr 2017 konnte sich der Wasserspeicher des heimischen Walds durch Regen nicht ausreichend auffüllen. „Dadurch haben wir im Moment mit fast allen Baumarten Probleme. Wir inspizieren den Wald, so oft es nur geht, um Schäden frühzeitig zu erkennen – obwohl wir gerade mitten in der Holzernte sind“, berichtet Böer, „bei bedecktem Himmel ist es jedoch keineswegs einfach, die Kronen genau in Augenschein zu nehmen. Das funktioniert nur bei Sonnenschein, denn manchmal sind schon einzelne Grün-Nuancen entscheidend für unsere Vermutungen, dass der Baum nicht mehr gesund ist.“

Sein Kollege Armbruster kämpft im Wald rund um Bietigheim-Bissingen vor allem mit den Schäden der Lärchenborkenkäfer, die im Vergleich zu den Vorjahren 2018 gehäuft aufgetreten sind. „Große Probleme bereiten die Lärchen-, aber auch die Fichtenborkenkäfer, die aufgrund der heißen und trockenen Witterung 2018 mehr Populationen als gewöhnlich bilden konnten. Gerade der Lärchenborkenkäfer tritt normalerweise kaum in Erscheidung, hat sich aber im zurückliegenden Sommer schlagartig vermehrt“, erklärt Armbruster. Rund 500 Festmeter Schadholz, das vor allem Opfer der Borkenkäfer wurde, werden seine Mitarbeiter bis Ende März 2019 aufgearbeitet haben. Besonders betroffen sind Bereiche im Oberen Wald und im Bietigheimer Forst.

„Zudem gibt es viele dürre Kiefern im Bruchwald. Die Ursache für diese Trockenschäden konnten wir noch nicht genau bestimmen“, betont der Revierförster Bietigheim-Bissingens. Dieses Problem bereitet auch Böer Kopfzerbrechen. „Wegen der trockenen Hitzeperioden und dem zu geringen Wasserspeicher des Waldes ist die Vitalität bei allen Bäumen stark eingeschränkt. Massiv sind diese Probleme bei Lärchen und Kiefern. Bei den Borkenkäfern tritt bei der Fichte vor allem der Kupferstecher auf, der nur die Kronen der Bäume befällt, während in anderen Jahren der Buchdrucker den Hauptanteil der Schäden verursacht“, erklärt Böer.

Schädlinge schwärmen aus

Der Buchdrucker frisst sich in die Rinde der Bäume und zerstört im Inneren den Stammes die wichtigen Leitungsbahnen. Die nur wenige Millimeter großen Käfer überwintern in der Rinde und im Boden. Sobald die Temperaturen wieder wärmer werden, schwärmen die kleinen Schädlinge aus und befallen neue Bäume. Dass im vergangenen Jahr mehr Populationen der unterschiedlichen Borkenkäfer aufgetreten sind als in den Jahren davor, wissen die Revierförster bereits. Wie hoch der Bestand jedoch in diesem Frühjahr sein wird, ist noch nicht genau zu prognostizieren.

„Wir blicken diesem Forstjahr mit großer Spannung entgegen. Es kommt auch darauf an, wie sich die Winterfeuchtigkeit der letzten Wochen auswirkt. Dadurch sind die Startchancen für die Bäume natürlich besser. Aber noch ist der Wasserspeicher des Waldes nicht gut genug gefüllt“, schildert Böer. Armbruster hofft auf einen regenreichen Frühsommer und einen verregneten „Biergartensommer“, um die Borkenkäferpopulationen zu minimieren und den Bäumen wieder zu mehr Vitalität zu verhelfen.

„Derzeit können wir nichts anderes tun, als die Bäume genau zu untersuchen und das Schadholz so schnell wie möglich aus dem Wald zu holen, um die befallenen Flächen so gering wie möglich zu halten“, sagt Bietigheim-Bissingens Förster. In Böers Revier sind die Schäden vor allem in den Hochebenen des Strombergs und an den Südhängen zu verzeichnen. „Aber gerade in der letzten Woche haben ich auch Schäden in der Talebene im Großsachsenheimer Wald entdeckt. Daher müssen wir alle Flächen intensiv abgehen“, so Böer. Es bleibt vorerst dabei: Die Förster müssen ganz genau hinschauen.