Landwirtschaft Hitze und Trockenheit: Mähdrescher rücken früher aus

Ein vertrautes Bild schon in diesen Tagen: Wie hier in Freiberg, sind die Landwirte in der Region bereits mit der Getreideernte beschäftigt. Auf die Wintergerste folgen wohl direkt die Sommergerste und der Winterweizen. 
Ein vertrautes Bild schon in diesen Tagen: Wie hier in Freiberg, sind die Landwirte in der Region bereits mit der Getreideernte beschäftigt. Auf die Wintergerste folgen wohl direkt die Sommergerste und der Winterweizen.  © Foto: Martin Kalb
Landkreis Ludwigsburg / Von Frank Ruppert 04.07.2018

Stressig ist die Erntezeit immer“, sagt Eberhard Zucker, Kreisverbandschef der Landwirte.  Im Vergleich zum langjährigen Mittel sei man in diesem Jahr aber etwas früher dran. „Die Wintergerste wird gerade abgeerntet. In der Regel haben wir dann zehn Tage bis zwei Wochen Zeit bis Sommergerste und Winterweizen dran sind. In diesem Jahr rechne ich aber mit einem nahtlosen Übergang zu den anderen Getreidearten“, erklärt Zucker. Franziska Grötzinger, Pflanzenschutzberaterin beim Landratsamt Ludwigsburg bestätigt den Eindruck Zuckers: „Bei der Wintergerste sind  kreisweit schätzungsweise  schon 10 bis 15 Prozent der Fläche abgeerntet. In einzelnen Gebieten kann das aber auch mehr sein,   weil dort schon früher begonnen wurde.“

Die Gründe für den Frühstart liegen im warmen April, dem Rekord-Mai und den vergangenen heißen Wochen. Einen echten Frühling konnte Zucker in diesem Jahr nicht ausmachen: „Wir sind vom Spätwinter gleich in den Frühsommer übergegangen. Das vergessen die Leute oft“, sagt Zucker. Bei den aktuellen Temperaturen um die 30 Grad und der Trockenheit entwickle sich das Korn nicht mehr weiter. Aber Zucker will nicht meckern, die Wintergerste habe nach einem ersten Eindruck gute Erträge gebracht, auch weil es, wie Zucker sagt, trotz warmen Temperaturen im Frühjahr auch immer wieder geregnet habe. „Da sind andere Region weiter nördlich und im Osten Deutschlands viel schlimmer betroffen, weil es dort trocken war“, sagt Zucker.

Bei der nun anstehenden Ernte von Sommergerste und Winterweizen gehe es bei den Landwirten auch um Logistik, weil beides wohl fast zeitgleich reif sei. Da gelte es, die Mähdrescher-Einsätze zu koordinieren und sich mit den Mühlen abzustimmen. Auch der Ertrag selbst ist für die Landwirte noch ein Fragezeichen. Entwickelt sich das Korn gut genug, um genug abzuwerfen? Die Frage könne erst nach der Ernte beantwortet werden. Beim Verbraucher wird von all dem wahrscheinlich nur wenig ankommen. „Die Brötchen werden nicht teurer. Dabei könnten wir einen etwas höheren Preis sehr gut gebrauchen“, sagt der Landwirte-Vertreter. An den Getreidebörsen sei allerdings allenfalls ein leichter Anstieg zu verzeichnen, der nicht spürbar beim Endverbraucher ankommen werde. Das liege auch daran, dass in Osteuropa mit einer guten Ernte gerechnet werde.

Sorgen macht sich Zucker vor allem um den Mais. Dieser wird zwar erst Ende August geerntet. Momentan befinden sich die Pflanzen aber in einer wichtigen Entwicklungsphase. Bei anhaltender Trockenheit werden die Körner nicht groß. Zucker habe schon Felder gesehen, in denen sich alle Blätter gerollt haben. Das sei ein Zeichen für zu große Trockenheit. Grötzinger sieht ähnliche Probleme bei der Zuckerrübe, auch wenn das noch nicht besorgniserregend sei.

Auch die Wengerter rechnen mit einer frühen Lese in diesem Jahr. „Weil die Blüte schon Ende Mai war, gehen wir nach aktuellem Stand davon aus, dass die Lese bereits Ende August/Anfang September beginnt“, sagt Rainer Lang, Vorsitzender der Weingärtner Stromberg-Zabergäu. Grund dafür sei der warme Frühling. Er spricht von einem tollen Jahrgang mit vielen Trauben. So vielen, dass bald wohl sogar ein Rückschnitt angebracht sei um die Qualität des Jahrgangs nicht zu gefährden. Dass die Wengerter zwei Wochen früher als sonst ran müssen, hat für manche weitreichende Folgen. „Bei unserer Versammlung vor Kurzem habe ich die Weinbauern darauf hingewiesen, nicht Anfang September Urlaub einzuplanen und ihre Erntehelfer bereit zu haben“, so Lang.

Info Nach den massiven Ernteausfällen im vergangenen Jahr erwarten die Obstbauern der Region dieses Jahr eine ertragreiche und qualitativ gute Ernte von Kirschen und Äpfeln. Mehr darüber auf  Seite 14

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